Drogerie-Pionier Dirk Roßmann "Manchmal bin ich ein Taktierer"

Drogeriepionier Dirk Roßmann spricht im SPIEGEL über seine Fehler als Unternehmer. Und sagt, warum er sich manchmal davor drückt, politisch eindeutig Position zu beziehen.

Dirk Roßmann
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Dirk Roßmann

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Drogerie-Pionier Dirk Roßmann, 72, spricht angesichts der Ereignisse in Chemnitz über die politische Verantwortung von Managern: "Wenn sich Politiker mit Menschen zeigen, die eindeutig eine Naziideologie vertreten oder den Arm zum Hitlergruß recken, dann geht das nicht! Da gibt es überhaupt nichts zu überlegen."

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In einem Gespräch in der aktuellen Ausgabe des SPIEGEL bekennt Roßmann: "Ich persönlich mag weder die ganz Rechten noch die ganz Linken, ich bin auch nie Mitglied einer Partei gewesen." Der Hannoveraner gibt jedoch zu, mitunter abzuwägen, ob ihm ein politisches Statement als Unternehmer schaden könne: "Mir ist es wichtig, dass ich mich nicht so positioniere, dass alle Linken-Wähler oder alle AfD-Wähler nicht mehr bei mir kaufen, weil sie glauben, dass dieser Roßmann aus ihrer Sicht ein schlimmer Typ ist." Roßmann sagt: "Manchmal bin ich ein Taktierer. Obwohl ich eigentlich nicht der Typ dazu bin." (Lesen Sie das vollständige Interview bei SPIEGEL+)

Auf die Frage, warum auch fast 30 Jahre nach der Wiedervereinigung noch immer ein politischer Riss durch Deutschland gehe, erklärt Roßmann: "Bei den Politikern heute vermisse ich die Leidenschaft". Er verweist auf die scharfen Debatten im Bundestag in den Sechziger- und Siebzigerjahren oder Politikertypen wie Gerhard Schröder, der sein Nein zu einem Irak-Einsatz verteidigte: "Heute habe ich bei vielen Volksvertretern das Gefühl, sie sagen manche Dinge nur, um ihre Klientel bei Laune zu halten. Und für die wirklich wichtigen Dinge finden sie nicht die richtigen Worte."

Jahrelange Therapie

Roßmann redet offen über seine jahrelange Therapie, mit der er unter anderem seine Geltungssucht überwunden habe: "Mir war es wichtig, dass ich in den Medien war, dass ich bekannt war - auch bei den Frauen. Ich bin ja ein kleiner Mann, ich habe nur die Volksschule besucht, habe früh meine Haare verloren, da hatte ich nicht allzu große Chancen."

Dirk Roßmann, Jahrgang 1946, verdiente sein erstes Taschengeld, indem er die Waren aus der elterlichen Drogerie mit dem Fahrrad ausfuhr. 1972 gründete er das erste Selbstbedienungsgeschäft für Drogerieartikel. Inzwischen beschäftigt Roßmann gut 50.000 Mitarbeiter und zählt zu den reichsten Deutschen. Auch seine Frau und seine beiden Söhne arbeiten in der Unternehmensleitung. Am 8. Oktober erscheint seine Autobiografie "...und dann bin ich auf einen Baum geklettert" im Ariston-Verlag.

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insgesamt 5 Beiträge
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Seite 1
hevopi 06.10.2018
1. Herr Rossmann
sollte sein Licht nicht unter den Scheffel stellen. Ich durfte ihn in Fulda kennen und schätzen lernen, zu den Unternehmen, die mit ihm zusammenarbeiteten hatte er immer klare Kante gezeigt und natürlich auch eine erfolgreiche Marketing-Strategie realisiert, sonst wäre er nie so groß geworden. Leider lebe ich jetzt im Ausland und werde nie mehr die Gelegenheit haben, ihm persönlich zu begegnen.
lachina 06.10.2018
2. Guten Tag, Herr Roßmann,
ruhig auch Meinung bekennen - da können Sie ruhig was von Ihrem " Kollegen " / Konkurenten mit dem Grundeinkommen was abgucken. Aber ansonsten: Hochachtung vor Ihnen und Ihrem Lebenswerk, dass sind diese Biographien aus der alten Bundesrepublik, die vielen Menschen Mut gemacht haben ( oder neumodischer: die sie inspiriert haben). Zum Artikel: Herr Roßmann spricht über seine Fehler als Unternehmer? Wo denn? Wüßte nicht, dass er unternehmerische Fehler gemacht hätte.
MDen 06.10.2018
3. Wähler wissen nicht, was sie wollen
In dem SPON-Artikelklingt es schon widersprüchlich, dass Herr Rossmann selbst seine politischen Überzeugungen aus Geschäftsgründen verborgen hat, bei den heutigen Politikern aber eine klare Haltung vermisst. Das Geschäft des Politikers ist es, Wahlen zu gewinnen. Und das ist ein schwieriges Geschäft, weil die meisten Wähler gar nicht genau wissen, was sie wollen bzw. nur ihren eigenen Vorteil sehen. Frühere Generationen haben wirklich Schlimmes durchgemacht und waren es gewohnt, Opfer für die Gemeinschaft zu bringen. Da hat keiner irgendwelche seltenen Käfer gesucht um zum Beispiel eine Stromtrasse vor der eigenen Haustür zu verhindern, die dann jemand anderem vor die Haustür gebaut oder sehr teuer vergraben werden muss, man aber gleichzeitig für niedrigere Abgaben ist. Da wirkt in der Politik ein klar formuliertes Konzept und Prinzipientreue selbstzerstörerisch.
liesellottchen 07.10.2018
4. Ich finde es sehr gut,
dass jemand seine Fehler eingesteht. Bekanntlich ist das der erste Schritt zur Besserung. Und eine Therapie ist natürlich der beste Weg. Sich dann jedoch hinzustellen und politische farblosigkieit anzuprangern, ist eine andere Farblosigkeit. Vielleicht sollte Herr Rossmann mal selbst beginnen, die Dinge umzukrempeln. Beispielsweise in dem sein Unternehmen Bewerber Wertschätzt. Auf eine Bewerbung hin wurde ich zu einer Massenveranstaltung einbestellt, keine Terminabsprache. Der genannte Ansprechpartner lies sich am Telefon regelmässig als nicht anwesend ausrichten, rief mich auch nicht zurück. Nachdem ich schriftlich begründet habe, warum ich den Termin nicht wahrnehmen kann und um einen zweiten Termin gebeten habe, habe ich nie wieder was gehört - noch nicht einmal eine Absage! Respekt und Wertschätzung beginnt vor der eigenen Tür.
eckawol 07.10.2018
5. Taktiker oder Opportunist?
Eigentlich ist es egal; Hauptsache die Menschen kaufen die Drogerieartikel in seinen Geschäften. Ehrliches Statement, aber dafür muß man die Biografie nicht lesen..
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