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Dioxin-Skandal: Futterfirma Harles und Jentzsch stellt Insolvenzantrag

Der Dioxinskandal hat für Harles und Jentzsch drastische Konsequenzen: Der Futterhersteller, der das Gift in Umlauf gebracht haben soll, hat einen Insolvenzantrag eingereicht. Zudem gibt es Anhaltspunkte, dass die Firma wissentlich verseuchte Fette vertrieben hat.

Dioxin-Skandal: Gift im Futtertrog Fotos
DPA

Hamburg - Die Firma Harles und Jentzsch steht vor der Pleite. Der Futtermittelproduzent, der verseuchte Fette in Umlauf gebracht haben soll, hat am Mittwoch einen Insolvenzantrag beim Amtsgericht Pinneberg gestellt. Das sagte eine Sprecherin des Landgerichts Itzehoe SPIEGEL ONLINE.

Das Gericht habe einen vorläufigen Insolvenzverwalter bestimmt, der nun prüfen soll, ob die Gründe, die das Unternehmen für das Verfahren angibt, zutreffen. Sollte das der Fall sein, werde das Verfahren eröffnet. Die Überprüfung übernimmt ein Hamburger Anwalt.

Das Futterfett von Harles und Jentzsch war als Ausgangsprodukt an diverse Futtermittelhersteller geliefert und dort weiterverarbeitet worden. Die Aufsichtsbehörden beschlagnahmten und untersuchten Proben des Unternehmens. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Verantwortliche der Firma.

Am Mittwoch wurden detaillierte Vorwürfe gegen das Unternehmen Harles und Jentzsch bekannt. Wie die Nachrichtenagentur dpa unter Berufung auf Behörden-Insider berichtete, gibt es Anhaltspunkte dafür, dass vorsätzlich dioxinbelastetes Fett vertrieben wurde. Wie SPIEGEL ONLINE bestätigt wurde, haben Ermittler Anhaltspunkte dafür gefunden, dass die dioxinhaltigen Fette systematisch so lange verdünnt worden sind, bis bestimmte Grenzwerte eingehalten wurden. Darauf deuteten Proben von belasteten Fetten hin, die bei Harles und Jentzsch sichergestellt wurden.

Proben als Maschinenfett getarnt?

Nach Angaben des Agrarministeriums in Schleswig-Holstein hat die Futterfirma Harles und Jentzsch im vergangenen Jahr mindestens drei Futterfett-Proben mit erhöhten Dioxin-Werten verheimlicht. Wie das Unternehmen die Kontrolleure ausgetrickst hat, ist noch nicht genau geklärt. Ein Verdacht ist etwa, dass die Proben als Maschinenfett getarnt wurden. Harles und Jentzsch antwortete am Nachmittag nicht auf telefonische und schriftliche Anfragen von SPIEGEL ONLINE nach einer Stellungnahme.

Bei der Suche nach dem Fleisch von potentiell dioxinverseuchten Schweinen sind die Behörden nach eigenen Angaben weitergekommen. 180 Schweine, die von einem betroffenen Hof in Niedersachsen stammten, seien noch vor der Sperrung des Betriebes lebend an einen Abnehmer in Sachsen-Anhalt gegangen, sagte ein Sprecher des Agrarministeriums in Hannover. Dort seien sie geschlachtet worden. Die Behörden wollen nun das Fleisch der Tiere - soweit möglich - finden und aus dem Verkehr ziehen.

Zuvor hatte die niedersächsische Regierung eingeräumt, dass belastetes Fleisch von dem Betrieb im Landkreis Verden in den Handel gelangt sein könnte. Dort wiesen Prüfer bei der Probeschlachtung von zwei Schweinen eine erhöhte Dioxin-Belastung nach. 140 Tiere auf dem Betrieb müssen getötet und die Kadaver entsorgt werden. Doch noch am 29. Dezember hatte der Mäster Tiere verkauft, die ebenfalls das belastete Futter bekamen. Gesperrt wurde der Betrieb aber erst Anfang Januar.

Künast fordert Aigners Entlassung

Die frühere Bundesverbraucherministerin Renate Künast verlangte die Entlassung ihrer amtierenden Kollegin Ilse Aigner. Die CSU-Politikerin sei ein "Totalausfall", sagte die Grünen-Fraktionschefin in Weimar. Statt Krisenmanagement zu betreiben, frage Aigner bei der Futtermittelindustrie an und sage: "Erzählt mir mal, was Ihr geregelt haben möchtet." Künast verlangte Positivlisten für Bestandteile von Futtermitteln, um Beimischungen künftig besser kontrollieren zu können.

Aigner wies die Kritik zurück. "Es ist alles wunderbar gelaufen", sagte sie in Berlin. "Ich habe erstens Initiativen vorgelegt und mich zweitens immer engstens mit EU-Verbraucherkommissar (John) Dalli abgestimmt." Sie habe die Vertreter der Lebensmittelbranche eingeladen und die Bundestagsabgeordneten informiert. In der kommenden Woche werde sie ihre EU-Kollegen informieren. Am Freitag will sie einen Aktionsplan präsentieren, der die gesamte Futtermittelkette auf den Prüfstand stellen soll. "Dieser Fall wird Konsequenzen haben", sagte Aigner.

Die Politikerin hält ein kriminelles Vorgehen der Firma für wahrscheinlich. "Die uns jetzt vorliegenden Erkenntnisse deuten darauf hin, dass gegen das Gesetz der Eintrag ins Futtermittel nicht gemeldet wurde", sagte sie am Mittwoch in Berlin.

Der Dioxin-Skandal hat auch international immer stärkere Folgen. China verhängte am Mittwoch mit sofortiger Wirkung ein Einfuhrverbot für Schweinefleisch und Eier aus der Bundesrepublik. Auch in Südkorea gelten Importbeschränkungen.

ssu/mmq/AFP/dpa

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1. Und was hat man die letzten Wochen gemacht?
avollmer 12.01.2011
Schafherde ins Trockene getrieben? Auf ein Wunder gewartet? Sich dauernd gekniffen um aufzuwachen? Versucht Asyl in Nordkorea zu erhalten? Psychotherape gegen Realitätsverlust absolviert?
2. Re: Aigner wies die Kritik zurück
shine31 12.01.2011
---Zitat--- Aigner wies die Kritik zurück. "Es ist alles wunderbar gelaufen", sagte sie in Berlin ---Zitatende--- Das sagt alles über Aigner aus...
3. Rücktritt, Jetzt!
Klo, 12.01.2011
Zitat von sysopDer Dioxinskandal hat für Harles und Jentzsch drastische Konsequenzen: Der Futterhersteller, der das Gift in den Umlauf gebracht haben soll, hat einen Insolvenzantrag eingereicht. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,739186,00.html
Die Firma ist insolvent noch ohne einen einzigen Cent an Entschädigung bezahlt zu haben. Das stinkt ganz gewaltig zum Himmel, genau wie die geradezu menschenverachtende Untätigkeit der Politiker. Frau Aigner sollte umgehend wegen Unfähigkeit zurücktreten. In diesem Amt hat sie nichts verloren.
4. Logisch
hman2 12.01.2011
Zitat von KloDie Firma ist insolvent noch ohne einen einzigen Cent an Entschädigung bezahlt zu haben. Das stinkt ganz gewaltig zum Himmel, genau wie die geradezu menschenverachtende Untätigkeit der Politiker. Frau Aigner sollte umgehend wegen Unfähigkeit zurücktreten. In diesem Amt hat sie nichts verloren.
Einen Insolvenzantrag müssen Sie zügig einreichen, denn Insolvenzverschleppung ist eine Straftat. Es ist durchaus nachvollziehbar, dass der Firma das Geld ausgeht - wer kauft denn da noch ein?
5. Für ein titelfreies SpOn-Forum.
Rainer Helmbrecht 12.01.2011
Zitat von KloDie Firma ist insolvent noch ohne einen einzigen Cent an Entschädigung bezahlt zu haben. Das stinkt ganz gewaltig zum Himmel, genau wie die geradezu menschenverachtende Untätigkeit der Politiker. Frau Aigner sollte umgehend wegen Unfähigkeit zurücktreten. In diesem Amt hat sie nichts verloren.
Aber sie darf nicht vergessen, den Wirtschaftsminister und andere mitzunehmen. Das heißt, wenn sie schon dabei ist, sollte eigentlich der ganze unfähige Verein zurücktreten. Unfähigkeit auf allen Gebieten, außer im Geld verblödeln besitzt da keiner irgend eine Kompetenz. MfG. Rainer
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Dioxine - Gefahr für Mensch und Tier
Was sind Dioxine?
Dioxine sind chemisch ähnlich aufgebaute Verbindungen, die aber unterschiedlich giftig sind. Der bekannteste Vertreter der Gruppe ist das als Seveso-Gift bekannt gewordene TCDD (2,3,7,8-Tetrachlordibenzodioxin). Im Tierversuch kann es schon in einer Konzentration von einem Millionstel Gramm pro Kilogramm Körpergewicht tödlich sein.
Wie entstehen sie?
Dioxin entsteht unerwünscht etwa bei Verbrennungsprozessen mit Chlor und organischem Kohlenstoff. Nach Angaben des Umweltbundesamts wird das Gift bei 300 Grad und mehr gebildet und bei 900 Grad und mehr zerstört. Auch bei chemischen Produktionsverfahren mit Chlor können die Stoffe entstehen, außerdem bei Waldbränden oder Vulkanausbrüchen.
Welche Gefahren gehen von Dioxinen aus?
Bereits geringe Konzentrationen können gefährlich sein. Als Langzeitwirkungen wurden etwa Störungen des Immunsystems, schwere Erkrankungen der Haut, der Atemwege, der Schilddrüse und des Verdauungstraktes festgestellt. In Tierversuchen wurden krebserregende Wirkungen nachgewiesen.

Die einmal in die Umwelt gelangten Gifte bauen sich nur sehr langsam ab und reichern sich deshalb auch im Gewebe von Tieren und Menschen an. 90 bis 95 Prozent der Belastung kommt über die Nahrung in den Körper - vor allem durch den Verzehr von Fleisch und Milchprodukten. Ein prominentes Opfer einer Dioxin-Vergiftung ist der ukrainische Politiker Wiktor Juschtschenko. Er hat einen Dioxin-Anschlag im Jahr 2004 nur knapp überlebt. (Quelle: dpa)
Dioxin-Skandale
Dioxin-Skandale des vergangenen Jahrzehnts
Der wohl tragischste Dioxin-Skandal fand im Juli 1976 im italienischen Seveso statt. Bei einem Chemieunfall wurde hochgiftiges Dioxin freigesetzt. Zahlreiche Menschen erkrankten an Krebs, 200 an schwerer Chlorakne. In Deutschland ist ein Vorfall in diesem Ausmaß bislang nicht vorgekommen.
1999
Eine belgische Firma liefert verseuchtes Futter an Tausende Betriebe, darunter sind mehrere deutsche.
2003
Mehrere hundert Tonnen Backabfälle aus Thüringen weisen eine Dioxin-Belastung auf, die bis zu 18-mal höher ist als der zulässige Grenzwert.
2004
In Nordrhein-Westfalen werden mehrere Bauernhöfe gesperrt - wegen des Verdachts auf Dioxin im Tierfutter.
2006
Nch Belgien und den Niederlanden wird auch in Deutschland Dioxin im Tierfutter entdeckt. Betriebe in mehreren Bundesländern müssen schließen.
2010
Das Landesamt für Verbraucherschutz sperrt vorübergehend mehrere Öko-Geflügelhöfe. Belasteter Mais soll von einem niederländischen Unternehmen von Nordrhein-Westfalen aus in mehrere Bundesländer verkauft worden sein. Mehrere Supermärkte stoppen den Verkauf von Bio-Eiern.

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Dioxin im Futter: Verseuchte Lebensmittel?

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