Streit um Subventionen Handwerk kritisiert Dieselkurs von VW - "Erstaunlich kundenfeindlich"

VW-Chef Matthias Müller will sein Image polieren und fordert: Schluss mit Steuervergünstigung für Diesel-Motoren! Dem Handwerk treibt das den Puls hoch - genau damit habe VW viele Betriebe überzeugt, Diesel zu kaufen.

Handwerks-Vertreter Hans Peter Wollseifer
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Handwerks-Vertreter Hans Peter Wollseifer


Für seine Forderung, Förderung für Dieselkraftstoffe zu beenden, hat VW-Chef Matthias Müller Lob bekommen, von Umweltverbänden etwa. Die eigenen Kunden hingegen sind nicht begeistert von dem Vorstoß.

Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer hat VW scharf angegriffen. Erst habe der Autobauer mit Verweis auf die niedrigeren Dieselkosten um Käufer geworben, jetzt falle er ihnen in den Rücken. "Uns wurden diese Fahrzeuge auch mit dem Argument verkauft, dass der Diesel weniger verbraucht und der Kraftstoff günstiger ist", zitiert der "Tagesspiegel" Wollseifer. Hunderttausende Firmen hätten daraufhin entsprechende Fahrzeuge gekauft. Wenn dann "der größte Hersteller für die Abschaffung der Dieselsubvention plädiert, dann ist das erstaunlich kundenfeindlich".

Müller hatte die Steuervorteile für Dieselsprit in Zweifel gezogen. Seine Kernbotschaft: "Wenn der Umstieg auf umweltschonende E-Autos gelingen soll, kann der Verbrennungsmotor Diesel nicht auf alle Zeiten weiter wie bisher subventioniert werden."

Konkret schlug Müller eine schrittweise Umschichtung der Steuererleichterungen vor. Das Geld "könnte sinnvoller in die Förderung umweltschonender Antriebstechniken investiert werden". Kürzungen "bei den Dieselsubventionen, dafür Anreize für Elektroautos, wären das richtige Signal. Das würden wir aushalten, ohne gleich Existenzängste haben zu müssen".

Müllers Vorstoß hatte neben Zustimmung auch in Teilen schrille Kritik ausgelöst. So bezeichnete FDP-Generalsekretärin Nicola Beer den Manager als "Diesel-Judas".

Die Kunden im Handwerk treibt indessen auch die Sorge um Fahrverbote um. Umfangreiche Nachrüstungen seien erforderlich. "Mit Software-Updates ist es nicht getan, wir brauchen entsprechende Katalysatoren und den flächendeckenden Einsatz von Harnstofftechnik", so Handwerkspräsident Wollseifer. Die Nachrüstung sei Aufgabe der Hersteller.

Wenn es "ganz dicke kommt", dürften künftig auch Handwerker bei bestimmten Wetterlagen nicht in bestimmte Städte fahren: "Dann können sie die Städte nicht mehr versorgen." Im Handwerk stehe man für Fehler und Mängel gerade und bringe das in Ordnung. "Nichts anderes erwarten wir von den Autoherstellern", sagte Wollseifer.

beb/dpa-AFX



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sven2016 02.01.2018
1.
"Im Handwerk stehe man für Fehler und Mängel gerade...". Im Rahmen der gesetzlichen Vorschriften, meist nicht mehr (wenn überhaupt). Genau so wäre es bei der gesetzlichen Änderung der Dieselvergünstigung. Ob man VW noch irgendetwas glauben kann, sei dahingestellt.
kenterziege 02.01.2018
2. Es ist schon alles gesagt - nur nicht von jedem.....
Wollseifer ist der Präsident eines Verbandes von Instutionen (Handwerkskammern) mit Zwangsmitgliedschaft. Ob es zu den originären Aufgaben dieses Präsidenten gehört, die umstrittene Meinung eines Auto-Managers zu kritisieren mag dahingestellt bleiben. Das Hauptproblem dürfte im Moment nicht sein, ob ein Handwerker mit einem alten Kombi gehindert wird, zum Kunden zu kommen, sondern ob er überhaupt kommt. Ich würde den Benzinaufschlag dafür leicht zahlen. Aber Wollseifer ist mal wieder in der Presse! Das war die Hauptsache!
doitwithsed 02.01.2018
3.
Müllers Forderung macht (für VW) Sinn. VW möchte als Autobauer neue Autos bauen und ein prächtiges Geschäft mit diesen neuen Fahrzeugen machen. Jeder Altbestand steht dem im Wege, und wenn die Kundschaft aus betriebswirtschaftlichen Gründen zu Neuanschaffungen gezwungen werden kann, freut sich der Aktionär. Ich vermute, VW sieht sich in den dazugehörigen "Zukunftstechnologien" dann auch als Marktführer.
salomon17 02.01.2018
4. Großkonzerne kennen keine Moral
Da geht es ausschließlich um Gewinne für Aktionäre. Warum soll man die nicht mit Steuergeldern "erwirtschaften"? Oder mit Betrug? Oder mit Verbrauchsdaten, die erstunken und erlogen sind? Oder mit mafiöser Einflussname auf Entscheidungen der Politik? Wie war doch gleich die Definition für "kriminelle Vereinigung"?
Politikverdrossener24 02.01.2018
5.
Anfang der 90iger wurden die Steuern auf Kraftstoffe massiver erhöht. Warum diskutieren wir ausschließlich über weitere Steuererhöhungen? Warum nicht einfach die Steuern von Benzin auf Dieselnieveau wirder absenken? Und: Warum soll nun ausgerechnet wieder der Steuerzahler einen Autokonzern subventionieren, der an vielen Stellen total versagt und betrogen hat?
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