Uno-Weltinvestitionsbericht: Firmen investieren weniger Kapital im Ausland

Internationale Unternehmen halten ihr Geld in der Krisenzeit stärker zusammen. In der Bundesrepublik ist der Einbruch der Direktinvestitionen aus dem Ausland besonders deutlich. Allerdings zeigen die Zahlen auch die Stärke der deutschen Wirtschaft.

Genf - Die Direktinvestitionen ausländischer Firmen in Deutschland sind 2012 deutlich gesunken. Laut dem Weltinvestitionsbericht der Uno-Konferenz für Handel und Entwicklung (Unctad) verringerte sich die Netto-Summe in der Bundesrepublik von 49 Milliarden Dollar auf nur noch 6,5 Milliarden Dollar. Das entspricht im weltweiten Ländervergleich lediglich Rang 39.

Allerdings bedeutet der drastische Rückgang für Deutschland kein Desaster: "Der Rückgang ist drastisch, aber kein Grund zur Panik", sagte der Leiter der zuständigen Unctad-Abteilung, Jörg Weber. Die Entwicklung beruht laut den Statistikern vor allem auf besonderen Einflüssen im vergangenen Jahr. Die Summe von 6,5 Milliarden Dollar ist ein Netto-Wert - von den eigentlich wesentlich höheren Direktinvestitionen aus dem Ausland werden also die Kapitalabflüsse abgezogen.

Im vergangenen Jahr seien vor allem zwei Faktoren für den niedrigen Saldo-Wert verantwortlich, sagte Weber. Viele ausländische Unternehmen hätten ihre Töchter in der Bundesrepublik an deutsche Unternehmen verkauft. So übernahm etwa die Deutsche Wohnen AG für rund 1,5 Milliarden Dollar die BauBeCon Immobilien AG von der britischen Barclays Bank.

Direktinvestitionen gehen weltweit zurück

Auch die mehr als 400 Millionen Euro, die die Stadt Hamburg für ihren 25-Prozent-Anteil am lokalen Stromnetz an den schwedischen Konzern Vattenfall überwies, flossen demnach in diese Berechnung ein. Diese Entwicklung spricht weniger für das erlahmende Interesse ausländischer Investoren als vielmehr für ein Erstarken deutscher Unternehmen und der Konjunktur.

Darüber hinaus hätten viele deutsche Tochterfirmen unternehmensinterne Darlehen an ihre ausländischen Konzernmütter zurückgezahlt. Damit folgten sie dem allgemeinen, weltweiten Trend, in der Krise die eigenen Finanzen zu konsolidieren. Auch dieser Faktor ist eher ein Zeichen für die Stärke deutscher Unternehmen als ein Warnzeichen. Unctad-Mann Weber zufolge liegt der Rückgang bei den Direktinvestitionen für Deutschland etwa auf dem Niveau des Durchschnitts aller Länder, wenn man die beiden Sonderfaktoren herausrechnet.

Weltweit gingen die Direktinvestitionen 2012 gegenüber dem Vorjahr um 18 Prozent auf 1,35 Billionen Dollar zurück und sanken damit erneut unter das durchschnittliche Jahresniveau vor der Finanzkrise 2007 (1,49 Billionen). Dies zeige, dass die Konjunkturerholung länger brauche als erhofft, heißt es in dem Unctad-Bericht. Die Gründe seien vor allem anhaltende wirtschaftliche Schwächen und politische Unsicherheiten in vielen Teilen der Welt. Unter anderem verunsichere der US-Haushaltsstreit Investoren.

Das attraktivste Land für internationale Unternehmen und zugleich Weltmeister bei Auslandsinvestitionen bleiben die USA. Aber auch deutsche Firmen setzten mehr Kapital im Ausland ein als im Vorjahr, insgesamt 67 Milliarden Dollar. Damit kletterte die Bundesrepublik in der Liste der 20 Top-Investoren vom 11. auf den 6. Platz.

80 Milliarden Dollar fließen in Steueroasen

Für die nächsten Jahre rechnet die Uno-Wirtschaftsorganisation damit, dass mehr Konzerne ihre krisenbedingte Zurückhaltung aufgeben. Dadurch könnten die weltweiten Investitionen 2014 auf 1,6 Billionen und 2015 auf 1,8 Billionen Dollar steigen. Hoffnungen verbinden sich vor allem mit der Dynamik in Entwicklungsländern, wie Uno-Generalsekretär Ban Ki Moon erklärte.

Er verwies darauf, dass 2012 zum ersten Mal mehr Geld in aufstrebenden als in industrialisierten Ländern angelegt wurde. 52 Prozent der ausländischen Direktinvestitionen gingen demnach in Entwicklungsländer. In die Industriestaaten flossen mit 561 Milliarden Dollar 32 Prozent weniger als im Vorjahr.

Kritisch merkt der Unctad-Bericht an, dass nach wie vor hohe Summen über "Offshore"-Finanzzentrum investiert werden, die mit Steuererleichterungen locken. Trotz internationaler Bemühungen zur Eindämmung von Steuerhinterziehung lägen die Zuflüsse mit 80 Milliarden Dollar immer noch weit über dem Niveau vor dem Krisenjahr 2007 und würden etwa sechs Prozent der globalen Investitionen ausmachen.

fdi/usp/dpa

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