Streit über Strafzölle Trump empfängt deutsche Automanager

Die Chefs von BMW, VW und Daimler sind zu Besuch in Washington. Zunächst hieß es, sie würden nur US-Handelsminister Ross treffen. Doch Trump kündigte kurzfristig an, auch teilzunehmen.

Donald Trump
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US-Präsident Donald Trump hat sich kurzfristig beim Gipfel mit Spitzenvertretern der deutschen Autobranche im Weißen Hause angekündigt. Trumps Sprecherin Sarah Sanders teilte mit, ein "kurzes Treffen" des Präsidenten mit den Vertretern von BMW, Daimler und Volkswagen sei am Dienstag geplant.

Als Gesprächspartner des Präsidenten nannte Sanders die Vorstandschefs von Daimler und Volkswagen, Dieter Zetsche und Herbert Diess, sowie BMW-Finanzvorstand Nicolas Peter.

Die Manager sind vor dem Hintergrund drohender Strafzölle auf Autoimporte zu Gesprächen in der US-Hauptstadt. Die Autobosse dürften versuchen, Trumps Regierung mit Investitionszusagen von höheren Einfuhrschranken abzubringen. Der Besuch in Washington ist jedoch umstritten, da für die Verhandlungen mit den USA eigentlich die EU zuständig ist, nicht die Konzerne.

Bei dem Treffen, das am späten Vormittag (Ortszeit) begann, handelt es sich nicht um eine Gipfelrunde im eigentlichen Sinne, wie laut Angaben der Deutschen Presseagentur aus Unternehmenskreisen zu erfahren war. Die Vertreter der Regierung wollten mit den Managern zunächst im Eisenhower Building neben dem Weißen Haus jeweils einstündige Einzelgespräche führen.

Danach wollte Trump die deutschen Gäste kurz im Weißen Haus empfangen. Der US-Präsident machte vor dem Treffen aber noch einmal bei Twitter klar, was er von freier Marktwirtschaft hält: "Ich bin ein Mann der Zölle." Dieser Weg werde immer der beste sein, um die wirtschaftliche Macht Amerikas zu maximieren, so Trump weiter. Auch wenn er sich dabei vor allem auf die Verhandlungen im Handelsstreit mit China bezog, ist Trumps Twitter-Bekenntnis zu Zöllen nicht gerade ein Mutmacher für die Autobosse.

US-Handelsminister Wilbur Ross forderte die deutschen Autobauer im Finanzsender CNBC bereits zu mehr Produktion in den USA auf. Ziel sei es, das US-Handelsdefizit mit Deutschland bei Autos und Autoteilen zu senken, sagte Ross. Das gehe "hoffentlich mit erhöhter Produktion in den Vereinigten Staaten" einher. Wichtig sei es zudem, einen großen Teil der künftigen Elektroautoproduktion in die Staaten zu bekommen, so der Minister weiter.

Nach Informationen der dpa hat die US-Regierung eingeladen, um über die Handelssituation zu diskutieren. Konkret verhandelt wird demnach nichts, die Automanager wollen aber die Bedeutung der deutschen Konzerne für die US-Industrie unterstreichen.

kry/dpa/AFP

insgesamt 6 Beiträge
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Frank Klipp 04.12.2018
1. Sooo
Jetzt ist ja die Katze aus dem Sack. Vermutlich versuchen die Manager einen Spagat, um weder den Markt in USA verlieren, noch den Rückhalt der eigenen Regierung. Nur: Wenn‘s blöd läuft, klappt beides nicht. Selbst Herr Scheuer könnte aus dem Taktieren eigene Schlüsse ziehen...
zorngibel 04.12.2018
2.
Hat Trump die Autohändler eigentlich „eingeladen“ oder war das eine Vorladung? By the way: wunderbar der Auftritt des Terminators auf dem Klimagipfel, wo Arnie den amerikanischen „leader“ (den Begriff „President“ brachte er nicht über die Lippen) als „meschugge“ bezeichnete.
j.vantast 04.12.2018
3. Nun ja
Natürlich macht es Sinn deutsche Autos für den amerikanischen Markt auch in den USA zu produzieren und sie nicht von Deutschland aus einmal um die Welt zu schippern. Dennoch finde ich es bemerkenswert das jetzt Verhandlungen zwischen den deutschen Konzernen und Trump stattfinden anstatt zwischen der EU und den in den USA dafür zuständigen Institutionen. Ich denke mal in Deutschland haben die Konzerne zu viel Macht und in den USA, nun ja, hat ein einzelner Mann entschieden zu viel Macht.
Fantastic 04.12.2018
4.
"Ich bin ein Mann der Zölle." Dieser Weg werde immer der beste sein, um die wirtschaftliche Macht Amerikas zu maximieren, so Trump weiter. Bei dieser Sichtweise vergisst der POTUS, daß auch andere Länder Zölle verhängen werden. Zu Ende gedacht, bedeutet diese Sichtweise nicht nur Zölle, sondern einen jeglichen Import/Exportstopp, auch für dringend benötigte Rohstoffe. Insofern also ein völlig autarkes Land. Mag sogar sein, daß die USA dafür groß genug wäre( 350 Mio Bürger). Aber der Rest der Welt (7 Mrd Bevölkerung) mit freiem Handel und freiem Transfer von Wissen und Dienstleistungen wird innerhalb kurzer Zeit die USA abhängen und als Wurmfortsatz betrachten.Überflüssig und bestenfalls zu ignorieren.
barabas 04.12.2018
5. Was kauft der Amerikaner?
Was meint ihr, wird ein Amerikaner eher kaufen: Ein MercedesBenz 'made in USA' für 50.000 USdollar oder denselben MercedesBenz 'made in Germany' für 60.000 USdollar ?
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