Chinesisches Uber Didi-Fahrdienst nach zweitem Mord vorerst eingestellt

Erst im Mai tötete ein Fahrer des chinesischen Mitfahrerdiensts Didi einen Gast, nun kam es zu einem zweiten Mord. Das Unternehmen schaltet den Dienst "Didi Hitch" nun vorerst ab.

Fahrzeug von Didi Chuxing
AP/dycj - Imaginechina

Fahrzeug von Didi Chuxing


Nach der Vergewaltigung und dem Mord an einem weiblichen Fahrgast stellt der chinesische Uber-Konkurrent Didi Chuxing einen Dienst zur Vermittlung von Mitfahrgelegenheiten vorerst ein. Die Anwendung "Didi Hitch" werde ab Montag abgeschaltet. Bis zum 1. September, so verspricht das Unternehmen, soll die App weiterentwickelt und der Sicherheitsstandard erhöht werden. Unter anderem soll es ein neues Beschwerdesystem geben.

Didi Chuxing hatte im vergangenen Jahr das Geschäft des US-Fahrdienstvermittlers Uber in China übernommen und ist inzwischen auch in Australien, Japan und Brasilien vertreten. Das Unternehmen hat nach eigenen Angaben rund 550 Millionen Kunden weltweit. Mit mehr als einer Milliarde Fahrten im vergangenen Jahr gilt Didi als größtes Portal für Mitfahrgelegenheiten.

Fahrer hat bereits gestanden

Zwei leitende Angestellte müssen das Unternehmen verlassen. Schon im Mai kam es zu einem Vorfall, bei dem eine Flugbegleiterin ermordet wurde. Daraufhin konnten zu Morgen- und Abendstunden nur Fahrer und Mitfahrer des gleichen Geschlechts die App nutzen.

Ein 27-jähriger Fahrer gestand nun am Sonntag, am Wochenende eine 20-jährige Frau vergewaltigt und ermordet zu haben, die über die App eine Mitfahrgelegenheit gebucht hatte, heißt es von der Polizei in der ostchinesischen Stadt Wenzhou.

Die Frau nutzte den Fahrdienst um ein Uhr nachmittags. Gegen zwei Uhr schrieb sie einem Freund eine Nachricht, sie brauche Hilfe und habe Angst, nicht mehr über ihr Handy erreichbar zu sein.

Schauspieler ruft auf, App zu löschen

Didi räumte ein, dass es zuvor bereits eine Beschwerde über den Fahrer gegeben hatte. Demnach hatte der Mann eine andere Passagierin in eine abgelegene Gegend gefahren und sie nach dem Aussteigen mit seinem Auto verfolgt. Seine Papiere seien allerdings in Ordnung gewesen, heißt es vom Unternehmen. Weder habe er Vorstrafen noch seien seine Papiere gefälscht.

In der chinesischen Öffentlichkeit meldeten sich viele Prominente zu dem Fall. So teilte der Schauspieler Wang Chuanjun auf der Twitter-ähnlichen Seite Weibo einen Screenshot, wie er die App von seinem Handy löscht. Er ruft dazu auf, es ihm gleichzutun. Mehr als 60.000 Menschen teilten den Post.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Version dieses Textes hieß es, dass der Mitfahrdienst Didi vorerst eingestellt werde. Tatsächlich wurde aber nur ein Dienst der App, "Didi Hitch", abgeschaltet.

tin/dpa/Reuters/AP



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