Wegen Drohungen Drogeriekette sagt Spendenaktion für Kurden ab

Mit dem bekannten Aktivisten Rupert Neudeck an der Kasse wollte die Drogeriemarktkette dm Spenden für eine kurdische Gemeinde sammeln. Nationalistische Deutschtürken reagierten mit Drohungen. Jetzt wurde die Aktion abgesagt.

Kunde in dm-Filiale: 'Keinen Nährboden für Eskalation bieten"
DPA

Kunde in dm-Filiale: 'Keinen Nährboden für Eskalation bieten"


Die Drogeriekette dm hat eine Spendenaktion zugunsten einer kurdischen Gemeinde nach Drohungen abgesagt. Am Samstag sollte der Menschenrechtsaktivist Rupert Neudeck in einem dm-Drogeriemarkt in Troisdorf bei Bonn kassieren und seine Einnahmen einer kurdischen Gemeinde im Ort spenden. Das Geld sei ausschließlich für den Deutschunterricht für "integrationswillige Menschen" gedacht, betonte dm.

Die geplante Aktion hatte bei nationalistischen Deutschtürken für Empörung gesorgt. Sie warfen dm vor, die verbotene kurdische PKK und Terrorismus zu unterstützen und riefen zum Boykott der Kette auf.

Jetzt gab dm die Aktion auf. "Wir haben wenig Verständnis dafür, dass soziale Hilfsaktionen Anlass sein sollen zur politischen Interessenvertretung oder gar zu verbaler oder physischer Gewaltausübung", sagte Unternehmenschef Erich Harsch. Man wolle aber "keinen Nährboden für Eskalation" bieten. Wer zusätzlich mit Gewalt drohte, teilte das Unternehmen nicht mit.

Am Sonntag hatte dm die Spendenaktion zunächst noch verteidigt. "Wir nehmen eure Rückmeldungen zur Aktion in Troisdorf auf, möchten aber auch klarstellen, dass uns soziales Engagement sehr wichtig ist", schrieb das Unternehmen auf Facebook.

Die Stimmung zwischen Türken und Kurden hat sich auch in Deutschland verschärft, seit es am Samstag zum Anschlag auf eine Demonstration in Ankara mit mindestens 97 Toten kam. Die Kundgebung war von der kurdischen Partei HDP mitorganisiert worden. Diese sieht sich als Ziel des Anschlags und macht die Regierung mitverantwortlich. Der Vorsitzende der Türkischen Gemeinde in Deutschland, Gökay Sofuoglu, warnte, auch in Deutschland könne es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Kurden und Türken kommen.

dab/dpa/AFP



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