Unruhe an Finanzmärkten Börse schwächelt, Trump rät zum Aktienkauf

Den US-Börsen droht der schwärzeste Dezember seit 1931, die Angst vor einem Crash wächst. Und was macht US-Präsident Trump? Er teilt gegen die Notenbank Fed aus - und gibt Anlagetipps.

Händler an der New Yorker Börse (Archivbild)
AFP

Händler an der New Yorker Börse (Archivbild)


Tipps fürs Leben vom Ex-Geschäftsmann und derzeitigen Präsidenten der USA, Donald Trump: Der 72-Jährige rät Investoren, die zuletzt gefallenen Kurse zum Aktienerwerb zu nutzen. "Ich denke, es ist eine großartige Gelegenheit zu kaufen. Wirklich eine großartige Gelegenheit zu kaufen", sagte Trump am ersten Weihnachtsfeiertag vor Reportern im Weißen Haus. Er habe "großes Vertrauen" in US-Unternehmen, betonte der Präsident.

An den Finanzmärkten herrscht derzeit Verunsicherung: So droht den US-Börsen der schlechteste Dezember seit 1931 - den Zeiten der damaligen Weltwirtschaftkrise. Der Dow-Jones-Index verlor an Heiligabend weitere knapp drei Prozent, bevor die Wall Street über die Feiertage schloss.

  • Der Dow hat damit seit Anfang Oktober rund 18 Prozent verloren,
  • der breiter gefasste S&P 500 seit Mitte September rund 20 Prozent
  • und die Technologiebörse Nasdaq seit Ende August knapp 25 Prozent.

Am Mittwochnachmittag mitteleuropäischer Zeit öffnen die US-Börsen wieder. Es wird mit einer leichten Erholung gerechnet.

Auch in Tokio hatte der Nikkei-Index am Dienstag fünf Prozent nachgegeben. Am Mittwoch ging es zunächst steil bergauf, dann drehte der Index ins Minus und schloss letztlich 0,9 Prozent fester. "Ein Drittel der Verkäufe wird von Panik ausgelöst, ein weiteres Drittel durch Verlustbegrenzungen und das verbliebene Drittel durch Spekulanten, die versuchen, aus der Marktschwäche Profit zu ziehen", sagte Takashi Hiroki, Chefstratege bei Monex Securities in Tokio.

Der deutsche Markt konnte auf die Entwicklungen zunächst nicht reagieren. Letzter Handelstag beim Dax war wegen der Feiertage der Freitag. Für den Handelsstart am Donnerstag werden aber Abschläge erwartet.

Scharfe Kritik an der Notenbank Fed

Die Nervosität an den Märkten geht unter anderem zurück auf Trumps harte Handelspolitik gegen China. Der US-Präsident wirft der Volksrepublik unfaire Handelspraktiken vor und stört sich an dem großen Defizit im Warenaustausch mit dem Land. China weist die Vorwürfe zurück. Die beiden weltgrößten Volkswirtschaften haben sich in dem Streit mit milliardenschweren Sonderzöllen überzogen. Der Konflikt hat in der Weltwirtschaft bereits nachhaltige Verunsicherung ausgelöst. Eine Lösung ist nicht in Sicht. Und auch mit Japan und der Europäischen Union streitet die Trump-Regierung über Handelsfragen.

Hinzu kommt als belastender Faktor aktuell ein teilweiser Behördenstillstand ("Shutdown") in den USA. Trumps Republikanern war es am Freitag nicht gelungen, im Senat die notwendigen Stimmen von Demokraten für die Freigabe von fünf Milliarden Dollar zusammenzubekommen, die der Präsident für den Bau der Grenzmauer zu Mexiko fordert. Das Geld sollte nach dem Willen Trumps in einem Zwischenetat enthalten sein, der auch die Finanzierung diverser Behörden sichert. Auch hier ist keine schnelle Lösung absehbar.

Für den Präsidenten ist die derzeitige Lage mehr als misslich. Trump sieht die steigenden Aktienkurse im ersten Jahr seiner Amtszeit als sein Verdienst an und reagiert mit zunehmendem Zorn auf die derzeit schwachen Märkte. Im Zentrum seiner Kritik steht die Notenbank, da die Federal Reserve (Fed) die Zinssätze unter Hinweis auf die Wirtschaftsdaten langsam, aber stetig erhöhte.

"Sie erhöhen die Zinsen zu schnell, das ist meine Meinung", sagte Trump nun. Der Termin im Oval Office war eigentlich dazu gedacht, US-Soldaten anzurufen, um ihnen schöne Feiertage zu wünschen. Weitere schrittweise Zinserhöhungen sind nach Angaben der Fed von vergangener Woche wahrscheinlich. Allerdings erwartet die US-Notenbank nur zwei Zinserhöhungen im kommenden Jahr anstatt drei, wie noch im September angedeutet. (Eine Analyse zu dem Verhältnis Trumps zur Fed lesen Sie hier.)

Krisenbewältigung von Finanzminister Mnuchin

Am Montag hatte Trump bereits getwittert: "Das einzige Problem, das unsere Wirtschaft hat, ist die Fed." In der vergangenen Woche hatte es in Medienberichten geheißen, Trump habe im privaten Kreis die Möglichkeit einer Entlassung des von ihm selbst berufenen Fed-Chefs Jerome Powell diskutiert. Finanzminister Steven Mnuchin dementierte das aber.

Mnuchin hatte in den vergangenen Tagen versucht, die Märkte zu beruhigen. Am Montag hatte er kurzfristig eine Telefonkonferenz mit einer Krisengruppe aus Vertretern der Aufsichtsbehörden einberufen. Diese trifft sich eigentlich nur in Zeiten schwerer Marktverwerfungen. Nach Angaben von Teilnehmern erklärte die Aufsicht in dem Gespräch, sie habe keine außerordentlichen Vorfälle während des jüngsten Abschwungs beobachtet.

Am Sonntag hatte Mnuchin mit den Chefs der sechs größten US-Banken gesprochen. Diese versicherten ihm den Angaben zufolge, sie verfügten über ausreichend Liquidität für die Kreditvergabe und die Märkte funktionierten weiterhin vorschriftsmäßig .

In Tokio erklärte Notenbank-Chef Haruhiko Kuroda am Mittwoch, die Unsicherheiten hätten sich zuletzt "wegen der Entwicklungen in den Volkswirtschaften in Übersee" verstärkt. Die japanische Wirtschaft und jene in den anderen Ländern seien aber widerstandsfähig genug, um "jedwede Schocks" zu überstehen.

yes/dpa/Reuters

insgesamt 113 Beiträge
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gammoncrack 26.12.2018
1. Ich habe vor 2 Jahren schon einmal kommentiert,
dass der größte Profiteur der Präsidentschaft des Donald Trump er selbst sein wird "Melanie, ich muss nur Präsident werden. Wir werden zu den größten Moneymakern in den USA gehören!" Er weiß sehr genau, welches Getwitter und welche Maßnahmen welchen Einfluss auf den dortigen Aktienmarkt haben werden. Er kann also immer zum richtigen Zeitpunkt kaufen und verkaufen (lassen). Er wird seine Präsidentschaft mit etlichen Millionen im Plus beenden.
bakero 26.12.2018
2.
Trump ist da auf dem Niveau von Erdogan, wenn der seinen Bürgern rät, Lira zu kaufen, bzw. die Dollars und Euros zu verkaufen. Vielleicht sollten sich Politiker lieber um Politik kümmern und keine Anlagetipps geben.
peer.seus 26.12.2018
3. Ist das nicht nur eine notwendige Konsolidierung?!
Ich kann diese Hysterie nicht verstehen: Der schlimmste Dezember sein 1931 - wtf?! Die Börsianer haben sich doch in den letzten Jahren in vollkommen überzogene Vorstellungen hinein phantasiert. Es war höchste Zeit, das zu konsolidieren. Wenn das so geräuschlos geschieht, wie der zeit ist doch alles in Butter: Die Spekulanten müssen von Zeit zu Zeit auch mal richtig auf den Topf gesetzt werden: Wie in der Gartner Technologie-Hype-Kurve kommt nach der Übertreibung immer das Tal der Tränen und da müssen all die, die nur mit Geld Geld verdienen wollen jetzt eben durch. Mein Mitleid hält sich in Grenzen und da ich keine Aktien habe, lege ich auch Wert darauf, dass mich dieser Schmutz nicht berührt. Das müssen die unter sich ausmachen!
joomee 26.12.2018
4. Kein so schlechter Rat
Ich bin bei kein Freund von Trump. Aber er hat sicherlich recht damit, dass es bald günstige Einstiegsmöglichkeiten bei Aktien gibt - auch wenn es sicherlich noch mal etwas Berg ab geht. Mit einem längeren Anlagehorizont kann das jetzt eine gute Gelegenheit sein. Ich werde wohl bald nachkaufen.
marialeidenberg 26.12.2018
5. Der große Dealmaker hat gesprochen.
Eigentlich ein Fachmann, denn wer drei Pleiten geschoben hat, der müsste doch wissen, was die Vokabeln Börse, Aktie, Kurse usw. bedeuten. Zudem ist sein Rat auch noch gebuhrenfrei, wenn auch nicht kostenlos für seine Follower.
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