Digitale Transformation Deutsche Konzerne blockieren sich selbst

Es ist zurzeit das Mantra aller deutschen Manager: Die Digitalisierung wälzt die Wirtschaft um. Das Problem: Einer Umfrage zufolge kommt der Wandel in ihren eigenen Firmen nicht recht vom Fleck - aus internen Gründen.

Besucher bei der Cebit Hannover (2016)
DPA

Besucher bei der Cebit Hannover (2016)


Der digitale Umbau kommt in der deutschen Wirtschaft eher schleppend voran. Zu diesem Schluss kommt eine Umfrage im Auftrag der Beratungsfirma etventure, die dem SPIEGEL vorliegt. Deutsche Manager geben dem Zustand der digitalen Infrastruktur in Deutschland schlechte Noten. 13 Prozent halten sie für mangelhaft, 25 bezeichnen sie als ausreichend. Gut oder sehr gut stufen sie gerade einmal 22 Prozent ein.

Hinzu kommt: Viele Konzerne blockieren sich bei der Transformation offenbar auch selbst. Als gravierendstes Hindernis stufen die befragten Manager demnach die eigene Belegschaft ein. 58 Prozent beklagen die "Verteidigung bestehender Strukturen" durch Mitarbeiter. 51 Prozent bemängeln daneben "fehlende Erfahrung bei nutzerzentriertem Vorgehen" und "blockierende Sicherheitsanforderungen".

Bemerkenswert: Entgegen weitverbreiteten Befürchtungen, der Einsatz intelligenter Maschinen könnte zu Massenarbeitslosigkeit führen, rechnen nur 17 Prozent der Firmen mit einem Sinken ihrer Mitarbeiterzahl. 27 Prozent gehen von mehr geschaffenen Arbeitsplätzen aus. Allerdings: Nur rund ein Drittel der befragten Manager hält die eigene Belegschaft schon heute für ausreichend qualifiziert für die Veränderungen durch die Digitalisierung.

Für die Umfrage wurden Führungskräfte von rund 2000 Großunternehmen mit einem Jahresumsatz von mindestens 250 Millionen Euro telefonisch von der Marktforschungsgesellschaft GfK zwischen dem 18. Januar und 16. Februar befragt. Alle teilnehmenden Entscheidungsträger sind mit dem Thema Digitalisierung befasst.

beb



insgesamt 37 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
wiesenflitzer 08.04.2018
1. Ein Halbsatz sagt alles aus
„22 Prozent, also immerhin fast ein Viertel!! der Manager ist der Meinung, dass die digitale Infrastruktur des Landes gut oder sehr gut ist“. Mehr muss man über dieses Viertel der Lenker und Leiter der deutschen Industrie kaum wissen/lesen.
Nordstadtbewohner 08.04.2018
2. Zeit zur Liberalisierung des Arbeitsrechts
""Als gravierendstes Hindernis stufen die befragten Manager demnach die eigene Belegschaft ein. 58 Prozent beklagen die "Verteidigung bestehender Strukturen" durch Mitarbeiter." Dem kann ich nur zustimmen. Größtes Problem sind die Angehörigen der Generation 50+, die nach dem Motto "Das machen wir schon immer so - Warum etwas ändern?" vorgeht. Hier sollte des Arbeitsrecht - vor allem das Kündigungsschutzrecht - modernisiert werden. Wer sich auf beruflicher Ebene der Digitalisierung verweigert, muss mit einer Beendigung des Arbeitsverhältnisses rechnen und zwar unnötige Kündigungsfristen. Das würde am Ende allen helfen. Den Unternehmen, die wettbewerbsfähig bleiben, den Arbeitnehmern, die sich dem technischen Fortschritt stellen und dem Standort Deutschland, der global wettbewerbsfähig bleibt.
Mehrleser 08.04.2018
3. Billige Werbung
Die Studie stammt also vom Unternehmen "etventure". Zutat von deren Homepage: "etventure unterstützt Unternehmen bei der digitalen Transformation.". Wundert sich jemand, warum eine solche Beratungsbude mit selbstgebastelten Studien Bedarf am Markt erzeugt? Ich erinnere mich noch gut an die Studien "80% der Unternehmen sind nicht auf die Jahr-2000-Umstellung vorbereitet!", die gleiche Masche. Wobei das ganze Thema "Digitale Transformation" Schaumschlägerei ist, eine aufgewärmte Neuauflage der eCommerce / eBusiness-Initiativen, nun verziert mit "Big Data" und "Social Media". Gleichzeitig wird aber an der Digitalisierung der Wertschöpfungsprozesse seit über 20 Jahren gearbeitet, das ist aber nicht offensichtlich nicht mehr sexy genug.
Mach999 08.04.2018
4.
Nein, nicht die Mitarbeiter sind schuld, wenn die Digitalisierung nicht vom Fleck kommt. Erstens werden Strukturen nicht von den Mitarbeitern gemacht, sondern vom Management, und wenn die Strukturen nicht passen, kann man das deswegen auch nicht den Mitarbeitern anlasten. Zweitens reden Manager gerne völlig unkonkret über irgendwelche Visionen, die sie dann aber nicht in die Praxis übersetzen. Visionen machen einfach mehr Spaß, aber Management ist was anderes. Drittens redet man den Mitarbeitern ein, dass sie das sowieso alles nicht können, und holt sich dann irgendein dynamisches, junges und daher auch unerfahrenes Startup bevorzugt aus Berlin oder Hamburg ins Haus. Kein Wunder, dass die Mitarbeiter darauf dann keine Lust haben. Viertens sind die IT-Systeme völlig verwachsen, weil nämlich nie eine Konsolidierung stattfindet - und falls doch, versucht man mit einem neuen System zehn andere Systeme abzuschaffen, was dann nicht funktioniert oder nicht durchgezogen wird. Am Ende hat man dann elf statt zehn Systeme rumstehen, die bei jeder neuen Anforderung mit angepasst werden müssen. Und fünftens braucht man sich nicht zu wundern, wenn man wie eine große gelbe Bank die Digitalisierung ausruft und gleichzeitig Maßnahmen ergreift, die IT massiv zu verkleinern.
digge8 08.04.2018
5.
Habe das selbst mal versucht, aber da wurden alle neuen digitalen Dokumente erstmal wieder stoßweise ausgedruckt, mit der Begründung, dass ich die dann später ja wieder einscannen könne. Tolle digitalisierungsfeindliche Kollegen.
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.