Drohender Handelskrieg Forscher sehen stark gestiegene Rezessionsgefahr

Endet Deutschlands jahrelanger Aufschwung? Laut einem Konjunkturindikator ist das Risiko eines Abschwungs zuletzt drastisch gestiegen. Das liegt vor allem an Donald Trump.

Containerfrachter am Altenwerder-Terminal in Hamburg
Getty Images

Containerfrachter am Altenwerder-Terminal in Hamburg

Von


Das Risiko einer Rezession in Deutschland ist vor allem durch die US-Handelspolitik deutlich gestiegen. Das zeigt der Konjunkturindikator des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), der an diesem Montag veröffentlicht wird und dem SPIEGEL vorab vorlag. Für den Zeitraum von April bis Ende Juni geht das Institut der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung von einer mittleren Rezessionswahrscheinlichkeit von 32,4 Prozent aus. Im März hatte das Risiko noch bei lediglich 6,8 Prozent gelegen.

Seit einiger Zeit mehren sich Anzeichen, wonach der seit 2013 anhaltende Aufschwung der deutschen Wirtschaft zu einem Ende kommen könnte. Der IMK-Indikator bündelt verschiedene Daten zur Konjunkturentwicklung, sowohl von den Finanzmärkten als auch aus der Realwirtschaft. Ab einem Wert von 30 Prozent signalisiert er eine wahrscheinliche Rezession, durch die neuen Daten springt der Indikator nun von "grün" auf "gelb".

Die wachsende Gefahr eines Abschwungs dürfte sich auch im Frühjahrsgutachten für die Bundesregierung niederschlagen. Die Konjunkturprognose der führenden Wirtschaftsforschungsinstitute wird am Donnerstag in Berlin vorgestellt.

Die IMK-Forscher richten besonderes Augenmerk auf die Industrieproduktion. Diese reagiert früher auf einen Nachfrageeinbruch als das Bruttoinlandsprodukt und verzeichnete im Februar ein überraschend deutliches Minus von 1,6 Prozent. Dabei könnte laut IMK allerdings auch eine Grippewelle eine Rolle gespielt haben.

Hinzu kommen zunehmende Schwankungen der Börsenkurse und eine Verschlechterung verschiedener Stimmungsindikatoren. Diese Entwicklungen gehen laut IMK "zum größten Teil auf den Konfrontationskurs zurück, den US-Präsident Donald Trump in der Handels- und Zollpolitik eingeschlagen hat". Sollte es zu einem Handelskrieg zwischen den USA und China oder anderen Ländern kommen, so könnte dies Deutschlands stark von Exporten abhängige Wirtschaft empfindlich treffen.

Lohnerhöhungen als Gegenmittel?

"Präsident Trumps Flirt mit dem Protektionismus sendet Schockwellen aus, die über die Finanzmärkte auch die deutsche Wirtschaft treffen", sagt IMK-Chef Gustav Horn. Trotz der erhöhten Risiken halten die Forscher aber vorerst an positiven Wachstumsprognosen für 2018 und auch 2019 fest. "Unsere Bedenken wachsen, aber noch gehen wir von einem anhaltenden Aufschwung aus, der im Kern von der Binnenwirtschaft getragen wird."

Um eine Rezession zu verhindern, empfiehlt Horn der Bundesregierung unter anderem eine Politik, die weitere Lohnsteigerungen unterstützt und Investitionen ausweitet. Eine solche Stärkung der Binnennachfrage mache das Wachstum weniger abhängig von globalen Turbulenzen und reduziere außerdem den hohen Überschuss in der deutschen Leistungsbilanz, den die US-Regierung wiederholt kritisiert hat. "Damit würde Donald Trump der Wind aus den Segeln genommen."

insgesamt 39 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
unaufgeregter 16.04.2018
1. Normale Entwicklung
Es ist doch nicht verwunderlich, dass nach einem Aufschwung der Abschwung kommt. Je höher/länger der Aufschwung, desto tiefer/länger der Abschwung. Keine schönen Aussichten, aber leider die Erfahrung aus den letzten Jahrzehnten. Bin mal gespannt, wie eine Bundesregierung dann noch die vielen Dinge bezahlen will, die sie so in Angriff nehmen will. Wahrscheinlich droht die Erhöhung der Mehrwertsteuer. Damit es alle trifft....
bommipit 16.04.2018
2. Lohnerhöhungen ?
Wer glaubt das es jetzt zu drastischen Lohnerhöhungen kommt der glaubt auch an den Weihnachtsmann. Die deutsche Wirtschaft ist stark von Investoren und Aktionären bestimmt. Und diese denken zuerst an ihre Marge. Die Zahlen müssen alle drei Monate stimmen,am besten immer mit einer Steigerung zum Vorquartal. Da passen eine Lohnsteigerung nicht.
INGXXL 16.04.2018
3. Lohnerhöhung gegen
eine Rezension das hat noch nie geklappt. Die Bäcker Sitzung kann man doch in dieser Hinsicht nicht ernst nehmen. Die sind das Sprachrohr der Gewerkschaften. Was sagt denn das IFO dazu
bebreun 16.04.2018
4. Passt wunderbar zu Artikel über FK-Mangel
Die beiden heutigen SPON-Artikel ergänzen sich wunderbar, der hier voranstehende ist die Lösung auf den Artikel zum Fachkraftemangel. Wenn aktuell in Deutschland über 300.000 Fachkräfte fehlen und dadurch ein 30 Mrd.-Loch in der Witrschaftsleistung entsteht, dann wird unter der Prognose dieses Artikels das FK-Problem bald behoben sein.
frankfurtbeat 16.04.2018
5. solange ...
solabge unsere Politik das Spielchen Donalds mitspielt und sich weizerhin von Russland entfernt wid es so kommen. Die USA haben 300 Mio Konsumenten (letztendlich auf Zahlungsversprechen), leben entspannt auf Kosten anderer Länder (Leitwährung) und möchten nicht, das Europa sich dem Osten annähert. Tatsächlich und in Anbetracht der Probleme und Gewinne auf dem US-Markt könnte man auf die 300 Mio Konsumenten verzichten. Aber unsere Politik besticht seit Jahren durch ein Wegducken und weiter so ...
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.