Deutsche Krankenhausgesellschaft Erhalt kleiner Kliniken kostet Milliarden

Die Deutsche Krankenhausgesellschaft hat vorgerechnet, welche Kostensteigerungen das Gesundheitssystem zu verkraften hat. Natürlich gibt es auch Sparvorschläge - die aber dürften erheblichen Widerstand hervorrufen.

Krankenhaus (Symbolbild)
DPA

Krankenhaus (Symbolbild)


Der Erhalt kleiner Kliniken kostet nach Angaben der Deutschen Krankenhausgesellschaft (DKG) jährlich mindestens fünf Milliarden Euro zusätzlich. Die Bedingungen besonders von kleineren Krankenhäusern auf dem Land seien deutlich schwieriger geworden, sagte Verbandspräsident Gerald Gaß der "Rhein-Zeitung" "Deshalb ist nicht auszuschließen, dass weitere Klinikstandorte in Bedrängnis geraten und sich die Frage stellt, ob ein Krankenhaus schließen muss."

Zur Finanzierung des jährlichen Anstiegs der Tariflöhne sei rund eine Milliarde Euro zusätzlich erforderlich. Das fehlende Investitionsvolumen belaufe sich auf jährlich rund drei Milliarden Euro. Hinzu kommt laut Gaß ein kalkuliertes Defizit von jährlich einer Milliarde Euro in der Notfallversorgung.

DKG: Zu starke Zentralisierung erhöht Pflegelast

"Sicherlich ist nicht in jedem kleinen Ort ein Krankenhaus nötig, nur um diesen Raum attraktiv zu halten", sagte Gaß. Eine Zentralisierung, wie es sie etwa in Dänemark gebe, halte er in einem Flächenland wie Deutschland allerdings für nicht umsetzbar.

Zuletzt hatte die AOK eine stärkere Spezialisierung und Zentralisierung der Krankenhäuser gefordert, um die Qualität der Behandlung zu verbessern. Diesen Vorstoß hatte die DKG jedoch als teilweise unseriös bezeichnet und argumentiert, dass eine zu starke Zentralisierung in bestimmten medizinischen Bereichen zu einer Erhöhung der Pflegelast führen würde.

ans/AFP

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insgesamt 29 Beiträge
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ede-wolff 26.03.2018
1. Kirchturmpolitik
Zwei Beispiele aus Bayern, wo mehrere Vollkrankenhäuser fast in Nachbarschaft nebeneinander betrieben werden: 1. Kreiskankenhaus in Freising, in 20 km Entfernung Kreiskrankenhaus in Moosburg. Seit über 20 Jahren jedes Jahr Defizite in Mio-Höhe; der Kreisrat traut sich nicht zusammenzulegen: Proteste der Bevölkerung 2. weitere 15 km weiter in Landshut-Stadt zwei (!) Vollkrankenhäuser. Wieso bei einer Zusammenlegung hier der Pflegestress steigen sollte, erschließt sich mir nicht.
Sensør 26.03.2018
2. Wie rechnen sich den die großen Kliniken?
Ich kenne nur das Paradebeispiel Hamburg, die großen Kliniken wurden alle privatisiert, mit der Folge, dass kaum noch jemand arbeitet. Eine Freundin ist neulich vier Stunden nach der Einlieferung schwer krank getürmt, weil es weder ein Bett für sie gab, noch war jemand anwesend, der sich überhaupt um sie kümmerte.
sven2016 26.03.2018
3.
In bestimmten Einzelfällen kann eine Zusammenlegung oder Erweiterung eines Krankenhauses mit Schließung eines anderen sinnvoll sein. Generell zu Krankenhauszentren mit Schwerpunktversorgung überzugehen, wird alleine die Notfallmedizin überfordern. Wenn man mal im Rettungswagen zu drei Krankenhäusern gefahren und abgewiesen wurde, ahnt man auch weshalb. Die Gesundheitsversorgung darf nicht von KK und Unternehmensberatungen bestimmt werden. Danach würde sich auch Polizei undJustiz nicht rechnen. Am besten privatisieren?
interessierter Laie 26.03.2018
4. @Sensør
was hat Privatisierung mit der Größe zu tun? Fakt ist, in fast allen Bereichen einer Klinik sorgt Größe für eine bessere Auslastung der Ressourcen und damit für geringere Kosten. Und der Grund ist einfach. Ein Gerät kostet das gleiche, ob es zu 10 Prozent oder zu 90 Prozent ausgelastet ist. In einer gut besetzten Abteilung ist es auch kein Problem, wenn mal jemand ausfällt. Ist erstmal allein, sieht das ganz anders aus. Hinzu kommen Lerneffekte durch hohe Fallzahlen auch in Spezialbereichen. Das erhöht nicht nur die Effizienz, sondern auch die Qualität. Im Zweifel hören sicher auch Sie nicht gern, wenn der Arzt Ihnen gegenüber eingesteht - so einen Fall wie Sie hatten wir hier noch nie...
mirko_milinewitsch 26.03.2018
5. Falsche Zahlen
Die genannten Milliardenbeträge für Tariffinanzierung, Investitionen und Notfallversorgung bilden den Bedarf aller Krankenhäuser in Deutschland. 5 Milliarden Euro, um alleine die kleinen Krankenhäuser zu retten, ist nicht richtig. Leider schlecht aufbereitet von AFP.
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