Streit um Bio-Sortiment Alnatura siegt vor Gericht gegen dm

Sieg im Schwagerkampf: Alnatura hat sich vor Gericht gegen dm durchgesetzt. Die Öko-Firma darf ihre Produkte auch über andere Ketten vertreiben. Das Pikante an dem Konflikt: Die beiden Chefs waren einst eng verbandelt.

Alnatura-Produkte in einem dm-Markt (Archivbild)
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Alnatura-Produkte in einem dm-Markt (Archivbild)


Im Vertriebsstreit zwischen dm und Alnatura hat das Darmstädter Landgericht die Klage der Drogeriekette abgewiesen. dm darf weiterhin keinen Einfluss nehmen bei der Frage, über welche Handelspartner Alnatura seine Bio-Produkte vertreibt.

Außerdem muss dm 2,3 Millionen Euro samt Zinsen an Alnatura für einseitig gekürzte Rechnungen nachzahlen, entschied der Vorsitzende Richter. Das Urteil ist allerdings noch nicht rechtkräftig.

Worum ging es im Verfahren?

Um einen Kooperationsvertrag aus den achtziger Jahren. Dieser sichert dm eine Mitsprache bei der Auswahl neuer Vertriebspartner von Alnatura zu.

Daran sah sich Alnatura aber nicht mehr gebunden. Denn nach einem Zerwürfnis zwischen dm-Gründer Götz Werner und Alnatura-Gründer Götz Rehn hat dm eine eigene Bio-Linie eingeführt und nimmt die Alnatura-Produkte nach und nach aus den Regalen. Im Gegenzug vertreibt Alnatura seine Waren nun vermehrt in eigenen Filialen, online und bei anderen Händlern wie Edeka oder Müller.

Ist der Streit zwischen den Unternehmen nun beendet?

Nein, denn am Oberlandesgericht in Frankfurt stehen sich Werner und Rehn noch in einem zweiten Prozess gegenüber. Dabei fordert der dm-Gründer die Markenrechte an Alnatura.

Der dm-Gründer argumentiert, dass Alnatura erst durch seinen Drogeriemarkt erfolgreich geworden sei. Unterstützt wird er dabei vom ehemaligen Tegut-Chef Wolfgang Gutberlet, dessen Unternehmen ebenfalls als eines der ersten Alnatura-Produkte vertrieb.

In erster Instanz hat das Landgericht Frankfurt die Klage abgewiesen. Werner legte Berufung beim Oberlandesgericht ein. Darüber verhandelt werden soll im Februar 2017.

Was macht den Konflikt so brisant?

Werner und Rehn waren jahrzehntelang eng verbunden, auch privat. Werner empfahl dem früheren Nestlé-Manager nicht nur, sich auf Öko-Produkte zu spezialisieren. Er ist zudem auch mit Rehns Schwester verheiratet.

Der jetzige Streit aber berührt für Rehn durchaus existenzielle Fragen. Der Name ist Alnaturas wichtigstes Kapital - gerade in Zeiten wachsender Konkurrenz auf dem Biomarkt. Sollte Werner die Kontrolle darüber erlangen, so könnte er die Marke theoretisch verschwinden lassen.

Auch ein Treffen zwischen Werner und Rehn, das im Februar von dem ägyptischen Unternehmer Ibrahim Abouleish organisiert wurde, konnte die Wogen nur kurzfristig glätten. Im Anschluss hieß es zwar, die beiden hätten sich wieder versöhnt. Kurz darauf wurde aber bekannt, dass die Rechtsstreitigkeiten zwischen dm und Alnatura weitergehen.

dab/dpa



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