Milliarden-Subvention Wie der US-Präsident sich ein Jobwunder kauft

Bis zu 13.000 Jobs verspricht Apple-Zulieferer Foxconn im neuen US-Werk. Präsident Trump lobt die Zehn-Milliarden-Investition als eigenen Erfolg - nun enthüllt eine amtliche Analyse: Die Arbeitsplätze sind teuer erkauft.

Foxconn-Boss Gou, Wisconsin-Gouverneur Walker
AP

Foxconn-Boss Gou, Wisconsin-Gouverneur Walker


Vollmundig lobte sich US-Präsident Donald Trump schon im Wahlkampf als "größter Arbeitsplatzbeschaffer aller Zeiten". Seit er im Amt ist, inszeniert er sich bei Investitionen gerne als Jobmotor der USA - dabei kosten die das Land selbst viel Geld.

Jüngst schmückte sich Trump mit dem Plan des taiwanischen Apple-Zulieferers Foxconn. Feierlich kündigte er Ende Juli im Weißen Haus den Bau einer neuen Fabrik des Konzerns an. Für 2020 sei ein US-Werk in Wisconsin für zehn Milliarden Dollar geplant. "Wäre ich nicht gewählt worden, würde er nicht zehn Milliarden Dollar investieren", triumphierte Trump.

Allerdings: Die Fabrik rechnet sich für den US-Steuerzahler frühestens in 25 Jahren, zeigt nun eine Analyse des Legislative Fiscal Bureau. Der überparteiliche Dienst bereitet dem Parlament steuerrechtliche Daten vor.

Die geplante Foxconn-Fabrik für TV-Bildschirme und andere Geräte wird kräftig von den USA gesponsert. Mit drei Milliarden Dollar Steuererleichterungen subventioniert der Bundesstaat das Foxconn-Werk. Diese Investition von Wisconsin werde sich jedoch erst ab 2042 rentieren.

Schon zuvor hatten Kritiker moniert, Trumps hochgelobtes Foxconn-Werk werde die Umwelt schädigen und sei viel zu teuer. Die neue Fabrik soll zum Baustart in diesem Jahr rund 1000 Mitarbeiter haben, deren Zahl bis 2021 auf bis zu 13.000 anwachsen soll.

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Druck auf US-Konzerne: Warum Trumps Stunt-Politik funktioniert - fürs erste

Trumps Erfolgsparolen sind schon oft verhallt: Reihenweise haben Konzerne bereits Jobpläne verkündet, die Trump seiner Politik anrechnete - allerdings waren sie schon vor der Amtszeit des neuen Präsidenten geplant. Manche angeblich von Trump gesicherten Jobs waren wiederum gar nicht gefährdet. So feierte sich der Präsident bereits Ende 2016 dafür, nach Gesprächen mit dem Autokonzern Ford die Produktion des Modells Lincoln in den USA statt in Mexiko abgesichert und so das US-Werk in Kentucky gerettet zu haben. Allerdings stellte die "Washington Post" fest, dass der Autokonzern nie geplant hatte, die Fabrik einzustampfen.

Rendite der US-Subventionen erst 2042

Der republikanische Gouverneur Scott Walker erhofft sich von der Fabrik einen kräftigen Schub. Es sei eine Einmal-im-Leben-Chance, sagte sein Sprecher. Vonseiten der demokratischen Opposition hieß es nun allerdings, angesichts der neuen Daten zu dem Werk müsse die Investition wohl genauer geprüft werden.

Auch in den Reihen der Republikaner kommen nun Zweifel auf. Senatsmitglied Scott Fitzgerald teilte mit, bevor die Subvention für das Werk abgenickt werden könnte, müsste genau dargelegt werden, wann die versprochenen Arbeitsplätze sich tatsächlich materialisieren würden.

kig/Reuters



insgesamt 31 Beiträge
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maxmarius 11.08.2017
1.
Und der glaubt, dass in dieser Fabrik in 25 Jahren noch produziert wird ohne nach neuen Fördermitteln oder Steuersubventionen zu rufen? Wobei natürlich auch die Möglichkeit nicht ausser Acht gelassen werden darf, dass Dank dem größten Jobbeschaffer aller Zeiten (darf man den eigentlich schon Gröfaz nennen?) in 25 Jahren die USA der Tagelöhner der Welt ist. Denn schließlich will ja auch Ivanka irgendwann in den USA produzieren lassen.
specialsymbol 11.08.2017
2. Na und?
Was ist mit den Subventionen in Deutschland - für die Autoindustrie, für die Zulieferer, für die Energieversorger? Da wird überall auch teuer für die Arbeitsplätze bezahlt. Teilweise deutlich über Hartz 4 Satz. Nur damit Leute ihre gewohnten Jobs behalten können, damit sie weiter über faule Hartzer lästern und sich als wichtig für die Gesellschaft ansehen können. Das Gegenteil jedoch ist der Fall. Und? Interessiert keinen. Alle lügen sich stattdessen in die Tasche die Wirtschaft werde zusammenbrechen wenn man den Konzernen keine Steuererleichterungen, keine Grundstücke für symbolische Preise, keine Zuschüsse bei der Ausbildung gibt. Und der Michel zahlt und zahlt. Aber wehe der Herr Trump macht das gleiche, dann wird mit den Fingern gezeigt!
alpha.1 11.08.2017
3. Langfristig
Angemessene Kritik ist gut und Debatten, wo alle Seiten beleuchtet werden fördern die Demokratie, allerdings sollte auch in Betracht gezogen werden, dass wenn man immer nur in etwas investiert, was kurzfristig Rendite bringt, die vielleicht größtnützlichen Projekte dann gar nicht erst geplant werden womöglich. Insoweit ist der Ruf nach Investitionen, die nur quasi sofort etwas bringen viel zu oft nicht angebracht
Gerdd 11.08.2017
4. Klingt nach ...
Nokia in Bochum ... erst abkassieren und dann von der Fahne gehen. Aber bis das jemand merkt, ist Trump längst nicht mehr im Amt - so oder so.
smokyfields 11.08.2017
5. Relativiert
Naja, liebe Leute vom SPON, ich finde diesen Menschen, zumal als Mister P., zwar auch desaströs, aber das ist nun mal gängige Wirtschaftspolitik, vom wem auch immer verzapft, und kommt doch recht häufig vor, um nicht zu sagen, ist göngige Praxis. Die MannInnen um Sparfuchs Schäuble machen es mit ihrem legeren Umgang mit Cum- Ex und Cum- Cum doch gerade wieder einmal vor: So manch richtig dicke Fische lassen sich doch nur noch zu Investitionen locken, wenn sie erst Fördermittel (also Steuermittel) bekommen und dann noch Steuern sparen können und spielen dabei die Staaten (trotz EU) gegeneinander aus.
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