Dicke Gewinne: E.on hortet zehn Milliarden Euro

Die Energieriesen füllen ihre Kassen: E.on hat durch den Verkauf von Unternehmensteilen Milliarden eingenommen, vorerst legt der Konzern das Geld auf die hohe Kante. Auch Vattenfall sammelt gigantische Summen - offenbar um ein neues Atomkraftwerk zu bauen.

Kühltürme eines E.on-Kernkraftwerks: In kurzer Zeit sechs Milliarden Euro eingenommen Zur Großansicht
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Kühltürme eines E.on-Kernkraftwerks: In kurzer Zeit sechs Milliarden Euro eingenommen

Düsseldorf - Es sind gigantische Summen, die der größte deutsche Energiekonzern E.on Chart zeigen anhäuft. Mit der Abgabe von Kraftwerkskapazitäten, dem Verkauf der Thü++++ga-Beteiligungen und des Hochspannungsnetzes habe das Unternehmen in kurzer Zeit rund sechs Milliarden Euro erlöst, sagte Vorstandschef Wulf Bernotat am Mittwoch bei der Vorlage der Quartalszahlen. Das Unternehmen hatte vor wenigen Tagen knapp 11.000 Kilometer seines Hochspannungsnetzes an den niederländischen Staatsbetrieb Tennet verkauft, um einer Kartellstrafe der europäischen Union zu entgehen.

Bis Ende 2010 sollen noch weitere vier Milliarden Euro durch Verkäufe von Unternehmensteile hinzukommen. Die Mittel will E.on vor allem in den Ausbau der Stromerzeugung investieren. Das seien Zukunftsinvestitionen und trotz der rezessionsbedingten Nachfragedelle notwendig, betonte Bernotat.

Dabei rechnet der E.on- Vorstandsvorsitzende, der im kommenden Jahr den Chefsessel für seinen Stellvertreter Johannes Teyssen räumt, schon im kommenden Jahr mit einer steigenden Nachfrage. Auch der Bedarf an neuen Kraftwerkskapazitäten werde bis 2015 in Europa steigen.

Auch die Kasse des Energiekonzerns Vattenfall ist gut gefüllt. Das Unternehmen will Presseberichten zufolge neben seinem deutschen Stromnetz auch Leitungen im heimischen Schweden verkaufen. Der Stockholmer Fernsehsender TV4 berichtet unter Berufung auf vertrauliche Unterlagen aus dem Aufsichtsrat, dass Vattenfall mit den erhofften Einnahmen von 50 Milliarden Kronen (4,9 Milliarden Euro) den Bau eines Atomkraftwerkes in Großbritannien finanzieren will.

E.on will 1,5 Milliarden Euro einsparen

Über die Berichte zum geplanten Verkauf des schwedischen Stromnetzes mit 850.000 angeschlossenen Kunden - fast zehn Prozent der Gesamtbevölkerung - hieß es, dass der Aufsichtsrat sich mit entsprechenden Plänen beschäftigt habe. "Eine Entscheidung ist aber derzeit nicht aktuell."

E.on hatte in den ersten neun Monaten 2009 Probleme: Ein rückläufiger Gasabsatz ließ die Umsätze des Konzerns um zwei Prozent auf 59,3 Milliarden Euro sinken. Belastungen aus der Wirtschaftskrise, Stillstände von Kernkraftwerken sowie entfallende Ergebnisbeiträge durch den Verkauf von Kraftwerkskapazitäten seien aber durch die Aktivitäten in Frankreich und Rumänien wieder aufgefangen worden.

Zügig voran kommt E.on Bernoat zufolge mit seinem Sparprogramm, das dem Konzern bis Ende 2011 jährlich Entlastungen von 1,5 Milliarden Euro bringen soll. Ohne betriebsbedingte Kündigungen und mit sozialverträglichen Lösungen will das Unternehmen dabei mehrere Tausend Stellen einsparen.

Es werde keine größere Entlassungen geben, unterstrich Bernotat. Das Programm, das sich ursprünglich auf die Strom- und Gasgeschäfte von E.on in Deutschland, England und Skandinavien konzentrierte, sei inzwischen auf die Sparten Erneuerbare Energien und Energiehandel sowie auf die Länder, Italien, Russland und Spanien ausgeweitet worden.

Kritik von Schwedens Wirtschaftsministerin

Vattenfall wiederum hat weniger finanzielle Probleme - als vielmehr politische. Die schwedische Wirtschaftsministerin Maud Olofsson kritisierte, die "Ereignisse der jüngsten Zeit" seien aus Sicht des staatlichen Eigners nicht gut für den Ruf des Unternehmens. Das in Deutschland wegen der Pannen in seinen seit Atomkraftwerken Krümmel und Brunsbüttel massiv in die Schlagzeilen geratene Unternehmen wird auch in der schwedischen Öffentlichkeit seit längerem heftig kritisiert.

Dabei geht es neben Sicherheitsstandards in heimischen Atomkraftwerken vor allem um massive Vattenfall-Investitionen in deutsche und polnische Kohlekraftwerke, die nach Meinung der Stockholmer Regierung als alleinigem Anteilseigner an dem Staatskonzern nicht im Einklang mit Schwedens Klimapolitik stehen.

Der wirtschaftspolitische Sprecher der sozialdemokratischen Opposition, Tomas Eneroth, sagte zum möglichen Verkauf: "Es ist völlig inakzeptabel, einen so wichtigen Teil unserer Infrastruktur wie das Stromnetz zu privatisieren."

fro/dpa/dpa-AFX

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Forum - Atomenergie - soll die neue Regierung die Laufzeiten für Kernkraftwerke verlängern?
insgesamt 5950 Beiträge
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1.
schlob 10.10.2009
Zitat von sysopEs ist ein Gebot der Vernunft die AKWs als Brückentechnologie zu verwenden. Es bedeuted lediglich die Erhöhung der späteren nuklearen Abfälle die aber eh einmal zur Entsorgung anstehen. Ebenso wie die weltweit der Reaste der Atomwaffen welche Friedensnobelpreisträger B. Obama mittelfristig abbbauen will. Bzgl. Sicherheit der AKWs: - Tschernobyl ... 60,000 Tote als oberster Schätzung - H1N1 als Spanische Grippe ... 50 Mill. Tote als oberste Schätzung Wenn die Bürger den 1000-fach gefährlicheren H1N1 akzeptieren ist AKW-Nutzung nun wirklich easy.
5. Der russ. Regierungschef Wladimir Putin hat grünes Licht für den Bau eines KKW in der Exklave Kalinin-grad (früher Königsberg) zwischen Polen und Litauen gegeben. Die staatliche Atomholding Rosatom wolle für das Projekt (Baukosten 5 Mrd. €) einen westlichen Investor gewinnen. Dabei wird auch die Lieferung von russ. Atom-strom nach Deutschland geprüft über ein Kabel mit einer Transportleistung von 600 bis 1000 MW. Das Kabel soll entlang der „Gerhard Schröder-Erdgaspipeline“ verlegt werden.(dpa 28.0.09, Welt, Heilbr.Stimme 30.9.09).
2. langsam sollte
sitiwati 10.10.2009
es sicg doch auch beim SPIEGEL durchgesprochen haben, dass es keine ATOMEnergie gibt, bei dem geschlossenen Teil habt ihrs doch begriffen !
3.
Hartmut Dresia 10.10.2009
Zitat von sysopMit der anstehenden Regierungsbildung aus den Unionsparteien und der FDP wird auch die Energiepolitik neu bewertet. Sollen angesichts der Energieprobleme die Laufzeiten der Kernkraftwerke verlängert werden?
Angesichts des Wahlergebnisses hätte die Koalition für eine Laufzeitverlängerung eine demokratische Mehrheit, denn 95 Prozent der Deutschen würden die gleiche Partei wählen (http://www.plantor.de/2009/95-prozent-der-deutschen-wuerden-die-gleiche-partei-waehlen/). Allerdings kann Kernenergie nicht isoliert betrachtet werden. Die Koalition muss zusammenhängend, inklusive Kohle, neue Energien und Import fossiler Energieträger, eine schlüssige Energiepolitik entwickeln.
4.
rkinfo 10.10.2009
Zitat von schlob5. Der russ. Regierungschef Wladimir Putin hat grünes Licht für den Bau eines KKW in der Exklave Kalinin-grad (früher Königsberg) zwischen Polen und Litauen gegeben. Die staatliche Atomholding Rosatom wolle für das Projekt (Baukosten 5 Mrd. €) einen westlichen Investor gewinnen. Dabei wird auch die Lieferung von russ. Atom-strom nach Deutschland geprüft über ein Kabel mit einer Transportleistung von 600 bis 1000 MW. Das Kabel soll entlang der „Gerhard Schröder-Erdgaspipeline“ verlegt werden.(dpa 28.0.09, Welt, Heilbr.Stimme 30.9.09).
Ein AKW löst noch lange nicht die Energieversorgung von 'D'. Wobei die 600-1000 MW durchaus auch Überschußstrom des Sommerhalbjahres und nachts betrachtet werden können. Da laden wir dann unsere E-Autos während im Winterhalbjahr das die regionalen BHKWs übernehmen können. Obiger Plan paßt also in sonstige Überlegungen. Als 'Grundlastversorgung' kann man aber die Idee kaum bezeichnen den auch Kaliningrad wird zukünftig viel Strom benötigt werden.
5. Absolut dafür...
xandi 10.10.2009
Man sollte an der Kernenergie festhalten, bis sie uns um die Ohren fliegt, Krebskranke Kinder sind nur ein geringer Preis für so eine saubere Energieform!
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