Migration Jeder sechste Unternehmer hat ausländische Wurzeln

Migranten werden zur neuen Triebfeder der Firmengründungen. Laut einer Studie gibt es einen Gründungsboom unter Unternehmern mit ausländischem Hintergrund, Gründer mit deutschen Wurzeln gebe es weniger.


Hinter Unternehmen in Deutschland stehen immer mehr Menschen mit ausländischen Wurzeln. Jeder sechste Unternehmer in Deutschland hat einen Migrationshintergrund. Dies geht aus einer Studie im Auftrag des Bundeswirtschaftsministeriums hervor, aus der das RedaktionsNetzwerk Deutschland vorab zitierte. In den vergangenen zehn Jahren stieg demnach die Zahl der selbstständigen Migranten um 171.000 auf insgesamt 737.000 - das ist ein Zuwachs von 30 Prozent.

Im gleichen Zeitraum habe es bei Selbstständigen deutscher Abstammung einen Rückgang um etwa 90.000 Unternehmer oder drei Prozent gegeben, heißt es in der Studie. Vor allem im Baugewerbe und im Bereich wissens- und technologieintensiver Dienstleistungen ist eine hohe Gründungsaktivität von Migranten zu beobachten. "Diese Entwicklung ist ein Zeugnis für eine erhebliche Modernisierung des Leistungsspektrums migrantischer Gründungen", zitieren die Zeitungen aus der Studie.

Vor allem bei Neugründungen von Unternehmen spielen Migranten demnach eine immer wichtigere Rolle. Im Jahr 2003 habe es 56.000 Gewerbegründungen von Menschen mit Migrationshintergrund und 369.000 Gründungen von Deutschen gegeben. Im vergangenen Jahr hätten 100.000 Gründer ausländische und nur noch 127.000 deutsche Wurzeln gehabt. Der Anteil der Gründungen von Migranten stieg damit von 13 Prozent auf 44 Prozent.

Die Studienautoren diagnostizieren einen regelrechten "Gründungsboom" unter Migranten. Die wenigsten dieser Gründungen erfolgten aus Not heraus, schrieben sie. Gerade einmal acht Prozent der gründenden Migranten seien zuvor als Arbeitslose registriert gewesen.

Wirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) begrüßte die Entwicklung. "Wir brauchen in Deutschland mehr Gründerinnen und Gründer", sagte der SPD-Chef dem Redaktionsnetzwerk. "Umso mehr freut es mich, dass Gründerinnen und Gründer mit ausländischen Wurzeln weiter am Ball bleiben und einen immer wichtigeren Platz in unserer Gründungslandschaft einnehmen."

kig/AFP



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