Umgang mit Dieselskandal Industrieverband kritisiert Verhalten der Automanager

"Ich hätte mir mehr als einmal ein anderes Verhalten gewünscht": Der Chef der Industrielobby kritisiert die Automanager ungewohnt deutlich für ihren Umgang mit dem Dieselskandal.

Daimler-Chef Zetsche (r.), früherer VW-Chef Müller
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Daimler-Chef Zetsche (r.), früherer VW-Chef Müller


An diesem Montag kommt es in Berlin zum Showdown zwischen Dieter Zetsche und Andreas Scheuer. Der CSU-Bundesverkehrsminister fordert Aufklärung vom Daimler-Chef im Skandal um manipulierte Dieselfahrzeuge. Nach SPIEGEL-Informationen scheint es allerdings an Einsicht und gutem Willen beim Autobauer zu mangeln: Daimler will dem Minister offensichtlich ein Angebot machen, das die Aufklärung des Skandals nicht gerade befördern würde.

Kurz vor dem Treffen hat nun BDI-Chef Dieter Kempf den Umgang der deutschen Automanager mit der Dieselaffäre kritisiert. "Wer Fehler gemacht hat, sollte sie benennen, sich entschuldigen und sie abstellen, also Verantwortung übernehmen, um endlich Vertrauen zurückzugewinnen", sagte der Präsident des Bundesverbands der Deutschen Industrie (BDI) - und zielte dabei nicht allein auf den Daimler-Boss, sondern etwa auch auf die Strategie der Volkswagen-Manager. Das Bekanntwerden der Manipulationen des Wolfsburger Konzerns im Herbst 2015 markiert den Beginn des Abgasskandals.

"Ich will nicht verhehlen, dass ich mir nach dem Bekanntwerden der Gesetzesverstöße mehr als einmal ein anderes Verhalten gewünscht hätte", sagte Kempf. "Der Umgang mit Fehlern, auch betrügerischer Art, hat viele in der Politik und auch viele Verbraucher zurecht ärgerlich gemacht - übrigens auch viele in den Unternehmen", sagte Kempf. Es sei ein enormer Image- und Vertrauensschaden entstanden für die Wirtschaft insgesamt. Die Hersteller müssten alles tun, um Vertrauen wiederzugewinnen.

Möglicherweise weit mehr Daimler-Fahrzeuge betroffen

Kempf sagte, dazu gehörten auch "schnellstmögliche" Software-Updates. "Ich kann aber die Machbarkeit nicht für jedes Modell beurteilen." Die Autobranche hatte für bessere Luft bis Ende 2018 Software-Updates für Millionen von Autos zugesagt, um den Schadstoff-Ausstoß zu senken. Allerdings wackelt der Zeitplan für diese Umrüstungen älterer Dieselautos.

Zudem droht der Dieselskandal bei Daimler weit größere Ausmaße anzunehmen als bis vor kurzem bekannt. Beim Treffen von Scheuer und Zetsche sollte es eigentlich vor allem um die Aufklärung von Abgas-Vorwürfen beim Mercedes-Kleintransporter-Modell Vito gehen. Allerdings könnten sich die fraglichen Programmierungen auch in anderen Fahrzeugen des Herstellers finden.

Einem Bericht der "Bild am Sonntag" zufolge hat das Kraftfahrtbundesamt inzwischen fünf "unzulässige Abschaltfunktionen" bei Modellen von Daimler entdeckt. Die Behörde gehe dem Verdacht nach, dass diese Software-Funktionen in der neueren Diesel-Flotte mit der Abgasnorm Euro-6 zum Einsatz kommen. Fast eine Million Fahrzeuge sollen betroffen seien.

Video: Die Folgen des Diesel-Urteils

SPIEGEL TV

fdi/dpa

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Tolotos 11.06.2018
1. Die Politik hat die Autoindustrie ja durchaus bestärkt!
Insbesondere bei den CSU-Verkehrsministern drängt sich mir durchaus der Eindruck auf, dass sie es als bodenlose Unverschämtheit (und natürlich auch als Populismus) empfinden, wenn jemand im Zusammenhang mit der Autoindustrie auf Einhaltung des Rechts besteht!
Draw2001 11.06.2018
2. Man muß das einfach mal runterbrechen.....
Und zwar auf einen Einzeltäter z.B. dem Inhaber einer Autowerkstatt. Der erklärt dem Ermittlungsbeamten, dass seine Werkstatt durch weitere Ermittlungen in wirtschaftliche Notlage geraten würde, und er ( nachdem er z.B. 100 Fahrzeuge manipuliert hat) dadurch in finanzielle Schwierigkeiten kommen würde. Auch seine 5 Mitarbeiter müsse er dann entlassen. Der Ermittler würde in diesem Fall äußern: " Das hätten Sie sich vorher überlegen müssen. " Entlastend würde bei diesem Vergleich noch sein, dass der Täter - nicht so wie Mercedes - die Fahrzeuge den jetzigen Haltern nicht verkauft hat. Mercedes hat beides getan 1.) Eine Betrugssoftware installiert und damit den Fahrzeug-Nutzwert für den Käufer herabgesetzt und 2.) Mehrer Gesetze (Umwelt-, und Emissionsgesetze, sowie europäische Verordnungen verletzt. Was hier ein Politiker mit einem Täter zu besprechen hat, versteht eigentlich niemand. Auch, dass dessen Anwalt Kontakt mit einem Politiker und sei er auch die Dienstaufsicht des KBA, aufnimmt, ist aus meiner Sicht der falsche Ansatz. Wenn jemand geltendes Recht bricht, dann ist das ein Fall für die Staatsanwaltschaft. Mit der kann sich dann der Anwalt des Betroffenen auseinandersetzen. Es gibt scheinbar bei großen Herstellern ein Druckmittel, mit welchem sie glauben Recht und Gesetz außer Kraft setzen zu können. Eines ist jedenfalls sicher: Das Einberufen eines Dieselgipfels würde dem Autowerkstattbesitzer nun mal nicht gelingen. Und selbst wenn - er würde nicht straffrei ausgehen. Mal sehen ob das nun auch im Großen klappt. Alles andere wäre Begünstigung und Strafvereitelung im Amt.
unky 11.06.2018
3. Betrug bleibt Betrug
Es ist unerträglich, dass die Autokonzerne mit ihren betrügerischen Machenschaften in Deutschland ungeschoren davonkommen werden. Eigentlich müssten sie die Hardwarenachrüstung ihrer manipulierten Dieselautos finanzieren. Aber Politiker, die der Autoindustrie mehr verbunden sind als ihren Wählern, sind nicht gewillt, das durchzusetzen. Das Totschlagargument: Das würde die Arbeitsplätze in der Branche gefährden. Wieso eigentlich? Schmeißt alle Autokonzernbosse hinaus, belegt sie mit Strafzahlungen und zahlt den Nachfolgern nur ein Viertel der bisher üblichen Gehälter - das würde schon eine stattliche Summe ergeben. Stattdessen bereiten die Politiker sich darauf vor, die Kosten der Dieselkrise auf die Autofahrer und Steuerzahler abzuwälzen. Wenn sie damit durchkommen, wäre die Demokratie in Deutschland an einem weiteren Tiefpunkt angelangt, denn das würde wieder einmal bedeuten, dass Recht und Gesetz nicht für alle gelten.
kayakclc 11.06.2018
4. Bärendienst
Die Automobilindustrie schießt ein Eigentor nach dem Anderen. Eines ist, wenn der Gesetzgeber die Normen einfach verschärft und korrekt zugelassene Fahrzeuge nicht mehr der neuen Norm entsprechen. Da ist der Gesetzgeber gefragt, um für Nachrüstungswünsche der Politik aufzukommen. Was anderes ist, wenn Fahrzeuge, wie bei VW, schon beim Verkauf den gesetzlichen Normen nicht entsprachen, weil sie Abschalteinrichtungen verwenden, und nur auf dem künstlichen Prüfstand die Norm erfüllen, aber eben nicht im Straßenverkehr. Das ist Betrug. Und da hat der Gesetzgeber versäumt den geschädigten Verbraucher ein guten Schwert in die Hand zu geben. Es wäre an der Zeit, dass Gericht die Manipulationen als massiven Betrug werten, und damit eine Rückabwicklung des Kaufvertrages ermöglichen. Das Problem dabei: es trifft erst einmal die Autohändler und nicht die Autokonzerne. Dass muss sich Ändern, denn die Konzerne verstehen nur eine Sprache: die der Gewinn und Verlustrechnung.
frankfurtbeat 11.06.2018
5. da ...
da heulen die Nieten in Nadelstreifen wegen möglicher bevorstehender Zölle und sind nicht in der Lage ihren eigenen Dreck einzugestehen. Dieser Betrug am Kunden, am Staat sollte den Konzernen richtig viel Geld kosten und den Nieten in Nadelstreifen, den Leugnern, Lügnern für die kommenden Jahre gesiebte Luft bringen. Weg mit diesen ekelhaften Nieten in Nadelstreifen die auch vor laufender Kamera dreist leugnen und lügen ... So kann man sich das Geschäft auch kaputt machen ... persönlich kaufe ich zukünftig keinen Wagen dieser Hersteller ... bin dann auch nicht einer der Volkstrottel welcher mit update abgefertigt wird - no grazie!
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