"Die Höhle der Löwen" mit Ralf Dümmel "Mich berühren besonders die Projekte, die scheitern"

Der Unternehmer Ralf Dümmel ist auch in der neuen Staffel der Start-up-Show "Die Höhle der Löwen" Investor. Hier erzählt er, wie es mit seinen Beteiligungen aus der vergangenen Staffel nach der Ausstrahlung weiterging.

Rieka Anscheit

Ein Interview von


Ralf Dümmel war Anfang 2016 in der Öffentlichkeit weitgehend unbekannt. Doch dann stieg der Chef des Handelsunternehmens DS Produkte, das nach eigenen Angaben rund 4000 Produkte im Sortiment hat, als Juror bei der TV-Fernsehshow "Die Höhle der Löwen" ein. Die Sendung erreicht pro Folge bei VOX im Schnitt rund drei Millionen Zuschauer.

Der 50-jährige Selfmademan, der sich gerne piekfein kleidet, avancierte schnell zum Publikumsliebling. Vor allem Dümmels verbindliche Art kam an: Er sagte in der Show 23 Deals zu und wollte knapp drei Millionen Euro in Start-ups investieren - mehr als alle anderen Investoren.

Im Interview erzählt er, was aus seinen Start-up-Beteiligungen geworden ist und was er in der vierten Staffel vorhat.

Zur Person
  • Rieka Anscheit
    Ralf Dümmel ist Geschäftsführer der Handelsgesellschaft DS Produkte. Das Unternehmen mit Sitz in Stapelfeld vertreibt unter anderem Haushaltsartikel, Kleinelektrogeräte und Kochwaren an Discounter und Großhändler. Der 50-Jährige stieg 2016 als Juror bei der TV-Fernsehshow "Die Höhle der Löwen" ein.

SPIEGEL ONLINE: Nach der Ausstrahlung der VOX-Show war Ihre Facebook-Seite nicht mehr erreichbar. Ist es richtig, dass Sie Ihre Seite vom Netz nehmen mussten, weil Sie all der Zuschriften nicht mehr Herr wurden?

Dümmel: Ja, bereits vor meiner ersten Staffel kamen so viele Nachrichten, die ich nicht mehr alle bearbeiten konnte. Und ich wollte auch keinen "Facebook-Ralf-Dümmel" einstellen, der für mich alle Nachrichten beantwortet. Das ist nicht meine Art. Wenn ich bei Facebook bin, dann soll die Antwort auch von mir sein. Und weil ich nicht dazu gekommen bin, alle Anfragen zu beantworten, habe ich die Seite wieder vom Netz genommen.

SPIEGEL ONLINE: Gefällt es Ihnen, prominent zu sein?

Dümmel: Um ehrlich zu sein, habe ich damit null Erfahrung. Mit dieser Aufmerksamkeit habe ich nicht gerechnet. Plötzlich drehen sich Leute auf der Straße nach mir um und sagen, ich sei ein Promi. So fühle ich mich aber nicht. Leute wollen sogar Selfies mit mir. Da frage ich mich immer: "Ernsthaft? Wer will denn so was?" (lacht).

SPIEGEL ONLINE: In Ihrer ersten Staffel als Investor haben Sie rund drei Millionen Euro in 23 Start-ups investiert. Machen Sie mal einen Strich drunter: Wie erfolgreich sind sie?

Dümmel: Normalerweise gilt die Faustregel, dass von zehn Start-ups eines erfolgreich ist. Bei uns liegt die Erfolgsquote brutal hoch, etwa 70 Prozent meiner Beteiligungen haben sich im ersten Jahr durchgesetzt und haben Hunderttausende Produkte verkauft. Hinzu kommt: Die wahre Investitionssumme ist noch viel größer als die drei Millionen Euro, die ich in der Show versprochen habe. DS Produkte hat noch einmal fast 20 Millionen Euro Arbeitskapital zur Verfügung gestellt. Damit finanzieren wir vor allem die Warenvorbestellung für die Start-ups, um die schnelle Verfügbarkeit für den Handel sicherzustellen.

SPIEGEL ONLINE: Ein Pitch eines Start-ups dauert in der ausgestrahlten Sendung meist nur 15 Minuten. Wie geht es in der Sendung wirklich zu?

Dümmel: Wir Investoren wissen vorher nichts, dürfen auch keine Bilanzen checken oder so. Man sitzt da im Sessel und dann kommen ein paar Gründer rein und legen los. Ein Pitch dauert dann meistens rund eineinhalb Stunden, in der Ausstrahlung ist er gekürzt. Das finde ich nicht viel Zeit, um sich für ein Investment zu entscheiden. Man trifft man sich dann noch mal im Anschluss, um den Vertrag im Detail zu besprechen und um zum Notar zu gehen. Aber das was in der Sendung besprochen wird, wird auch so ausgestrahlt. Die Show ist total realistisch.

SPIEGEL ONLINE: Wie geht es nach der Aufzeichnung der TV-Show mit den Start-ups weiter?

Dümmel: Wenn wir die Verträge gemacht haben, bleiben etwa fünf Monate Zeit, um das Produkt für den Handel vorzubereiten, damit es direkt am Tag nach der Ausstrahlung im Geschäft liegt. Das ist extrem knapp.

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Start-up-Show: Der König der Löwen

SPIEGEL ONLINE: Wie oft scheitert im Nachhinein noch ein Deal?

Dümmel: Das kommt vor, wenn wir uns doch nicht einig werden. Das war bei mir aber von 23 Beteiligungen nur 6 mal der Fall. Aber auch bei einem geplatzten Deal stehen wir eng im Austausch miteinander und helfen den Gründern, wenn sie es möchten.

SPIEGEL ONLINE: Was war Ihre erfolgreichste Beteiligung?

Dümmel: Ich tue mich wahnsinnig schwer, einen einzelnen Gründer hervorzuheben. Ich habe alle Beteiligungen gleich lieb. Aber klar, die Abfluss-Fee - ein Reinigungsstein für den Waschbeckenabfluss, den der Handwerker Karl-Heinz Bilz erfunden hat - hat sich extrem gut verkauft. Und auch die unkaputtbare Strumpfhose Bataillon Belette war ein Riesenerfolg. Ich kann jetzt die Liste lang weiterführen. Besonders berühren mich aber die Projekte, die scheitern, weil es mir dann um die Gründer sehr leidtut.

SPIEGEL ONLINE: Als Unternehmer müssten Sie es doch gewohnt sein, dass sich nicht alle Produkte durchsetzen.

Dümmel: Ja, aus meiner täglichen Arbeit als Kaufmann bin ich das gewohnt. Aber hier habe ich es ja mit Produkten zu tun, die die ganz große Lebenschance der Gründer sind. Und wenn die dann scheitern, macht mich das traurig. Und wir bemühen uns wirklich bei jedem Artikel darum, dass er flächendeckend in den Handel kommt. Das ist mein Job. Aber ich kann die Artikel dann nicht persönlich aus eigener Tasche wieder aus den Geschäften rauskaufen. Das müssen dann schon die Kunden tun. Wir haben zum Beispiel jetzt noch 120.000 Pannenfächer auf Lager liegen, die keiner kaufen will. Das ist sehr schade.

SPIEGEL ONLINE: Nach welchen Kriterien suchen Sie Ihre Start-ups aus?

Dümmel: Unsere Firmenstruktur ermöglicht es uns, dass wir gute Kontakte zu großen Konzernen haben und Produkte in 20.000 Filialen in Deutschland bringen können. Deshalb sind wir natürlich an Start-ups interessiert, die eine pfiffige Idee haben, die sich im Massenmarkt durchsetzen kann. Ich liebe Artikel, bei denen jeder Mensch sagt: "Oh wie geil, das könnte auch was für mich sein." Es ist eher unwahrscheinlich, dass wir morgen in eine App investieren. Da gibt es Investoren, die mehr Know-how haben und das besser können. Aber ganz ausschließen will ich es nicht.

SPIEGEL ONLINE: Wie oft tauschen Sie sich mit den Gründern aus?

Dümmel: Jeder Gründer hat meine Telefonnummer, und ich bin jederzeit erreichbar. Erst gestern habe ich von 22 bis 23 Uhr mit einem Gründer telefoniert und habe mit ihm diskutiert, ob er neue Mitarbeiter einstellen soll. Aber ich mache natürlich nicht alles alleine und habe Fachleute in meiner Firma. Wir haben 14 neue Mitarbeiter eingestellt, die die Start-ups betreuen. Und natürlich greifen wir auf schon bestehende Ressourcen unseres Unternehmens zurück. Jetzt in der heißen Phase arbeitet alle auf dem Thema.

SPIEGEL ONLINE: Wie wichtig sind Ihnen Exits, also der Weiterverkauf ihrer Start-up-Beteiligungen an andere Investoren?

Dümmel: Meine Anteile würde ich nur verkaufen, wenn dass die Gründer wollen. Das stimmen wir eng ab. Der reine Verkauf meiner Anteile ist nicht das Ziel.

SPIEGEL ONLINE: Oftmals bieten mehrere Investoren für ein Start-up. Sind sie sauer, wenn Ihnen ein anderer "Löwe" einen Deal vor der Nase wegschnappt?

Dümmel: Ja, wenn ich einen Deal nicht kriege, bin ich sauer und enttäuscht. Das ist nicht gespielt. Das ist ein Wettbewerb, und ich kann nicht gut verlieren. Vielleicht muss ich das noch lernen. Mal gewinne ich, mal gewinnt ein anderer Löwe. Das ist dann aber schnell vergessen. Wir verstehen uns unter den Löwen sehr gut und treffen uns auch so ab und zu mal privat und tauschen uns aus.

SPIEGEL ONLINE: In Ihrer ersten Staffel haben Sie mehr Geld als alle anderen Investoren verteilt. Werden Sie in der neuen Staffel ähnlich spendierfreudig sein?

Dümmel: Ich kann Ihnen nur so viel verraten: Ich werde in den kommenden 12 Folgen mehr als einmal investieren.

"Die Höhle der Löwen", ab 5.9. dienstags um 20:15 Uhr auf VOX

Mehr zu den Start-ups der neuen Staffel "Die Höhle der Löwen" lesen Sie bei manager-magazin.de.

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insgesamt 7 Beiträge
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Seite 1
meiner_einer 05.09.2017
1. Der Pannenfächer :-)
Das war eine schräge Nummer, daß den kein Mensch (und schon gar keine 120000 Menschen) braucht, war doch im Vorhinein schon klar, und wenn ich mich recht erinnere, war das Invest doch eher eine karitative Nummer, die der Schwester des Erfinders die Rente gerettet hatte. Aber vielleicht machen gerade solche Deals, die außerhalb des Fernsehens niemals zustande kommen würden, mit den Reiz der Serie aus.
xvxxx 05.09.2017
2.
Zitat von meiner_einerDas war eine schräge Nummer, daß den kein Mensch (und schon gar keine 120000 Menschen) braucht, war doch im Vorhinein schon klar, und wenn ich mich recht erinnere, war das Invest doch eher eine karitative Nummer, die der Schwester des Erfinders die Rente gerettet hatte. Aber vielleicht machen gerade solche Deals, die außerhalb des Fernsehens niemals zustande kommen würden, mit den Reiz der Serie aus.
Man muss doch sagen, dass auf den ersten Blick viele dieser Sachen eher schräg rüberkommen. Ich bin eher verwundert, dass sich die anderen Sachen teilweise anscheinend wirklich verkaufen. Wobei halt die Fernsehwerbung schon inklusive ist.
fd152 05.09.2017
3. Keine Antwort
Wir haben Herrn Dümmel eine pfiffige Idee zugesendet. Aber nicht mal aus seinem Team kam irgendeine Antwort. Enttäuscht!!
horstenporst 05.09.2017
4.
Zitat von xvxxxMan muss doch sagen, dass auf den ersten Blick viele dieser Sachen eher schräg rüberkommen. Ich bin eher verwundert, dass sich die anderen Sachen teilweise anscheinend wirklich verkaufen. Wobei halt die Fernsehwerbung schon inklusive ist.
Eben. Die Werbung durch die Sendung ist die halbe Miete. Wie man auch mit einem Schrott-Produkt einen Deal holt wird in folgendem Video perfekt erklärt: https://www.youtube.com/watch?v=h3lF6Tn0HL0
hestephan 06.09.2017
5. Innovationen sind wichtig aber
hier wird versucht in einer Dauerwerbesendung versucht total überteuerte Produkte in den Markt zu drücken und das mit breiter Unterstützung aller Medien.
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