Trumps Strafzölle und die Vergeltung der EU Das Handelshandgemenge

Donald Trump will Stahl und Aluminium mit Strafzöllen belegen, die EU droht Vergeltung mit solchen auf Harleys und Bourbon an - ein zielgerichteter Angriff auf den "American Way of Life".

U.S. Steel-Logo
AP

U.S. Steel-Logo

Ein Kommentar von


"Handelskrieg", puh, das ist ein reichlich alarmistisches Wort. Was daran liegen könnte, dass es tatsächlich aus kriegerischen Zusammenhängen kommt. Die napoleonische Kontinentalsperre gegen England war eine handelskriegerische Maßnahme, desgleichen die Versenkung alliierter Frachter durch deutsche U-Boote im Ersten Weltkrieg.

Im Fall der von US-Präsident Donald Trump angekündigten Zölle auf Aluminium und Stahl sollte man also eher von einem Streit sprechen, einer ökonomischen Meinungsverschiedenheit sozusagen. Die Rede sei entweder von Strafzöllen oder Schutzzöllen, zumal die politische Maßnahme je nach Perspektive als defensiv oder aggressiv bezeichnet werden kann.

Vielleicht wäre passiv-aggressiv das richtige Adjektiv. Oder dumm, folgt man den Ausführungen des "Wall Street Journal". Demnach sind mehr als sechs Millionen Menschen in der stahlverarbeitenden Industrie tätig, aber nur 140.000 in strahlproduzierenden Unternehmen. Getroffen werden also vor allem Firmen, die importierten Stahl in ihre Produkte verbauen.

Während nun Peking erwägt, im Gegenzug den Import von Hirse oder Soja aus den Vereinigten Staaten einzuschränken, will Brüssel seinerseits vor allem Kartoffeln oder Orangen mit Zöllen belegen. Die Liste landwirtschaftlicher Produkte liest sich, als sollte keine Supermacht, sondern Burkina Faso oder Guatemala zum Einlenken gebracht werden.

Handelspolitische Cruise Missiles

Dabei ist die Reaktion der EU auf die neuen Handelsbarrieren gar nicht so drollig, wie es zunächst scheint. Betroffen wären möglicherweise auch Produkte aus den Wahlkreisen von Paul Ryan, republikanischer Sprecher des Repräsentantenhauses, und Mitch McConnell, Mehrheitsführer im Senat. McConnell vertritt Kentucky, Heimat großer Bourbon-Whiskey-Hersteller. Und Ryan ist auf Stimmen aus Wisconsin angewiesen, wo Harley-Davidson seinen Firmensitz hat.

Handelspolitische Cruise Missiles sozusagen, mit exakt programmierter Zielangabe zur Vermeidung größerer Kollateralschäden - die wird Trumps Idee, wie zuvor schon ähnliche Maßnahmen von George W. Bush, dank explodierender Stahlpreise im US-Arbeitsmarkt von ganz alleine entfalten. Beispielsweise wird, ganz ohne Zoll, das technisch hoffnungslos veraltete Alteisen aus Milwaukee noch teurer, als es ohnehin schon ist.

Es sind also im Handelshandgemenge die USA nicht so recht zu packen. Und wenn, dann vor allem symbolisch. Zwar ist es von hohem Unterhaltungswert, ausgerechnet Jack Daniel's und Harley-Davidson hierzulande teurer zu machen. Weltweit sind sowohl die Spirituose als auch das Motorrad im engeren Sinne sowieso nicht als Getränk oder als Fahrzeug unterwegs - sondern als traditionelle und ideelle Botschafter des "American Way Of Life"™. Darüber hinaus aber gehören die Flasche und das Moped zu den wenigen US-Produkten, die überhaupt noch im Ausland zirkulieren und dort auch angefasst werden können.

Im Video: Folgen der Strafzölle - Die USA gegen den Rest der Welt

Wann würde wohl auffallen, wenn von heute auf morgen alle us-amerikanischen Automarken von europäischen Straßen verbannt würden? Wo man doch so einen Tesla sowieso nicht hört? Würden noch Menschen rauchen, könnte man Marlboro an den Kragen gehen. Aber so? Gut, es gibt noch Coca-Cola und Pepsi, Pringles und Pampers, Bananen von Chiquita und Kaugummis von Wrigley's. Aber kann, was bei McDonald's oder Burger King als "Essen" über die Theke geht, wirklich noch teurer werden?

Und was ist mit Produkten von Apple? Die sind zusammengelötet in China, erdacht aber doch in Kalifornien. Würde der Verkauf des iPhone wirklich einbrechen, wenn es 100, 200 oder 400 Euro mehr kosten würde? Mit Hip-Hop und R'n'B können wir uns, zumindest bis zum Brexit, notfalls noch in Großbritannien bedienen. Als ultima ratio im Handelskrieg, wenn er denn ausbricht, bleibt wohl nur eine Verdreifachung der Kosten für ein Netflix-Abo.

Gut zu wissen, dass wegen der großen Nachfrage im eigenen Land wenigstens die Existenz der hiesigen Aluhut-Industrie vorerst gesichert ist.

Anmerkung der Redaktion: Mitch McConnell vertritt den US-Bundesstaat Kentucky im US-Senat, nicht wie zuerst angegeben Tennessee. Der Artikel wurde entsprechend korrigiert.

insgesamt 26 Beiträge
Alle Kommentare öffnen
Seite 1
flohego 02.03.2018
1. Die Gegenmaßnahmen sind wohl symbolischer Art...
... denn wenn man einen wirklichen wirtschaftlichen Kampf ausfechten wollte, würde man ab der ersten Sekunde dahin schlagen, wo es wirklich weh tut: Amerikanische Filme, Fernsehserien, Streamingportale wie Netflix, Computerbetriebssysteme, Programme, Spiele... alles mit 25%; der Schlag würde sitzen, aber dummerweise gerade diejenigen in Amerika am härtesten treffen, wo Trump die wenigsten Anhänger hat: Die Kreativen und Intelligenten. Aber vielleicht sollte man trotzdem darüber nachdenken, um auf der andere Atlantikseite für ein bisschen miese Stimmung in der Bude zu sorgen.
iasi 02.03.2018
2. Exportüberschüsse ... nun sind sie also nicht mehr problematisch
Nun werden Handelsungleichgewichte plötzlich nicht mehr als stabilitätsgefährdend betrachtet und Trumps Hinweis darauf als naiv abgetan. Dabei hat Trump ja nun einmal recht: Deutschland und China mit Überschüssen auf der einen Seite - die USA und GB mit Defiziten auf der anderen Seite. Wer verliert wohl mehr? Deutschland mit Exporten von 111,5 Milliarden in die USA oder die USA mit Exporten von 61 Milliarden nach D?
jedadiah_hale 02.03.2018
3. McConnel kommt gar nicht aus Tennessee
Mitch McConnel repräsentiert Kentucky, was die Heimat vom Bourbon ist, und nicht Tennessee Whisky. Makers Mark und Jim Beam, nicht Jack Daniels. Man sollte den Fehler in der Geschichte korrigieren. - - - - - - - Vielen Dank, wir haben den Fehler korrigiert. MfG Redaktion Forum
interessierter Laie 02.03.2018
4. lieber Autor
Auch Kriege fangen meist mit harmlosen Wortgefechten und Scharmützeln an. Die EU und China stehen jetzt vor einer schwierigen Wahl. Nichts tun ist keine Option. Zuviel tun setzt eine Spirale in Gang, die schwer aufzuhalten ist. Erst Recht in Zeiten eines US-Präsidenten, der nicht gerade für seine nüchterne Zurückhaltung bekannt ist. Die Cruise Missile war schon riskant. Man erhöht so den Druck in Trumps Lager. Aber hat dieses Lager wirklichen Einfluss auf ihn? Es könnte ihn ja auch bei diesem Schritt nicht aufhalten. Trump ist ein trotziger, starrsinniger alter Mann der obendrein fürchtet, dass ihn seine Vergangenheit einholt.
Trevor Philips 02.03.2018
5.
Jetzt strotzen Sie noch vor geistreichen Kommentaren und unangebrachter Arroganz Herr Frank. Wenn der Spaß mal richtig los geht werden auch Sie erkennen das die Amerikaner uns richtig weh tun können, wir aber nicht denen. Mal sehen ob Sie immer noch als ein solcher Schlaumeier unterwegs sind wenn die ersten Arbeitsplätze nach diesen und den folgenden Sanktionen verloren gehen. Oder wird dann wie in Ihrer Zunft üblich das Heulen und Zähneklappern groß sein?
Alle Kommentare öffnen
Seite 1

© SPIEGEL ONLINE 2018
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH


TOP
Die Homepage wurde aktualisiert. Jetzt aufrufen.
Hinweis nicht mehr anzeigen.