SPIEGEL-ONLINE-Klassiker Die Wahrheit hinter Trumps Milliarden

Donald Trump brüstet sich mit seinem angeblich selbst geschaffenen Reichtum. Dabei zapfte er geschickt öffentliche Gelder an. Und seine Pleiten? Verschweigt er.

AP

Von , New York


Wenig Zeit? Am Textende gibt's eine Zusammenfassung.


Dieser Artikel erschien bereits im Februar 2016 bei SPIEGEL ONLINE. Mit Blick auf die aktuelle Diskussion um Donald Trump nach dem Sieg bei der Präsidentschaftswahl haben wir den Text erneut auf der Startseite veröffentlicht.

Donald Trumps Präsidentschaftskandidatur fußt auf einem sorgsam kultivierten Mythos - dem Mythos des supererfolgreichen Selfmade-Businessman. "Ich bin wirklich, wirklich reich", prahlt der Immobilienhai, der nun auch in den Umfragen zu den US-Vorwahlen in South Carolina vorne liegt. Und: "Unser Land braucht einen guten Geschäftsmann."

Der Mythos ist eine PR-Fabel, genährt vom Klischee, dass es in Amerika jeder im Alleingang vom Tellerwäscher zum Millionär schaffen könne. Trump verkörpert diesen American Dream - aber seine gern erzählte Erfolgsstory ist eine Legende, die mit der Realität wenig zu tun hat.

Die Probleme beginnen schon mit der Substanz seines Reichtums. Als Trump in den Wahlkampf einstieg, bezifferte er sein Vermögen auf 8,7 Milliarden Dollar, was er seither selbstbewusst auf zehn Milliarden Dollar aufrundet. Doch unabhängige Quellen bestreiten die Summe: Auf der "Forbes"-Liste der reichsten Amerikaner rangiert er mit 4,5 Milliarden Dollar auf Nr. 121.

Eins stimmt jedenfalls: Am Anfang standen 200 Millionen Dollar. Mit diesem bequemen Polster begann Donald Trump seine Karriere - dank seines Vaters Fred, der mit Fördergeldern der US-Regierung Eigenheime errichtete und sich damit ein kleines Immobilienreich geschaffen hatte.

Trump Jr. stieg nach dem Studium ins Geschäft ein - wie der Vater auf Kosten des Staates. Mit 27 landete er seinen ersten Deal: Für einen Dollar kaufte er das bankrotte Hotel Commodore und verwandelte es mit dem Hyatt-Konzern als Partner in eine Nobelherberge, das Grand Hyatt. Politisch gut vernetzt, sicherte er sich dafür einen Grundsteuernachlass, der ihm 60 Millionen Dollar sparte.

Es wurde sein Modus Operandi: Trump umgarnte die Politiker mit Geld und Aufmerksamkeit - nur um sie für seine Luxusprojekte anzuzapfen.

Ergebnisse der US-Vorwahl in New Hampshire
So steht es bei den US-Vorwahlen: Alle Ergebnisse, alle Kandidaten, alle Termine

So auch beim Trump Tower, seinem bekanntesten Projekt. Als ihm die Stadt New York den Steuernachlass verweigern wollte, erklagte er sich das 164-Millionen-Dollar-Geschenk. 1983 eröffnet, profitierte der Glasturm an der Fifth Avenue auch von der Arbeit illegaler - und nicht versicherter - Einwanderer aus Polen, von denen Trump nichts gewusst haben will.

Trump habe die Stadtverwaltung betrogen, erinnerte sich New Yorks Ex-Rechnungsprüferin Karin Burstein in der "Los Angeles Times". Auch der Kongressabgeordnete Jerrold Nadler kritisierte Trumps Methoden, "die Steuerzahler zu missbrauchen und das Gesetz zu beugen".

Ein Flop nach dem anderen

Nicht immer führte das zum Erfolg. 1990 wäre die Trump Organization fast bankrottgegangen, mit fünf Milliarden Dollar Schulden. Nur ein Rettungspaket von rund 70 Banken bewahrte Trump vor dem Aus.

Vor allem wenn Trump in seinem Größenwahn nach Bereichen griff, die ihm bisher fremd waren, landete er einen Flop nach dem anderen:

  • Trump Airlines: 1988 kaufte Trump die Eastern Air Shuttle, eine Kurzstrecken-Fluggesellschaft. Wie üblich motzte er sie zur Luxuslinie auf. Doch sie flog nie Profit ein, ging pleite und verschwand.
  • Trump - The Game: eine Art Trump-Monopoly. Das 1989 präsentierte Brettspiel wurde nach einem Jahr wieder vom Markt genommen.
  • Trump Casinos: Trump besaß mehrere Casinos in Atlantic City. Doch die Dachgesellschaft meldete viermal Insolvenz an (1991, 2004, 2009 und 2014). Trump legte das Management 2009 nieder und überließ den finanziellen Schlamassel den Gläubigern und Angestellten.
  • Trump Vodka: 2007 als "destillierter Erfolg" auf den Markt gebracht, hielt sich der Spirituosen-Ladenhüter gerade mal zwei Jahre.
  • Trump Steaks: Die "tollsten Steaks der Welt" waren von 2007 bis 2014 im Postversand erhältlich, schmeckten aber kaum einem.
  • Trump University: Unter diesem Namen verhökerte Trump Seminare für den Immobilienerfolg. Doch es handelte sich um nichts als plumpe Trump-Infomercials. New Yorks Generalstaatsanwalt Eric Schneiderman verklagte ihn wegen Betrugs auf 40 Millionen Dollar.

Doch nicht alles ging daneben. Trumps Reality-Show "The Apprentice" war jahrelang ein Hit. Der Trump Tower ist eine Touristenattraktion, etliche Immobilienprojekte sind profitabel, und das Grand Hyatt floriert.

Das Hotel ist aber schon längst keine Trump-Immobilie mehr. 1996 trennten sich Trump und Hyatt - nachdem sie sich gegenseitig verklagt hatten. Trumps Verdienst an der Scheidung: 140 Millionen Dollar.


Zusammengefasst: Donald Trump stellt seinen Werdegang gerne als reine Erfolgsgeschichte aus Eigenleistung dar. Doch der Milliardär legte einige Pleiten hin - und baute seine Karriere mithilfe seines Vaters und mit öffentlichen Geldern auf.

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insgesamt 141 Beiträge
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Seite 1
dr.joe.66 17.02.2016
1. So funktioniert
Genau so funktioniert doch das "freie" Markt-System: Durch Lobbyismus möglichst viel Profit auf Staatskosten machen, Aufträge durch gute politische Vernetzung bekommen, gesetzliche Hindernisse von politischen Freunden aus dem Weg räumen lassen, wenig bis keine Steuern zahlen, Sozialkosten vermeiden, etc. pp. So funktioniert nicht nur die USA, sondern auch Europa. Von Ländern wie Japan, Korea, China oder gar den arabischen Staaten brauchen wir gar nicht zu reden. Damit ist Donald Trump bei den Mächtigen weltweit vor allem eins: ein Gleichgesinnter....
Prätorianer91 17.02.2016
2. Lächerlich
Dass Trump sich auf "Kosten des Staates" so bereichern konnte hat doch die etablierte Politikerkaste so zugelassen. Warum soll jetzt er der Böse sein? Was legal ist wird auch gemacht, so funktioniert nun mal ein Rechtsstaat. Würde die Schuld da eher bei den Politikern suchen, die sich als Hüter des Gemeinwohls verkaufen, aber bei Ihren Handlungen immer nur das Wohl und Vermögen der oberen Einprozent im Blick haben.
plietsch 17.02.2016
3.
Scheitern gehört im Leben dazu. Die meisten erfolgreiche Geschäftsleute hatten schon Unternehmen, deren Ideen nichts wurden. Wichtig ist, dass man daraus lernt. Aber in Deutschland hockt man lieber auf seiner unbefristeten Angestelltenstelle und zieht darüber her, dass bei anderen Misserfolge mal offensichtlicher waren als bei einem selbst.
acitapple 17.02.2016
4.
Das ist so typisch deutsch. Neidisch bis zum Fremdschämen. Läuft das etwa bei uns anders ? Ich erinnere nur mal an die, nachgewiesen, nutzlose Fassadendämmung, die aufgrund steter Lobbyarbeit ins Gesetz genommen wurde. Dafür gibt es noch tausende Beispiele in good old germany. Und er verschweigt seine Misserfolge ? Sowas wird einem auch nur in Deutschland vorgeworfen, wo man damit rechnen kann, dass Widersache einem jede Niederlage bis zum Sterbebett auftischen und sämtliche Erfolge negieren. Dabei kann man ruhig mal "erfolgreiche" Leute befragen. Alle haben Niederlagen erlebt und sind gestärkt daraus hervorgegangen. Aber hier wird nur auf sowas geachtet. Man stelle sich vor, er hat aus 200 mio "nur" 4,5mrd. gemacht, was für ein loser... Man muss den Kerl nicht mögen um von diesem offenkundigen Neid angeekelt zu sein.
lustiger_leser 17.02.2016
5. Merkwürdiger Bericht
Man mag von Prahlhans Trump halten was man will, aber er hat aus seinem Startkapital von 200 Mio. US-Dollar ein Vermögen von 4,5 Mrd. gemacht. Was ist daran unterm Strich zu beanstanden, wenn die Mittel legal waren? Wer viel ausprobiert, produziert halt auch Flops. Unterm Strich hat er sich nicht sooooo blöd angestellt, oder?
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