Trumps Nato-Schelte Europa alarmiert - Airbus hofft auf höhere Rüstungsausgaben

Weil Donald Trump die Bündnistreue der USA in Frage stellt, rechnet der Luftfahrtkonzern Airbus mit mehr Rüstungsausgaben der verunsicherten Europäer - und wirbt für ein neues Kampfflugzeug.

Airbus-Produkt Eurofighter (Archivbild)
DPA

Airbus-Produkt Eurofighter (Archivbild)


Die scharfe Kritik Donald Trumps an der Nato hat viele europäische Mitglieder des Bündnisses erschreckt. Gilt unter dem kommenden US-Präsidenten noch die Bündnistreue?

Der europäische Luftfahrtkonzern Airbus kann dem Streit über die Zukunft der Nato auch etwas Gutes abgewinnen: Das Management rechnet mit steigenden Rüstungsausgaben der Europäer. "Meine Vermutung ist, dass wir bereits 2018 in den Budgets erste Veränderungen sehen werden. Die Diskussionen zeigen, dass die Bereitschaft in unseren Heimatnationen zunimmt", sagte Airbus-Rüstungschef Dirk Hoke der Nachrichtenagentur Reuters.

Der künftige US-Präsident Donald Trump hatte das transatlantische Verteidigungsbündnis als "obsolet" bezeichnet und durchblicken lassen, die USA könnten die Europäer in der Verteidigungspolitik stärker sich selbst überlassen.

Hoffnung auf europäische Gemeinschaftsprojekte

"Wir gehen davon aus, dass die europäischen Länder die Zukunft der Nato intensiv diskutieren. Diese Diskussion war lange überfällig, wenn man sieht, dass in Europa nur noch fünf Länder das gemeinsame Ziel von zwei Prozent des Bruttoinlandsprodukts für Verteidigung ausgeben", sagte der Airbus-Manager.

Bereits im vergangenen Jahr habe Airbus Defense & Space (D&S), das Militärflugzeuge wie den Eurofighter und den A400M anbietet, besser abgeschnitten als befürchtet. "Das vergangene Jahr war ein gutes Jahr für D&S. Wir glauben, dass wir in allen Geschäften gleichmäßig verteilt wachsen können." Das Rüstungsgeschäft trägt noch ein Fünftel zum Airbus-Konzernumsatz von mehr als 64 Milliarden Euro bei, der vor allem aus dem Geschäft mit Verkehrsfliegern kommt.

Beim Kauf neuer Rüstungsgüter drängt Airbus seit Langem auf eine stärkere Zusammenarbeit der europäischen Länder - insbesondere von Deutschland und Frankreich. Bisher setzten die Nationen allerdings meist auf Alleingänge, wenn es um die Beschaffung von Kriegsgerät für ihre Armeen ging.

Pläne für einen neuen Kampfjet

So werden in Europa drei verschiedene Kampfflugzeuge der aktuellen Generation eingesetzt, darunter der Airbus-Eurofighter, dessen Exportchancen immer mehr schwinden. Auf Dauer sei es nicht sinnvoll, wie bisher mit dem Eurofighter, Rafale und Gripen drei Systeme parallel zu betreiben, sagte Airbus-Mann Hoke. Die Hersteller befänden sich bereits in "sehr konstruktiven Gesprächen".

Airbus hat dabei vor allem das nächste Großprojekt zum Bau eines neuen Universalkampfjets im Blick. "Es ist so, dass der Tornado 2035 ausläuft, in Deutschland und auch etwa in Spanien die F-18 Flotte. Es gibt also intensive Diskussionen, wie das Kampfsystem der nächsten Generation aussieht", sagte Hoke. "Das nächste System wird voraussichtlich bemannt sein und unbemannte Systeme steuern können. Es gibt seit Ende vergangenen Jahres konkrete Anzeichen, dass man das neue Programm ernsthaft diskutiert." Daneben müssten sich Industrie und Politik auf schnellere Entwicklungen und Anschaffungen einstellen, da sich Bedrohungslagen immer schneller änderten.

Die Aufstockung des Berliner Verteidigungsetats sei ein erstes Signal. "In Deutschland will man Milliarden zusätzlich zum Verteidigungsbudget dazunehmen. Da ist ein erster Schritt gemacht, auch wenn man dort vom Ziel der zwei Prozent noch weit entfernt ist", sagte Hoke. Allerdings räumt er ein: "Haushaltsmilliarden hat noch keiner versprochen."

beb/Reuters



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see_baer 17.01.2017
1. Nur Logisch:
Europa ist nicht so klein und hilflos - unsere Politiker sollten einmal ihre Hausaufgaben machen. Die Antwort auf die Verteidigungsfrage kann nur mit einer Europäischen Kooperation gelöst werden. Das Problem der Populisten? Warten wir doch mal ab , wie die Polen in 3 Jahren abstimmen!
auweia 17.01.2017
2. Wurde auch langsam Zeit
Das müsste doch der Traum der US-Kritiker und Putinistas sein: Die Amis ziehen sich aus Europa zurück. Bloß stehen die Europäer dann, nach 25 Jahren verfrühstückter Friedensdividende verteidigungsmäßig im Hemd da. Also sollte zumindest auf nationaler Ebene das 2%-Ziel der Nato erfüllt werden. Da haben wir ja auch schon eine Verwendung für Schäubles Überschußmilliarden. Ich für meinen Teil habe jedenfalls kein Problem damit aus der Not eine Tugend zu machen und in Airbus, Rheinmetall e tutti quanti zu investieren. PS: Ich bin überzeugt, dass sich die die Diskussion über deutsche Atomwaffen nicht mehr lange unter dem Deckel halten lässt.... Einen schönen Tag noch
kuddemuddel 17.01.2017
3. Dollarzeichen in den Augen
Ein Transportflugzeug, das nicht fliegen will, ein Eurofighter, dessen Betriebsstunden unsagbar teuer sind, ein Marine-Hubschrauber, der nicht über Salzwasser fliegen sollte. Die Liste der militärischen Schrottanschaffungen zu horrenden Preisen ist lang. Von daher, sollte Airbus vielleicht erst mal seine aktuellen Projekte zum Laufen bzw. fliegen bringen.
stefan.martens.75 17.01.2017
4. was hat Airbus zuletzt geliefert
Das wie bestellt funktioniert? Höhere Ausgaben für Verteidigung sind notwendig aber bitte mit Firmen die sich an Verträge halten....
brian75 17.01.2017
5. Da freu ich mich
Ein gemeinsames europäisches Kampfflugzeugprojekt. Das wird fein. Wie damals beim Jäger 90 äh. Ich meine natürlich Eurofighter "Typhoon". Der wird dann Angreifer 40 genannt um ihn dann 2050 in Superdupercoolervollkrasser Angreifer um zu benennen. Und bei seiner Indienststellung im Jahr 2060 wird festgestellt: ups da sind ja noch ein paar Ungeschicklichkeiten passiert. Da können wir erst mal keine Bewaffnung dranhängen, weil: zu gefährlich, kriegen wir keine ABE. Und bis dahin sind viele Milliarden ausgegeben worden. Das wird toll. Freu!!!
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