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Angst vor Reformstillstand: Brasiliens Börse stürzt nach Rouseff-Sieg ab

Präsidentin Rousseff: Im Kreuzfeuer von Korruptionsvorwürfen Zur Großansicht
AFP

Präsidentin Rousseff: Im Kreuzfeuer von Korruptionsvorwürfen

Die Wiederwahl von Dilma Rousseff provoziert heftige Reaktionen an Brasiliens Börsen. Der Leitindex verliert zeitweise mehr als sechs Prozent an Wert, die Währung stürzt ab. Die Politikerin ist bei Investoren verhasst.

São Paulo - Während die Anhänger von Brasiliens alter und neuer Präsidentin Dilma Rousseff feiern, herrscht am brasilianischen Aktienmarkt miese Stimmung. Nach dem Sieg von Rousseff, sackte der brasilianische Leitindex Ibovespa zum Wochenauftakt zeitweise um 6,2 Prozent ab. Der brasilianische Real fiel im Vergleich zum Dollar auf den tiefsten Stand seit mehr als neun Jahren.

Rouseff hatte sich in einer Stichwahl knapp gegen den Mitte-rechts-Kandidaten Aécio Neves durchgesetzt. Neves galt als Favorit der Wirtschaft. "Aus Marktsicht ist der Rousseff-Erfolg eine klar negative Nachricht", sagte Analystin Stanislawa Prawdowa von der Danske Bank. "In ihrer letzten Amtszeit hat sie in puncto Reformen nichts getan, und es ist kaum zu erwarten, dass sie nun unternehmensfreundlich wird." Brasilien leidet unter einer Konjunkturflaute und rutschte im ersten Halbjahr sogar in die Rezession.

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Wahlen in Brasilien: Knapper Sieg für Rousseff
Besonders hart traf die Verkaufswelle am Aktienmarkt den halbstaatlichen Ölkonzern Petrobras Chart zeigen. Dessen Aktien brachen zeitweise um 15,6 Prozent ein. Das ist der größte Tagesverlust seit den Turbulenzen nach der Pleite der Investmentbank Lehman Brothers im Herbst 2008. Mit 13,76 Real waren Petrobras-Aktien so billig wie zuletzt im März.

Die Papiere der beiden ebenfalls staatlichen Stromversorger Electrobras und Cemig verloren jeweils mehr als zehn Prozent. Knapp ein Drittel des Kursverlustes des brasilianischen Leitindex Bovespa ging auf das Konto dieser drei Unternehmen.

Enthüllungen über die Verwicklung von Regierungsmitgliedern in einen gigantischen Korruptionsskandal um die Petrobras hatten das Vertrauen in die Präsidentin zuletzt untergraben. Der Devisenhändler Alberto Yousseff, eine zentrale Figur in der Affäre, hat gegenüber der Staatsanwaltschaft ausgesagt, dass Rousseff und ihr Amtsvorgänger Lula von illegalen Geldschiebereien des Ölkonzerns wussten, berichtet die Zeitschrift "Veja" in ihrer neuesten Ausgabe. Wenn sich diese Anschuldigungen als wahr erweisen, droht dem Land eine institutionelle Krise.

ssu/dpa-AFX/Reuters

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insgesamt 9 Beiträge
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1. Wirtschaft
jochen.rohlfs 27.10.2014
Seit mehr als einem Jahr schleppt sich die brasilianische Industrie von einem Tag auf den anderen. Es fehlen Infrainstruktur und Geld, weil sich der Staat mit direkten und indirekten Steuern von ca. 50% an Allem beteiligt. Auf der anderen Seite wird wenig getan und wenn estwas getan wird, dann nur mit Nebenabgaben (Korruption). Sogenannte soziale Projekte, wie die Unterstützung "armer" Familien (Bolsa-Família) und, in grossem Stiel, errichtete Wohnsiedlungen (Minha Casa), haben bestimmt Einigen geholfen. Leider gibt es keine Kontrollen, so dass man getrost auf Arbeit verzichten kann und seine, eigendlich nicht veräusserbare Wohnung, versilbern kann. Balneário Camboriú - SC - Brasil
2. Brasiliens neue Kleider.
rolandjulius 27.10.2014
Jetzt wird Dilma Rousseff zerlegt. Ihre Verbrechen sind links zu sein, und die Wahl gewonnen zu haben. Diese Hetzkampagnen sind auch beim Spiegel beliebt. denn er mischt ja auch immer fleißig mit.
3. Vom...,
finnegan 27.10.2014
Standpunkt einer gesunden Wirtschaft aus, ist Linkssein tatsächlich ein Verbrechen. Merke: Der Sozialismus verschwendet das Geld der anderen, bis es verbraucht ist.
4. Wiederwahl von Roussev
Nachtheinigte 27.10.2014
Das ist wohl immer so, wenn nicht vom Westen gewollte Kandidat die Mehrheit bekommt, dann wird eine Negativdiskussion angeszettelt, alle möglichen Argumente herbeigeholt, nur um die gewählte Politikerin zu diskreditieren. Ganz anders in der Ukraine, da herrscht eitel Sonnenschein, das Wahlergebnis list gewollt, seltsam es waren auch diesmal keine "Wahlbeobachter" vor Ort.
5. ...
Newspeak 27.10.2014
"In ihrer letzten Amtszeit hat sie in puncto Reformen nichts getan, und es ist kaum zu erwarten, dass sie nun unternehmensfreundlich wird." Ja, es ist aber auch nicht ihre Aufgabe, unternehmensfreundlich zu sein. Hoffentlich verstaatlicht sie alle Kapitalistenklitschen und wirft das Pack aus ihrem Land. Leider ist sie aber selbst korrupt, insofern wird man sich dort, wie anderswo auch, eine korrupte Clique von Oligarchen züchten.
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