Neuverschuldung Deutschland leiht sich Geld - und bekommt dafür Zinsen

Erstmals erzielt Deutschland bei der Ausgabe einer zehnjährigen Bundesanleihe einen Negativzins. Der Staat erhält damit Geld von den Gläubigern - statt Zinsen zahlen zu müssen.

Wolfgang Schäuble
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Der deutsche Staat verdient erstmals mit einer zehnjährigen Bundesanleihe Geld. Bei der Versteigerung der bis August 2026 laufenden neuen Papiere begnügten sich die Investoren mit einer negativen Rendite von 0,05 Prozent, gab die mit dem Schuldenmanagement des Bundes betraute Finanzagentur bekannt.

Insgesamt hat der Staat zu diesem Zinssatz Schulden in Höhe von gut vier Milliarden Euro aufgenommen. Der Staat erhält somit von den Gläubigern für die Schuldenaufnahme Geld, anstatt Zinsen zahlen zu müssen.

Die Renditen deutscher Staatspapiere sind seit geraumer Zeit sehr niedrig. Dies liegt vor allem an der extrem lockeren Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB). Jüngst kam die Unsicherheit durch das Brexit-Votum hinzu.

Nachfrage übertraf das Volumen um das 1,2-Fache

In unsicheren Zeiten verlagern Investoren ihr Geld verstärkt in sogenannte sichere Häfen wie Staatspapiere. Bundesanleihen gelten als nahezu risikoloses Investment, weil Deutschland pünktlich zurückzahlt und von großen Ratingagenturen mit der höchsten Bonitätsnote "AAA" bewertet wird. Aufgrund der großen Nachfrage nehmen Anleger niedrigere Zinsen in Kauf. Davon profitiert der Staat.

Die Nachfrage übertraf im aktuellen Fall das angebotene Volumen um das 1,2-Fache. Das Papier war erstmals überhaupt mit einem Zinscoupon von 0,00 Prozent zur Auktion ausgeschrieben - der Bund bot den Anlegern also von vornherein keine Zinsen. Sie wurden zu einem Kurs von 100,48 Prozent zugeteilt, werden am Laufzeitende aber nur zu 100 Prozent zurückgezahlt. Durch diesen Kursverlust ergibt sich die negative Rendite.

Im Handel an den Finanzmärkten mit bereits im Umlauf befindlichen Staatspapieren war die Rendite der zehnjährigen Bundesanleihe bereits im Juni erstmals unter Null gefallen. Davon profitiert der Staat aber nicht direkt, weil er auf bestehende Papiere weiterhin den zum jeweiligen Zeitpunkt der Schuldenaufnahme erzielten Zins zahlen muss.

msc/Reuters/dpa-AFX



insgesamt 309 Beiträge
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tommit 13.07.2016
1. Der Artikel ist nutzlos
da er nur das was erklärt aber nicht das Warum? Einen Negativzins nur wegen der sicheren Rückzahlung ? Das ist sicherlich nicht die ganze Bilanz...
unixv 13.07.2016
2. @ Schäuble!
bedankt dich bei mir, ich habe viele Lebensversicherungen die ihr mir kaputt gemacht habt! Ich gehe bakld in Armuts-Rente, damit IHR euch fett die Diäten erhöhen könnt!
magicmerlin 13.07.2016
3. Den Bürgern zurückgeben!
Na, Herr Schäuble, dann wird es mal Zeit für eine Steuersenkung!
sorosch 13.07.2016
4. Absurd
wie kaputt muss unsere Marktwirtschaft sein?
Neapolitaner 13.07.2016
5. Und es kauft das Ausland
Wenn ich Italiener oder Spanier wäre, würde ich auch Liquidität, welche ich für Jahre nicht benötige, in deutschen Staatsanleihen anlegen. Wenn der Euro einen Break-Up erleidet, dann bliebe (sehr viel) mehr übrig als wenn das Geld auf der Bank gelegen hätte. Dass dies auf längere Sicht das Geldsystem (das des € jedenfalls) aushebelt, steht auf einem anderen Blatt.
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