Neue Liste der Regulierer Die gefährlichsten Banken der Welt

Es ist eine Art Giftliste des Finanzsystems: Unter dem Kürzel G-SIB führt der Finanzstabilitätsrat die gefährlichsten Banken der Welt. In einer neuen Version ist die Deutsche Bank überraschend eine Kategorie nach unten gerutscht. Doch sind ihre Geschäfte deshalb weniger riskant?

Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt: Weniger gefährlich als zuvor?
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Deutsche-Bank-Zentrale in Frankfurt: Weniger gefährlich als zuvor?

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Hamburg - Wie gefährlich sind die großen Banken? Der Finanzstabilitätsrat in Basel versucht diese Frage mit Hilfe einer Liste zu beantworten. Darin werden 29 große Geldhäuser in vier Kategorien unterteilt - je nachdem wie stark ein Zusammenbruch der Bank das gesamte Finanzsystem treffen würde.

Gerade haben die Baseler Aufseher eine neue Version dieser Liste veröffentlicht - und wenn man den Experten glauben darf, dann ist die Finanzwelt ein bisschen sicherer geworden. Zwar ist am unteren Ende der Liste mit der Industrial and Commercial Bank of China ein neues Institut hinzugekommen. Am oberen Ende, bei den finanziell besonders riskanten Geldkonzernen, wurden aber zwei Banken überraschend als weniger gefährlich eingestuft als noch ein Jahr zuvor: die amerikanische Citigroup Chart zeigen und die Deutsche Bank Chart zeigen. Sie finden sich nun nicht mehr in der höchsten vergebenen Kategorie 4, sondern eine Stufe tiefer. Doch sind sie deshalb wirklich sicherer geworden?

Die 29 gefährlichsten Banken der Welt

Kategorie Name Land
Korb 4
sehr hohe Systemrelevanz,
zusätzlicher Kapitalpuffer von 2,5 Prozent
HSBC
JP Morgan Chase
Großbritannien
USA
Korb 3
hohe Systemrelevanz,
zusätzlicher Kapitalpuffer von 2,0 Prozent
Barclays
BNP Paribas
Citigroup
Deutsche Bank
Großbritannien
Frankreich
USA
Deutschland
Korb 2
mittlere Systemrelevanz,
zusätzlicher Kapitalpuffer von 1,5 Prozent
Bank of America
Credit Suisse
Goldman Sachs
Group Crédit Agricole
Mitsubishi UFJ FG
Morgan Stanley
Royal Bank of Scotland
UBS
USA
Schweiz
USA
Frankreich
Japan
USA
Großbritannien
Schweiz
Korb 1
niedrige Systemrelevanz,
zusätzlicher Kapitalpuffer von 1,0 Prozent
Bank of China
Bank of New York Mellon
BBVA
Groupe BPCE
Industrial and Commercial Bank of China Limited
ING Bank
Mizuho FG
Nordea
Santander
Société Générale
Standard Chartered
State Street
Sumitomo Mitsui FG
Unicredit Group
Wells Fargo
China
USA
Spanien
Frankreich
China
 
Niederlande
Japan
Schweden
Spanien
Frankreich
Großbritannien
USA
Japan
Italien
USA

Quelle: FSB

Der Finanzstabilitätsrat - zu dem Notenbanker und Bankaufseher gehören - schweigt sich über die Bewertung einzelner Institute aus. Relativ klar sind dagegen die Kriterien, nach denen er bewertet:

  • die Größe der Bank,
  • die Vernetzung mit anderen Finanzinstituten,
  • die Internationalität der Bank, gemessen an grenzüberschreitenden Forderungen und Verbindlichkeiten,
  • die Komplexität des Geschäfts, gemessen an der Größe des Eigenhandels sowie am Bestand an unregulierten Derivaten und Papieren ohne Marktwert,
  • die Rolle der Bank im Finanzsystem und ihre Ersetzbarkeit durch andere Institute.

Wichtigster Punkt bei der Bewertung ist die Größe des Instituts - gemessen an den Krediten, die die Bank vergibt und an den Finanzpapieren, die sie in ihren Büchern hält. Und da hat sich bei der Deutschen Bank zumindest ein bisschen was getan. Von Ende 2011 bis Ende 2012 ist die Bilanzsumme von 2164 Milliarden Euro auf 2022 Milliarden Euro geschrumpft - also immerhin um knapp sieben Prozent. Das könnte den Ausschlag für die neue Einstufung gegeben haben.

"Die Deutsche Bank ist nicht ungefährlicher als zuvor"

Seit diesem Jahr hat die Deutsche Bank sogar einen noch stärkeren Schrumpfkurs eingeschlagen. Ende September 2013 lag die Bilanzsumme nur noch bei 1788 Milliarden Euro - also rund 17 Prozent unter dem Wert von Ende 2011. In den kommenden Monaten soll es weiter nach unten gehen, das hat die Bank im Sommer angekündigt.

Ob Deutschlands größter Geldkonzern dadurch weniger gefährlich wird, ist aber umstritten. So wird ein Teil des Bilanzabbaus schlicht durch neue Verrechnungsmethoden erreicht, etwa bei Absicherungspositionen für Spekulationsgeschäfte. Zudem lässt die schiere Größe der Bilanz noch nicht zwangsläufig auf das eingegangene Risiko schließen. "Die Deutsche Bank ist nicht ungefährlicher als zuvor", urteilt deshalb Dieter Hein vom unabhängigen Analysehaus Fairesearch. "Wenn sie zusammenbräche, müssten die Steuerzahler sie auffangen."

Für die Deutsche Bank hat die Neubewertung durch den Finanzstabilitätsrat dennoch ganz konkrete Auswirkungen. Die Zuordnung zu einer Risikokategorie bestimmt nämlich den Eigenkapitalpuffer, den die Aufseher von der jeweiligen Bank fordern. Bleibt es bei der jetzigen Bewertung, muss die Deutsche Bank deshalb ab Inkrafttreten der neuen Vorschriften im Jahr 2016 weniger Eigenkapital vorhalten als zunächst gedacht: Statt 9,5 Prozent der sogenannten risikogewichteten Anlagen wären nur noch neun Prozent nötig.

In der Praxis sei das allerdings weniger bedeutend, meint Experte Hein. "Der Markt verlangt ohnehin höhere Eigenkapitalquoten als die Aufseher", sagt der Analyst. Die internationalen Investoren an den Finanzmärkten wollten derzeit mindestens zehn Prozent Eigenkapital sehen. Die Deutsche Bank ist zumindest auf einem guten Weg dahin: Ende September kam sie auf 9,7 Prozent.



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insgesamt 29 Beiträge
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Seite 1
pförtner 12.11.2013
1. Keine Haftung bei der Postbank!
Da zu muss man leider auch die Postbank rechnen,die extra Angestellte im Außendienst beschäftigt welche die Leute bis auf die Knochen abzocken! Ich bin Traurig ,dass ich dass als ehemaliger Postbeamter hier so schreiben muss. Wenn die falschen versprechungen auffliegen, hat die Postbank angeblch nichts mit den Angestellten zu tun und lehnt jede Haftung ab. Mein Rat ist, glaubt nicht ,was der Vertreter Euch erzählt! Er denkt nur an seine Provision und Ihr seid euer Geld los!!
klebmarke 12.11.2013
2. Ein nutzloses Rating
Da die Banken aber auch die Regulierungsinsitutionen nicht einmal selber verstehen welchen Effekt ihr Wirken auf das Finanzsystem haben, geschweige den voraussagen koennen was in der Zukunft passieren wird, sind diese Berichte eigentlich voelliger Quatsch. Das sieht man daran, dass Begriffe wie "gefaehrlich" und "sicher" verwendet werden. Was soll das schon heissen? Das sind schwammige Begriffe die den Glauben verbreiten sollen man habe alles unter Kontrolle. Eine wissenschaftliche Untersuchung nach Fakten mit handfesten Ergebnissen ist das sicher nicht. Deswegen kann man auch nicht darauf vertrauen. Die Finanzwissenschaft und die Wirtschaftswissenschaft sind eben keine Wissenschaften im natuerlichen Sinne.
Bernhard65 12.11.2013
3. Geld bei der eigenen Bank sicher?
Hier gibts eine aktuelle Giftliste: je besser das Rating, umso sicherer das anvertraute Geld und dies täglich aktuell.
sltgroove 12.11.2013
4. Mannomannomann .....
72.000 Mrd. $ in Derivaten, bei einer Billanz von 2600 Mrd. $, mit einem mächtigen Gewinn von 56 Mio. $ und 40 Mrd. $ in fassbarer Knete . Douche Bank vom feinsten . Fukushima gesünder. Was die 5 Mrd. $ Rükstellungen für den Kadi angeht, Optimissmuss der Jains & Co. ist grenzenlos .... How Do You Wanna Crash Today ?
economic-fool 12.11.2013
5. Es ist eine Rangliste der Systemrelevanz
Zitat von sysopAPEs ist eine Art Giftliste des Finanzsystems: Unter dem Kürzel G-SIB führt der Finanzstabilitätsrat die gefährlichsten Banken der Welt. Auf einer neuen Version ist die Deutsche Bank überraschend eine Kategorie nach unten gerutscht. Doch sind ihre Geschäfte deshalb weniger riskant? http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/die-gefaehrlichsten-banken-der-welt-deutsche-bank-verbessert-sich-a-933161.html
Im Artikel schreibt Herr Kaiser: "Darin werden 29 große Geldhäuser in vier Kategorien unterteilt - je nachdem wie stark ein Zusammenbruch der Bank das gesamte Finanzsystem treffen würde." Dieser Satz hat mit seiner provokanten Frage "Doch sind ihre Geschäfte deshalb weniger riskant?" überspitzt gesagt "nicht die Bohne was zu tun." Wer meint, dass eine Rangliste etwas über absolute "Leistungen" aussagt, der möge sich vor Augen halten, dass schon vor einer Saison der Fußball-Bundesliga feststeht, dass (mindestens) eine Mannschaft deutscher Meister wird, egal wie grottenschlecht sie - absolut gesehen - kickt! Die Systemrelevanz hat was mit der Risikostreuung auf der Aktiv- und der Passivseite der Bank zu tun: Der Ausfall welcher Schuldner würde die Deutsche Bank wie sehr treffen? Und wen träfe, wenn die Deutsche Bank ihre Verbindlichkeiten nicht mehr begleichen könnte. Wenn die Rangliste der Regulierer direkt und nur was mit dem Risikogehalt der Geschäfte zu tun hätte, würde der Beurteilung durch die Regulierer eine Ratingverbesserung vorangehen oder folgen, oder?
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