Dieselskandal Inhaftierter Audi-Manager belastet Vorstand offenbar schwer

Der Job von Audi-Chef Stadler ist wegen des Abgasskandals in Gefahr. Mit dem Rausschmiss des Ingenieurs Giovanni P. wollte sich der Konzern Luft verschaffen - doch der beschuldigt nun die Audi-Spitze.

Ampel vor Audi-Zentrale in Ingolstadt
REUTERS

Ampel vor Audi-Zentrale in Ingolstadt


Der wegen des Dieselskandals gefeuerte Ex-Audi-Manager Giovanni P. sitzt in Untersuchungshaft. Die Staatsanwaltschaft München II wirft ihm und anderen Managern Betrug und unlautere Werbung vor. Doch laut einem Bericht von NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" wehrt sich P. - und greift den Vorstand des Konzerns an.

P.s Verteidiger hatte bereits angekündigt, dass sein Mandant in dem Strafverfahren umfassend aussagen will. Mit der laut den Medien eingereichten Erklärung hat P. seine Verteidigung nun erstmals breiter ausgeführt.

P. sei bei Audi Chart zeigen bloß ein kleines Rädchen im Getriebe gewesen - und der gesamte Vorstand sowie der Vorstand des Mutterkonzerns VW hätten um die Abgasprobleme gewusst, heiße es in einem 28-seitigen Papier, in dem Giovanni P. 44 belastende Vorgänge nenne, wie etwa "tagesschau.de" berichtet. Zwei VW-Spitzenmanager hätten dem Papier "Dokumente über Kenntnisse der Vorgesetzten von Herrn P." zufolge zudem von Softwaremanipulationen bei der Abgasreinigung gewusst.

In dem NDR, WDR und "Süddeutscher Zeitung" vorliegenden Papier soll P. zudem ausführen, dass die Tanks für das zur Diesel-Abgasreinigung benötigte AdBlue nicht ausgereicht hätten - und Audi daher eine verbotene Software installiert habe. Der Audi-Vorstand mit Konzernchef Rupert Stadler sei demnach im April 2010 und im Juni 2012 über die Probleme informiert worden.

Audi hatte bislang vor allem die Technikerebene in der Verantwortung für den Abgasskandal gesehen - und mehrere Manager und Ingenieure entlassen. P. sowie zwei weitere Manager sollen dagegen auch vor dem Arbeitsgericht Heilbronn vorgegangen sein.

apr



insgesamt 125 Beiträge
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labuday 21.08.2017
1. ja ne - is klar
wenn die mich rausgeschmissen hätten, würde ich das auch schreiben - sogar auf 29 Seiten. Glaubwürdiger wäre es, wenn er einen Vorstand der Mitwisserschaft beschuldigen würde. So macht er sich unglaubwürdig.
günterjoachim 21.08.2017
2.
Im Konzern müssen hunderte Mitarbeiter von den Betrügereien Kenntnis gehabt haben. Vom kleinsten Softwareschreiber bis zum Vorstand.
dr.u. 21.08.2017
3. Der Fisch stink vom Kopf her
Wie Naiv müsste man sein, um anzunehmen, die Vorstandsetage wäre ahnungslos gewesen...
frankfurtbeat 21.08.2017
4. man könnte ...
man könnte fast den Eindruck gewinnen das sich dieses Theaterstück in der Politik abspielt und die Nieten in Nadelstreifen Immunität genießen?! Die Taschen vollmachen, wenn es drauf ankommt wegducken und nichts wissen ... das ist es was mich beim Anblick einer seriösen Krawatte an der Ehrlichkeit des gegenüber zweifeln lässt.
Zäsus 21.08.2017
5. Genau so...
...hab ich mir das vorgestellt: Aufgrund von einem letzen Funken Moral wehrt sich das Bauernopfer und reißt ein paar von den wirklichen Lenkern und Durchwinkern überraschend und verdient mit in den Justizapparat. Hätte das zwar lieber von Seiten einer Kozernspitze/Vorstandes gehört, aber dafür ist es spätestens nach dem Gipfel des Hohns a.k.a. Dieselgipfel (1 von X) zu spät. Gerechtigkeit soll bitt so hart walten, wie sie mindestens zwei Jahre gestoppt worden ist.
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