Neue Bundesanleihe 30 Jahre lang Minizinsen

Deutschland leiht sich Geld bis 2048 und zahlt nur Minizinsen von 1,27 Prozent. Warum tun sich Anleger das an?

Skyline von Frankfurt
DPA

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Der deutsche Staat hat am Anleihemarkt Geschichte geschrieben: Erstmals hat der Bund eine Bundesanleihe mit 30 Jahren Laufzeit zu einem Zinscoupon von nur 1,25 Prozent ausgegeben. So einen niedrigen Zinscoupon hat Deutschland bislang noch nie für eine derart lange Laufzeit gegeben. Der deutsche Staat kann sich damit extrem günstig Geld leihen, während die Anleger blöd dreinschauen: Sie bekommen nur mickrige Zinsen, auch wenn sie ihr Geld für eine lange Zeit verleihen.

Bei der Auktion der Anleihe belief sich die tatsächliche erzielte Durchschnittsrendite der Investoren auf 1,27 Prozent. Dies ist allerdings kein Rekord: Den Tiefstand verzeichnete der Bund im Juli 2016, als die Rendite für eine dreißigjährige Anleihe bei 0,45 Prozent lag.

Der Trend zu Staatsanleihen mit extrem langen Laufzeiten zeichnet sich schon länger ab: Denn Anleger greifen auf der Suche nach höheren Renditen nach Papieren mit immer längeren Laufzeiten. Österreich hatte am Dienstag erstmals gar eine Staatsanleihe mit 100 Jahren Laufzeit platziert. Nicht nur die Laufzeit bis zum Jahr 2117 ist außergewöhnlich, auch die Rendite des Jahrhundert-Bonds sorgte an den Finanzmärkten für Verwunderung. Am Tag der Zuteilung lag die Rendite der Anleihe bei 2,1 Prozent. Das ist sogar etwas weniger, als derzeit zehnjährige US-Staatsanleihen bringen.

Zudem gehen Anleger ein großes Risiko ein: Sollten die Zinsen in Zukunft irgendwann mal wieder steigen, verlieren solche Anleihen an Attraktivität - und damit an Wert. Dann muss man sie schon bis zum Laufzeitende halten, um sein Geld sicher wiederzusehen. Doch bis dahin dürften die meisten Käufer längst tot sein.

Derzeit sieht es allerdings noch nicht danach aus, als würden die Zinsen in Europa bald kräftig anziehen. Denn die extrem lockere Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) geht vorerst weiter. EZB-Chef Mario Draghi hat die Zinswende Anfang September ein weiteres Mal verschoben. Die EZB pumpt seit Anfang 2015 massiv Geld ins Finanzsystem, indem sie in großem Stil Staatsanleihen und andere Papiere am Markt aufkauft. Durch diese Käufe drückt sie die Renditen für Staatsanleihen massiv nach unten.

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insgesamt 25 Beiträge
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wll 20.09.2017
1. Kein Titel
Wer höhere Zinsen möchte, kann ja argentinische oder griechische Staatsanleihen zeichnen. Aber dann bitte nicht nach irgendwelchen Rettungsschirmen schreien, wenn's schief gehen sollte... Die Frage, wer sich das antut, lässt sich auch leicht beantworten. Versicherungen müssen beispielsweise einen bestimmten Teil ihres Anlagekapitals in sicheren Anleihen investieren, und da sind Bundesanleihen ganz vorne mit dabei - Deutschland hat halt nun einmal eine exzellente Bonität. Und auch andere institutionelle Anleger wie Rentenfonds können nicht nur Hochzinsanleihen aus Risikostaaten ins Portfolio packen.
rainer_daeschler 20.09.2017
2. "Warum tun sich Anleger das an?"
Eine Erklärung durch den Autor wäre jetzt wirklich nett gewesen.
willibaldus 20.09.2017
3.
Zitat von wllWer höhere Zinsen möchte, kann ja argentinische oder griechische Staatsanleihen zeichnen. Aber dann bitte nicht nach irgendwelchen Rettungsschirmen schreien, wenn's schief gehen sollte... Die Frage, wer sich das antut, lässt sich auch leicht beantworten. Versicherungen müssen beispielsweise einen bestimmten Teil ihres Anlagekapitals in sicheren Anleihen investieren, und da sind Bundesanleihen ganz vorne mit dabei - Deutschland hat halt nun einmal eine exzellente Bonität. Und auch andere institutionelle Anleger wie Rentenfonds können nicht nur Hochzinsanleihen aus Risikostaaten ins Portfolio packen.
Private Anleger werden das wohl eher nicht machen. Die nehmen eher kurzfristigere Anleihen und streuen dann auch ein paar riskantere Anleihen darunter.
tulius-rex 20.09.2017
4. Anlagen streuen, in sichere Anlagen investieren
Ganz einfach: zur Zeit gutes Geld verdienen mit Aktienfonds, 1,27% ist immer noch besser als Tagesgeld, die Quellensteuer ist gering, das Haus ist abbezahlt, neue Immobilien überteuert. Bei einer derart geringen Inflation ist das doch eine gute Geldanlage, denn die tatsächliche Inflation ist weit geringer als 1% (der höhere %-Wert kommt lediglich durch den auf- und abpendelnden Ölpreis).
Steve.Joe 20.09.2017
5. Garantiezins bei Altersvorsorge
Die Garantiezinsen bei Altersvorsorgen sind zuletzt auf 0,9% gefallen ... da werden wohl einige Lebensversicherungen, Versicherungen mit privaten Altersvorsorgeprodukten (Riester) und betriebliche Pensionsfonds zugegriffen haben. Die Aktienquote dürfte bei diesen Vorsorgeprodukten nicht allzu hoch sein. Ein Garantiezins zwingt die Versicherer und Pensionsfonds geradezu in niedrig verzinsliche, dafür sichere Analageprodukte. Und was gibt es da schon besseres als Bundesanleihen ...
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