Unternehmensumbau Zusteller der Deutschen Post sollen in neuen Betrieb ausgelagert werden

Die Deutsche Post legt Briefzusteller mit den Mitarbeitern aus der Billig-Tochterfirma Delivery zu einem Betrieb zusammen. Gewerkschaften befürchten eine "Aushöhlung der Tarifverträge".

Briefträger in Düsseldorf
DPA

Briefträger in Düsseldorf


Die Deutsche Post plant offenbar einen großen Umbau. Einem Bericht der Tageszeitung "Welt" zufolge gründet der Konzern einen neuen Gesamtbetrieb für die Zustellung von Briefen und Paketen. Darin sollen die nach Haustarifvertrag angestellten Mitarbeiter der Deutschen Post Aktiengesellschaft unmittelbar mit den Kollegen der vor zwei Jahren gegründeten Billig-Tochterfirma Delivery zusammenarbeiten. Diese Pläne sollen bereits zum 1. Mai umgesetzt werden.

Die Gewerkschaften blicken kritisch auf dieses Vorhaben, da künftig unter dem Dach ein und derselben Postniederlassung dann Kollegen mit unterschiedlichen Stundenlöhnen oder Wochenarbeitszeiten arbeiten. Die Gewerkschaften sehen dahinter laut "Welt" das Ziel des Managements, Löhne zu drücken und Arbeitsbedingungen zu verschlechtern.

"Wir befürchten, dass das Lohnniveau bei der Post auf Dauer abgesenkt werden soll", sagte Christina Dahlhaus, Bundesvorsitzende der Fachgewerkschaft DPVKOM. Sie sah dies als "Einstieg in die weitere Aushöhlung der Tarifverträge der Deutschen Post AG".

Seit 2015 arbeiten laut Post etwa zehntausend Paketzusteller in 46 Tochtergesellschaften namens DHL Delivery. Sie werden nach regionalen Tarifverträgen aus dem Speditionsbereich bezahlt, die sehr unterschiedliche Regelungen beim Gehalt und der Arbeitszeit vorsehen.

Daneben gibt es laut Gewerkschaft Verdi noch 7650 Paketzusteller, die nach dem bundeseinheitlichen Hausvertrag der Deutschen Post AG bezahlt werden. Letztere verdienen laut Schätzungen im Schnitt etwa ein Fünftel mehr als ihre Delivery-Kollegen.

Diese betriebliche Trennung soll nach den Post-Plänen nun aufgehoben werden, während die tariflichen Unterschiede bestehen bleiben sollen. Dann gäbe es einen Chef und einheitliche Arbeitspläne bei unterschiedlichen Arbeitszeiten und Pausenregelungen - eine "sehr komplizierte Aufgabe", wie eine Verdi-Sprecherin sagte.

hej/dpa-AFX



insgesamt 82 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
hexenbesen.65 12.03.2018
1.
Vor allem--SELBST ERLEBT !!! werden da Leute eingestellt, die nicht mal LESEN können !!!!! Wir wohnen in einem Mehrfamilienhaus....(dh, wir müssen die Post nu selber sortieren, weil die nicht in der Lage sind, Müller zu Müller und Schmitt zu Schmitt einzuwerfen....oder gleich ganz falsche Hausnummern --drei Häuser weiter...) Hauptsache billig "Fachkräfte" - wo noch nicht mal die "Uniform" richtig sitzt...Regen sich ganze Viertel bei uns in der Stadt auf.
keksguru 12.03.2018
2. Hat das Lohndumping denn kein Ende?
eins ist schon mal jetzt klar, neu bei dieser Gesellschaft eingestellte Briefzusteller werden nicht zum besseren, sondern zum schlechteren Tarif bezahlt. Möcht ich jedenfalls wetten. Aber wenn die Post ihr Kerngeschäft auslagert, wofür ist dann noch die Post AG da? Aufgeblasener Wasserkopf und nichts dahinter? Leute, wehret den Anfängen, denn das endet letztenendlich in moderne Lohnsklaverei.
deranaluest 12.03.2018
3. Tpyisch
Die, die die meiste Wertschöpfung erbringen werden am schlechtesten bezahlt. Und das zieht sich durch viele Branchen.
K:F 12.03.2018
4. Neokapitalismus nimmt kein Ende
Die Briefzusteller werden nur aus einem Grund ausgelagert. Druck auf die Beschäftigten auszuüben und die Löhne zu senken. Deutschland benötigt aber im Gegenteil höhere Löhne.
Benjowi 12.03.2018
5. Kurzsichtige Lohndrückerei!
Es ist unglaublich, dass dieses System der Lohndrückerei -und nichts Anderes ist diese Maßnahme potentiell-auch in den Zeiten gut laufender Wirtschaft und angeblichem Arbeitskräftemangels weiter geht. Dieses Land ist ohnehin zu einem Dumpinglohnland, das obendrein mit einer unterbewerteten Währung arbeitet, verkommen und erzeugt dadurch Ungleichgewichte im Welthandel, die mittlerweile das ganze System bedrohen. Gleichzeitg bekommen die Arbeitnehmer schon lange nicht mehr den gerechten Anteil am Erwirtschafteten. Eigentlich wäre genau der entgegengesetzte Trend angesagt!
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.