"Sie benutzen unser Postsystem als Botenjungen" Trump stellt Amazon an den Pranger

Donald Trump geht auf Amazon los: Via Twitter warf der US-Präsident dem Konzern vor, kaum Steuern zu zahlen und Einzelhändler in den Ruin zu treiben. Die Aktie des Handelskonzerns verlor erneut.

Donald Trump
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Der Onlineversandhändler Amazon wird öffentlich von US-Präsident Donald Trump an den Pranger gestellt. Das Staatsoberhaupt zog per Twitter öffentlich über das Unternehmen her. "Im Gegensatz zu anderen zahlen sie kaum oder gar keine Steuern an Bundesstaaten und Kommunen und sie benutzen unser Postsystem als ihren Botenjungen", schrieb Trump.

Dies führe zu enormen wirtschaftlichen Schäden für die Vereinigten Staaten. Viele Tausend Einzelhändler würden aus dem Geschäft gedrängt, schrieb Trump weiter. Schon "lange vor der Wahl" zum Präsidenten habe er seine Bedenken gegenüber Amazon geäußert.

An der Börse drehte die Amazon-Aktie nach Veröffentlichung des Tweets zeitweise mit fast vier Prozent ins Minus. Der Aktienkurs von Amazon war bereits am Vortag eingebrochen, als Berichte kursierten, Trump könnte politisch gegen den Konzern vorgehen.

Das Onlineportal Axios berichtete, reiche Freunde Trumps hätten sich an den Präsidenten gewandt und über den Niedergang von Einkaufszentren und Einzelhändlern geklagt. Axios schrieb, der US-Präsident wolle die steuerliche Behandlung von Amazon ändern. "Trump hasst Amazon, nicht Facebook", hatte das Medium getitelt. Insgesamt stützte die Website ihren Bericht auf fünf Quellen, Menschen, die das Thema mit dem Präsidenten diskutiert hätten.

Die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, hatte am Mittwoch noch gesagt, die Trump-Regierung erwäge hinsichtlich Amazon keinen politischen Kurswechsel.

Nach Expertenansicht haben Amazon und andere Online-Händler einen riesigen Einfluss auf den Einzelhandel in den USA. Studien gehen davon aus, dass in diesem Jahr 8000 Läden schließen müssen. Zuletzt hatte der Spielzeug- und Kinderausstattungs-Händler Toys'R'Us Insolvenz anmelden müssen und 800 Filialen geschlossen - Amazon ist ein direkter Wettbewerber.

Amazon-Chef Jeff Bezos ist auch Inhaber der Trump-kritischen Zeitung "Washington Post". Trump wirft dem Medium immer wieder vor, Falschnachrichten zu verbreiten. Im vergangenen Jahr stellte Trump die Frage: "Wird die Fake-News 'Washington Post' als Lobbyismus-Waffe gegen den Kongress benutzt, um die Politiker davon abzuhalten, sich das Steuer-Monopol von Amazon anzusehen?" Im Dezember 2015 hatte Trump Bezos vorgeworfen, die Zeitung sei lediglich ein Vehikel, mit deren Verlusten Bezos die Gewinne von Amazon klein halte, um Steuern zu sparen. Somit fungiere die Zeitung als "Steuerschlupfloch".

Bezos und Trump sind seit langem verfeindet. Wiederholt äußerte sich der Amazon-Chef während des Präsidentschaftswahlkampfes kritisch über Trump. Dieser wiederum hat Amazon schon häufiger vorgehalten, keine Steuern zu zahlen. Zuletzt hatte aber auch Amazon enorm durch die von Trump gesenkten Unternehmenssteuern auf Bundesebene profitiert.

"Hunde, die bellen, beißen nicht"

Analysten sehen Trumps Attacke kritisch. Es scheine, dass Trump entweder nicht gut über Amazon informiert sei oder gar dem Unternehmen schaden wolle, schrieb Scott Devitt vom Analysehaus Stiefel. Amazons Geschäftsmodell nutze eher den Verbrauchern als "ineffizienten Mitgliedern der Einzelhandelsbranche". Langfristig orientiere Anleger sollten daher geduldig abwarten.

Analysten von Compass Point gehen trotz der negativen Schlagzeilen über Amazon nicht davon aus, dass die Regierung gegen die mächtigen Tech-Konzerne in den USA vorgeht. "Hunde, die bellen, beißen nicht", kommentierten die Analysten Trumps Attacke.

mmq/Reuters/dpa/AFP



insgesamt 154 Beiträge
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cs01 29.03.2018
1.
Ich frage mich, wozu das Postsystem gut ist, wenn nicht dazu, um Sendungen zuzustellen. Und ich hoffe mal, dass die US-Post mit ihrem Paketdienst kein Minus, sondern Gewinn macht. Im übrigen baut Amazon seinen eigenen Zustelldienst auf. Richtig ist, dass der Einzelhandel leidet und dass Amazon keine Steuern zahlt, darüber hinaus bedienen sie sich auch unfairer Praktiken gegenüber den Händlern auf ihrer Plattform. Aber Trump spricht dass doch nur an, weil der Amazonchef ihn kritisiert hat. Das ist ein persönlicher Rachefeldzug gegen den.
PeterVietz 29.03.2018
2. Endlich mal gegen den richtigen...
Jeff Gezos strebt mit Amazon die "Weltherrschaft" an. Im Einzelhandel und Datenabgreifen mitmischen und den Wettbewerb plattmachen. Selbst immer mehr Geld anhäufen, aber die meisten Mitarbeiter bekommen nur Hungerlöhne. Und dann noch möglichst viel Steuervermeidungsstrategie fahren. Zeit wirds, dass da mal jemand dagegen vorgeht!
kuac 29.03.2018
3. Konzept gegen Amazon?
Einfach Amazon zu kritisieren bringt nichts. Hat Trump ein Konzept? Hier könnte die EU und die USA zusammenarbeiten, damit Amazon auch wie alle andere Händler Steuern zahlt. Das gilt auch für FB, Google oder Apple usw.
gottseidank.de 29.03.2018
4. Ich frage mich?!
Kann Bezos dagegen nicht juristisch vorgehen? Er nutzt die legalen Mittel, die bedauerlicher Weise allen Konzernen auch durch die Politik der Republikaner zur Verfügung stehen. Wie sich das Geschäftsmodell auf die Gesellschaft auswirkt und welche Konsequenzen damit einhergehen steht auf einem anderen Blatt. Aber solange es legal ist, halte ich diese Form Geschäftsschädigung für eine bodenlose Frechheit und absolute Unverschämtheit. Alle Konzerne und CEO’s mit denen der Donald “dicke ist”, machen es keinen Deut besser. Skandal!
Darwins Affe 29.03.2018
5. Unbedarft
1) Jeff Bezos machte sich als Besitzer der Washington Post schon lange bei Mad Donald unbeliebt. Jetzt bekommt er die Quittung. Hätte er vor der Präsidentschaftswahl an beide Parteien ordentlich gespendet, stände er wohl besser dar. 2) Nebenbei: Meiner Meinung nach sollte sich die Wirtschaft aus der Politik raushalten und die Politik aus der Wirtschaft. Trump meint natürlich (wie viele unbedarfte Politiker), von beidem was zu verstehen.
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