Dexia-Rettung Belgien verstaatlicht Krisenbank

Die europäische Bankenkrise 2011 fordert ihr erstes Opfer: Die Dexia-Gruppe wird zerschlagen. Den belgischen Teil verstaatlicht die Regierung in Brüssel - und zahlt dafür vier Milliarden Euro. Zudem gewährt das Land gemeinsam mit Frankreich und Luxemburg Garantien von 90 Milliarden Euro. 

Dexia-Zentrale in Brüssel: Der Staat soll nun den Fortbestand des Instituts sichern
AP

Dexia-Zentrale in Brüssel: Der Staat soll nun den Fortbestand des Instituts sichern


Brüssel - Die Tage der Dexia sind gezählt. Der durch die Euro-Krise schwer angeschlagene belgisch-französische Finanzkonzern wird zerschlagen - und der größte Teil geht an Belgien: Der Staat übernehme 100 Prozent des belgischen Arms des Geldhauses, teilte Premierminister Yves Leterme am Montag in Brüssel mit. Zuvor hatte der Dexia-Verwaltungsrat das Angebot der Regierung angenommen.

Damit fällt die erste Bank der Euro-Krise 2011 zum Opfer. Das Geschäftsmodell, kurzfristig Geld aufzunehmen und es langfristig weiterzuverleihen, erwies sich als nicht krisenfest.

Für die Übernahme der Dexia Banque Belgique will der belgische Staat seinen Angaben zufolge vier Milliarden Euro zahlen, dazu kommen Garantien in Höhe von 54 Milliarden Euro für risikoreiche Wertpapiere. "Wir haben das Hauptziel erreicht, die Dexia Banque Belgique zu erhalten und die Risiken auszulagern", sagte Leterme nach einer nächtlichen Kabinettssitzung.

Gründung einer Bad Bank für Risikopapiere

Zugleich kündigte er an, dass Risikopapiere im Wert von 90 Milliarden Euro in eine sogenannte Bad Bank ausgelagert werden sollen, für die Regierungen von Belgien, Frankreich und Luxemburg garantieren. Auf Belgien entfalle ein Anteil von 60,5 Prozent oder 54 Milliarden Euro. Frankreich trage 36,5 Prozent, Luxemburg drei Prozent.

Die Regierungen Belgiens, Frankreichs und Luxemburgs hatten sich zuvor auf höchster Ebene auf eine gemeinsame Linie zur Rettung des Bankkonzerns verständigt. Frankreichs Regierungschef François Fillon war dazu in die belgische Hauptstadt gekommen.

Im Gegenzug für die Garantieleistungen werde Dexia an die drei Staaten insgesamt 450 Millionen Euro zahlen, davon 270 Millionen an Belgien. Abzüglich dieser Summe zahle Brüssel für die Dexia Banque Belgique noch den "angemessenen Preis" von 3,73 Milliarden Euro, erklärte Finanzminister Didier Reynders. Es gehe darum, den "Fortbestand" der Bank zu sichern. Die Regierung habe zudem nicht vor, "auf unbestimmte Zeit in der Bank zu bleiben, aber auch nicht, sie sofort wieder zu verlassen", sagte er.

Dexia war in den vergangenen Tagen durch Liquiditätsprobleme ins Schlingern geraten. Die Bank, die in Belgien 850 Niederlassungen und in Frankreich keine einzige Filiale hat, ist der größte Kreditgeber der Gemeinden, Städte und Regionen in Frankreich. Auf französischer Seite könnten die beiden staatlichen Banken Caisse des Dépôts und Postbank die Kredite über 70 Milliarden Euro übernehmen, die Dexia den französischen Kommunen gewährte.

yes/dpa/AFP

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insgesamt 31 Beiträge
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Seite 1
Herz_aus_Stahl 10.10.2011
1. .
"die Regierung"? welche Regierung? Belgien hat doch seit einem Jahr keine.
47/11 10.10.2011
2. Wer da ...
... das " Opfer " ist und wer der " Täter " ist noch offen . Jedenfalls ist diese Art der " verstaatlichung " der Schulden keine Lösung . Alle Banken schliessen, Guthaben im Inn- und Ausland einziehen und die Institute abwickeln, das wäre eine Lösung . Finanzgeschäfte nur noch durch " öffentliche " Finanzinstitute in der Hand der Bürger unter strengen,öffentlichen Kontrollen, und der Spuk ist vorbei .
Bre-Men, 10.10.2011
3. Empörend
Jetzt auch in Belgien der Kommunismus ausgebrochen.
TheFrog 10.10.2011
4. Da hat der Bankenstresstest.....
...ja seine Werthaltigkeit bewiesen ! Wenn ich mich recht erinnere, war die DEXIA als "stabile" Bank durch den Stresstest gekommen. Da darf man ja gespannt sein, welche Bank als nächstes die Hand aufhält. Gewundert hat mich ja auch, das Madame Hosenanzug nicht gleich ein paar Milliarden an Soforthilfe angeboten hat, wo doch am Wochenende mit Monsieur schwer um Entscheidungen gerungen wurde.
derlabbecker 10.10.2011
5. ja, wundert mich auch...
Zitat von TheFrog...ja seine Werthaltigkeit bewiesen ! Wenn ich mich recht erinnere, war die DEXIA als "stabile" Bank durch den Stresstest gekommen. Da darf man ja gespannt sein, welche Bank als nächstes die Hand aufhält. Gewundert hat mich ja auch, das Madame Hosenanzug nicht gleich ein paar Milliarden an Soforthilfe angeboten hat, wo doch am Wochenende mit Monsieur schwer um Entscheidungen gerungen wurde.
... dass Frankreich da was zahlen muss und nicht unsere Mutti das übernimmt. Ist doch sonst immer so wenn sie sich mit Sarko trifft....
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