US-Autohersteller Die Zölle nahen, die Angst steigt

Präsident Trump könnte mit Importzöllen auf deutsche Autos ernst machen. Das schütze die US-Wirtschaft, sagt er. Doch amerikanische Hersteller sehen das anders: Sie fürchten einbrechende Absätze und drastischen Jobabbau.

Autos von VW vor dem Transport
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Autos von VW vor dem Transport

Von , Washington


Die Vereinigten Staaten machen es ihren Bürgern leicht, beim Autokauf patriotisch zu sein. An fast allen der blankgewienerten Wagen, die auf den Parkplätzen der Händler am Stadtrand auf Käufer warten, klebt ein Schild. Darauf ist vermerkt, zu wie viel Prozent das Auto aus nordamerikanischen Komponenten besteht - und wie groß der Anteil heimischer Arbeiter gerechnet in Mann/Stunden bei der Montage war. Diese Vorschrift hat der Kongress schon 1994 mit dem American Automobile Labeling Act beschlossen. Wer gegen die Kennzeichnungspflicht verstößt, riskiert ein Bußgeld.

US-Präsident Donald Trump könnte also zufrieden sein. Die amerikanischen Verbraucher haben es dank der Transparenz selbst in der Hand, das Handelsbilanzdefizit ihrer Volkswirtschaft zu korrigieren und mehr Ware aus der Heimat zu kaufen. Das funktioniert in Teilen: Tatsächlich ist das meistverkaufte Fahrzeug ein sehr amerikanisches Modell: der monströse Pick-up der Ford F-Serie, gefertigt zu 70 Prozent in den USA. Bei den Pkw teilen sich japanische Firmen die ersten sechs Plätze. Bemerkenswert: Spitzenreiter Toyota Camry kommt sogar auf 75 Prozent US-Fertigung.

Die Automobilbranche ist so globalisiert wie kaum eine andere: Die Konzerne fertigen, beziehen und verkaufen kreuz und quer durch die Welt. Trump aber ist entschlossen, die Zeit zurückzudrehen. Im Sender Fox hat er jetzt nachgelegt und klargemacht, dass er weiß, wie gefährlich die von ihm angedrohten Strafzölle von 20 Prozent auf Autos und Autoteile für die Konjunktur sind: "Die Autos sind das große Ding."

Bündnispartner Europa steht für den US-Präsidenten mittlerweile auf einer Stufe mit dem geopolitischen Kontrahenten China. Genauso schlimm sei die EU, "nur kleiner". Und der Erzfeind des Milliardärs, der Luxuskarren liebt, heißt: Mercedes.

Die Auseinandersetzung mit China ist in vollem Gang

Noch behauptet der US-Präsident, die Handelspartner Europa, Kanada, Mexiko, China und den Rest der Welt zu Zugeständnissen zwingen zu können. "Sie werden ihre Autos in Amerika bauen. Sie werden sie hier machen", trommelt Trump. Doch die Wahrscheinlichkeit schwindet, dass die Auseinandersetzungen auf absehbare Zeit beigelegt werden. Von einer autozollfreien Zone zwischen Deutschland und den USA ist längst nicht mehr die Rede, die Verhandlungen über das Nordamerikanische Freihandelsabkommen Nafta stecken fest, mit China ist die Auseinandersetzung im vollem Gang und schon jenseits von Zöllen angelangt.

Am Dienstag warnte die chinesische Botschaft die Landsleute vor Reisen in die USA. "Die öffentliche Sicherheit in den Vereinigten Staaten ist nicht gut. Es kommt häufig zu Schießereien, Überfällen und Diebstahl." Bleiben die asiatischen Touristen fern, geht das zulasten der amerikanischen Leistungsbilanz. Mehr als 33 Milliarden Dollar haben die etwa drei Millionen Besucher aus China 2016 in den USA ausgegeben.

Trump aber, der sich mit vielen Schmeichlern im Weißen Haus umgeben hat, fühlt sich zunehmend unangreifbar. Viele Beobachter in Washington rechnen damit, dass er noch vor den Kongresswahlen im November die Zölle verschärft, um seine Anhänger zu beeindrucken. Handelsminister Wilbur Ross hat erklärt, dass er die Untersuchung, ob Autoimporte die nationale Sicherheit der USA bedrohen, spätestens im August abschließen wird. Es könnte sogar noch schneller gehen, denn die letzte Anhörung ist für den 19./20. Juli geplant. Das Ergebnis dürfte so ausfallen, wie es der Chef bestellt hat: mit Ja.

"Es gibt kein rein amerikanisches Fahrzeug"

Kein Wunder, dass nun auch die Branche in den USA in leichte Panik gerät. Die Detroiter Big Three (Ford, General Motors, Fiat Chrysler) wollen die Hilfe gar nicht, die ihnen ihr Präsident vermeintlich zukommen lässt. Sie sind so globalisiert wie die Konkurrenten Volkswagen oder BMW. General Motors fürchtet, dass die Zölle, statt Amerika großzumachen, "GM verkleinern" würden. Der Konzern fertigt 30 Prozent seiner aus den USA verkauften Autos in Mexiko und Kanada.

Wenn sich die US-Unternehmen wirklich existenziell bedroht fühlten, dann hätten sie deshalb das Verfahren des Handelsministeriums unterstützt, argumentiert der südkoreanische Hersteller Kia. "Nach unserem Wissen aber hat das kein einziger getan." Selbst die Autogewerkschaft UAW hat sich vorsichtig von den Zöllen distanziert.

Fakt ist, dass die Importabgaben jedes einzelne der 45 Montagewerke in 14 Bundesstaaten der USA treffen würden - selbst Tesla, das als einziges Unternehmen alle seine Fahrzeuge in Kalifornien baut, aber etwa die Hälfte aller verbauten Teile importiert. "Es gibt kein rein amerikanisches Fahrzeug", erklärte die Autoanalystin Michelle Krebs im Sender CNN. Nach Berechnung des American Automotive Policy Council würden die Autozölle die Branche 48 Milliarden Dollar kosten und die Zölle auf Vorprodukte weitere 35 Milliarden Dollar. Ein zu etwa zwei Dritteln in den USA gebautes Auto würde auf einen Schlag etwa 2000 Dollar teurer. Ein Importauto müsste bei 25 Prozent Zoll im Schnitt 5800 Dollar mehr kosten.

VW-Händler in Virginia
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VW-Händler in Virginia

Besonders drastisch wären die Folgen für die Deutschen. Selbst der Hersteller BMW, der vom Werk in Spartanburg in North Carolina aus SUVs in alle Welt liefert, ist netto ein Autoimporteur in den USA. Zudem dürften Trumps Zölle Vergeltungsmaßnahmen anderer Länder auslösen, die dann ein weiteres Mal die in den USA ansässigen deutschen Konzerne bei ihren Exporten treffen. Zwar haben BMW & Co in den USA nur einen Marktanteil von knapp acht Prozent. Von dem Volumen, das EU-Konzerne in den USA fertigen, wird jedoch nach Berechnung der EU-Kommission 60 Prozent in Drittstaaten exportiert.

"Auf breiter Front kreditnegativ für die globale Autoindustrie"

China hat bereits angekündigt, an diesem Freitag die Importzölle für Autos aus den USA auf 40 Prozent hochzusetzen. Für Kunden in Peking oder Shanghai wird der hochwertige BMW X5 oder Mercedes-Benz GLE 450 Coupé damit teurer. Der Daimler-Konzern hat bereits eine Gewinnwarnung für das laufende Jahr herausgegeben.

Verlieren allerdings werden nicht nur die Deutschen, sondern alle. Das Peterson Institute for International Economics hat berechnet, dass ein 25-prozentiger Zoll die Produktion in den USA um 1,5 Prozent verringern und 195.000 Arbeiter den Job kosten würde. Wenn die Handelspartner in entsprechendem Umfang mit Vergeltungsmaßnahmen reagieren, dann klettert das Minus sogar auf vier Prozent bei der Produktion und 624.000 US-Jobs.

Natürlich könnten die Firmen, wie von Trump gewünscht, Standorte nach Amerika verlegen. Aber die Unterbrechung der Lieferkette käme sie auch teuer zu stehen. Die Ratingagentur Moody's fasst es kurz und knapp zusammen: Ein Importzoll "wäre auf breiter Front kreditnegativ für die globale Autoindustrie".

insgesamt 120 Beiträge
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tailspin 04.07.2018
1. Dann freue ich mich schon mal
Ein Auto zum halben Preis. Das waere doch was.
labi 04.07.2018
2. Ich stimme dem Artikel nur zum Teil zu
Die Zöle wirken nur so lange negativ, bis entsprechende Produktionskapazitäten in die USA verlegt wurden. Die Gewinne der Konzerne in den USA würden sicherlich sinken, daher auch Proteste. Langfristig dürfte die Zahl der Arbeitsplätze in der US-Automobilindustrie steigen. Ob die Anzahl der Gesamtarbeitsplätze steigen wird, ist eine andere Frage.
mego 04.07.2018
3. ganz dünnes Eis
Unser, gerade diskutierter Bundeshaushalt beruht auf Annahmen, die mit einer Handelsauseinandersetzung und höheren Gas- und Ölpreisen ganz schnell obsolet werden können. Achtung, ganz dünnes Eis! MEGO
Peter Friedrichs 04.07.2018
4. Deutschland könnte ebenfalls ernst
machen und sich komplett von den USA abwenden. Heute ist es zwar schwer denkbar, aber am Ende könnte derjenige, der andere Länder so drangsaliert wie Trump, ganz allein da stehen.
Trollflüsterer 04.07.2018
5.
Dann wünsche ich Herrn Trump, passend zum Thema, das Ding bitte einmal kolossal vor die Wand zu fahren. Erst wenn seine zweifelhaften Wähler merken, dass Don Mafia nur Gutes für sich, aber niemals fürs einfach Volk tut, werden sogar diese kleineren Geister ihn in die Wüste schicken. Sogar lebend, ohne vorher "Loch buddeln".
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