Dieselaffäre Audi-Ingenieur bleibt vorerst in Haft

Der Audi-Manager Giovanni P. kommt erst einmal nicht aus dem Gefängnis. Die Staatsanwaltschaft München II sperrt sich nach SPIEGEL-Informationen gegen eine Aussetzung der Untersuchungshaft.

Ampel vor Audi-Zentrale in Ingolstadt
REUTERS

Ampel vor Audi-Zentrale in Ingolstadt


Vor zwei Wochen hatte das Landgericht München I den Haftbefehl gegen den früheren Audi-Mitarbeiter Giovanni P. gegen Auflagen außer Kraft gesetzt. Unter anderem sollte P. 80.000 Euro Kaution hinterlegen, sich regelmäßig bei den Behörden melden und seinen Wohnort Karlsruhe nicht verlassen. Doch noch ehe P. auf freien Fuß kam, hat die Staatsanwaltschaft München II nach SPIEGEL-Informationen nun Beschwerde gegen den Beschluss eingelegt.

Die Staatsanwaltschaft sieht in dem Ingenieur eine Schlüsselfigur bei der Entwicklung und dem Einsatz von Abschalteinrichtungen, die über den wahren Schadstoffausstoß von Dieselfahrzeugen hinweggetäuscht haben. P. soll in den Vernehmungen Vorgesetzte bis in das Top-Management von Audi belastet haben.

Nach der Beschwerde der Strafverfolger gegen P.'s Freilassung muss nun das Oberlandesgericht München darüber entscheiden, ob der Haftbefehl trotzdem ausgesetzt wird. Das könnte einige Wochen dauern - und auch dann ist noch offen, ob P. tatsächlich auf freien Fuß kommt. Denn auch die amerikanischen Behörden ermitteln gegen den Ingenieur und haben vor einiger Zeit einen Auslieferungshaftbefehl gegen ihn erwirkt.

P.'s Anwälte Walter Lechner und Klaus Schroth wollen erreichen, dass auch dieser aufgehoben wird. Auch diese Entscheidung liegt beim Oberlandesgericht. Unabhängig davon will die Staatsanwaltschaft P. in den nächsten Wochen weiter vernehmen.

mhs

insgesamt 4 Beiträge
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tommirf 25.09.2017
1. Also was jetzt?
Ist / war der Herr p. nun Ingenieur ( also Entwickler ) oder "einfacher " Mitarbeiter oder Manager...? Präzise Ausdrucksweise hilft manchmal. Ud die Kriterien für einen Haftbefehl liegen eigentlich ganz klar: Tatverdacht ? Check! Verdunkelungsgefahr? Check! Fluchtgefahr? Wer 80000 EUR als Kaution hinterlegen kann hat auch genügend gute Beziehungen in ein Ausland, das nicht ausliefert...
tatsache2011 25.09.2017
2. Verantwortlich
Zitat von tommirfIst / war der Herr p. nun Ingenieur ( also Entwickler ) oder "einfacher " Mitarbeiter oder Manager...? Präzise Ausdrucksweise hilft manchmal. Ud die Kriterien für einen Haftbefehl liegen eigentlich ganz klar: Tatverdacht ? Check! Verdunkelungsgefahr? Check! Fluchtgefahr? Wer 80000 EUR als Kaution hinterlegen kann hat auch genügend gute Beziehungen in ein Ausland, das nicht ausliefert...
Offensichtlich war Ingenieur P. als Manager in der Entwicklung tätig. Aus Sicht des Vorstandes ein kleiner Mitarbeiter. Sicherlich nach Ansicht des Vorstandes allein verantwortlich. ;-)) Die Kleinen hängt man, die Großen lässt man zur Zeit noch laufen.
albertaugustin 25.09.2017
3. Da gehören eigentlich
noch weitere Kader-Mitarbeiter von Audi und VW in Haft. Die Betrugsmasche mit den Dieselmotoren ist wohl nicht nur auf eine Person zurückzuführen. Es ist unglaublich mit welcher Nonchalance und Vorsatz Dreckschleuder-Motoren eingebaut und gute Luft vergiftet wurde.
Neo89 26.09.2017
4. Finde ich falsch
Ein Ingenieur setzt das um, was ihm aufgetragen wird. Für mich gehört der Verwaltungsrat und das oberste Management ins Gefängnis, nicht ein Ingenieur der als Bauernopfer herhalten soll. Betrug in einem solch grossen Stil muss von oben abgesegnet sein, wer was anderes glaubt ist ziemlich naiv.
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