Trumps Mauerpläne "Wenn man schon so etwas baut, dann besser mit Solarpanels"

Donald Trump will seine umstrittene Grenzmauer zu Mexiko mit Solarzellen pflastern. Sollte das wirklich passieren, wäre es zumindest praktikabel, sagt Eicke Weber. Der Experte hofft auf neue Einsichten beim US-Präsidenten.

DPA/Gleanson Partners

Ein Interview von


"Ziemlich einfallsreich, oder?" So lobte sich US-Präsident Donald Trump bei einem Wahlkampfauftritt in Iowa für seinen jüngsten Vorschlag zur Mauer an der Grenze zu Mexiko: Das umstrittene Bauwerk soll nach Trumps Willen mit Solarpaneelen bedeckt werden. Diese würden sich durch die erzeugte Energie selbst finanzieren, sagte Trump, und setzte dann das Eigenlob fort. "Gut? War meine Idee!"

Dieser Behauptung widerspricht der deutsche Solarforscher Eicke Weber ebenso klar wie er Trumps Abschottungsprojekt ablehnt. Rein technisch aber hält Weber die Idee einer Solarmauer durchaus für realistisch. An der US-Südgrenze könne dadurch sogar "das größte Solarfeld der Welt" entstehen.

SPIEGEL ONLINE: Professor Weber, US-Präsident Donald Trump hat vorgeschlagen, seine geplante Mauer an der Grenze zu Mexiko mit Solarmodulen zu bepflastern. Ist das wieder mal bloß Trump-Getöse?

Weber: Ob das ein weiteres Hirngespinst ist, wird sich zeigen. Ich wünsche mir jedenfalls keine Mauer. Aber wenn man schon so etwas baut, dann besser mit Solarpanels als ohne. Und die Bedingungen an diesem Standort wären grundsätzlich gut für ein Fotovoltaikkraftwerk. Es könnte sich wirtschaftlich lohnen.

Zur Person
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    Der Physiker Eicke Weber (67) ist einer der führenden Solarforscher der Welt. Der vielfach ausgezeichnete Forscher lehrte jahrelang an der University of California in Berkeley. Von 2006 bis Ende 2016 leitete er das Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) in Freiburg. Seit Anfang 2017 ist der Unterfranke wieder für Berkeley tätig: als Direktor und Geschäftsführer des internationalen Forschungsverbundes BEARS in Singapur. Zugleich ist Weber Präsident von EUREC, einem Zusammenschluss von 44 europäischen Forschungsinstituten aus dem Gebiet der Erneuerbaren Energien.

SPIEGEL ONLINE: Erklären Sie uns das bitte.

Weber: Die Sonneneinstrahlung in der Region ist hoch. Wissen Sie: Wenn Sie in Deutschland ein Solarmodul aufstellen, erreichen Sie in sehr guten Lagen wie Freiburg vielleicht einen Jahresertrag von 1000 Kilowattstunden je Kilowatt installierter Leistung. An der amerikanisch-mexikanischen Grenze kommen Sie bestimmt auf 1500 bis 2000 Kilowattstunden. Und: Die Mauer würde auf einer Seite nach Süden schauen, zur Sonne hin. Wenn Sie dann berücksichtigen, dass die Module nicht optimal positioniert sind, weil sie senkrecht stehen und dem Lauf der Mauer folgen müssen, sollten Sie immer noch zwischen 1000 und 1500 Kilowattstunden ernten können.

SPIEGEL ONLINE: Trump brüstet sich, er werde damit Geld verdienen…

Weber: Ich schätze, dass man den Strom zu Kosten von drei bis fünf Cent je Kilowattstunde produzieren könnte. Man müsste ja keine zusätzlichen Flächen erschließen. Die Fotovoltaik ist in dieser Region ohne jegliche Subventionen höchst wettbewerbsfähig. Die Anlage könnte sich vielleicht in fünf oder sechs Jahren amortisieren und anschließend noch jahrzehntelang Erträge produzieren. Sicher interessant für Investoren!

SPIEGEL ONLINE: Sehen Sie keine technischen Schwierigkeiten?

Weber: Keine größeren. Die Wartung könnte aufwendiger sein als bei normalen Solarfeldern. Und man müsste längere Leitungen legen. Die Mauer wäre ja nur ein paar Meter hoch, dafür möglicherweise 3000 Kilometer lang. Ich persönlich glaube eher nicht, dass Trump seinen Vorschlag in die Tat umsetzt. Aber rein theoretisch könnte hier das größte Solarfeld der Welt entstehen.

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SPIEGEL ONLINE: Wie kommen Sie darauf?

Weber: Angenommen, man bringt die Module fünf Meter hoch über 3000 Kilometer Länge auf der Mauer auf, so wären das 15 Millionen Quadratmeter Fläche. Pro Quadratmeter kann man heute Module mit 300 bis 400 Watt Spitzenleistung installieren. Insgesamt käme man also auf etwa fünf Gigawatt. Das zurzeit größte Fotovoltaikkraftwerk der Erde hat deutlich weniger als ein Gigawatt Spitzenleistung. Selbst wenn man nur einen Teil der Grenzmauer mit Solarmodulen versehen würde, käme man auf beeindruckende Zahlen.

SPIEGEL ONLINE: Wer soll den Strom der Solarmauer kaufen?

Weber: Soweit ich weiß, ist der Bedarf auf beiden Seite der Grenze hoch: besonders tagsüber, wenn die Klimaanlagen rattern. Und zu so niedrigen Kosten wie die Fotovoltaik können ihn fossile Kraftwerke kaum liefern. Anders als Trump behauptet, kam die Idee nicht von ihm, sondern von einem Geschäftsmann aus Las Vegas. Aber dass Trump sich diese Idee jetzt zu eigen macht, gibt mir etwas Hoffnung.

SPIEGEL ONLINE: Hoffnung?

Weber: Trump verleugnet ja die Tatsache des menschenverursachten Klimawandels. Er schlägt dies nicht vor, um die Umwelt zu schützen. Aber er ist ein Geschäftsmann - und vielleicht beginnt er sich nun für das ökonomische Potenzial der erneuerbaren Energien zu interessieren. Ich bin sicher, dass ihm jemand mit entsprechender Kenntnis durchgerechnet hat, dass sich die Sache mit der Solarmauer lohnt. Wenn Trump einmal versteht, dass Wind und Sonne vielerorts die günstigste Art sind, Strom zu erzeugen, öffnet ihm das vielleicht die Augen. Und das wäre wichtig für unsere Welt.

SPIEGEL ONLINE: Nehmen wir mal an, Trump würde diese eine Idee ausnahmsweise mal wirklich in die Tat umsetzen. Würden Sie Unternehmen raten, bei so einem fragwürdigen Projekt mitzumachen?

Weber: Ja. Die US-Solarindustrie liegt am Boden. Ein solches Projekt könnte ihr einen großen Boost geben. Wie gesagt: Ich lehne diese Mauer entschieden ab. Aber wenn die Entscheidung zum Bau einmal endgültig gefallen ist, sehe ich nicht den geringsten Grund, warum man sie nicht vernünftig nutzt und die Sonnenenergie einfängt. Dann brächte uns diese schreckliche Mauer wenigstens irgendetwas Positives.

insgesamt 45 Beiträge
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Seite 1
tomatosoup 24.06.2017
1. Er werde damit Geld verdienen
Für den Empfang von Provisionszahlungen gibt es genug Familienunternehmen. Wo Milliarden fließen, bleiben Millionen hängen. Das Wunderwerk der Solarmauer war eher nicht Trumps Idee, sondern die Idee des Herstellers. Solche Ideen kommen manchmal beim Golfen.
user124816 24.06.2017
2.
youtube eevblog #1002 hat den unsinn mal kurz nachgerechnet. > Der Physiker Eicke Weber (67) ist einer der führenden > Solarforscher der Welt na dann…
bernhard.geisser 24.06.2017
3. Sniper?
Diebstahl der Panels dürfte für die Mexikaner zwar schwer werden. Aber kann ich es nicht nehmen, mach ich es kaputt, da ich habe schwer den Verdacht es würde nie viel Strom produziert auf der Mauer, weil sich die Mexikaner einen Spass daraus machen mit Sniper-Schüssen aus der Ferne die Solar-Panels zu durchlöchern.
jogola 24.06.2017
4. Was wohl
die Kohlekumpel, die Trump gewählt haben, von dieser Idee halten ? Die Mauer als verdeckte Subvention für die Solarindustrie ? Und zahlen dann wirklich die Mexikaner, vielleicht weil die Sonne aus Süden scheint ?
tailspin 24.06.2017
5. Prima Idee, oder so
Und die Panels sind dann nach Sueden gerichtet, wo die Sonne scheint? Bzw sie sind auf der Suedseite der Mauer montiert, wo sie den wuetenden Mexikanern ausgesetzt sind, die dann ausgesperrt sind? Bitte nicht mit meinem Geld. Es ist ja nicht so, dass die USA nicht anderweitig Platz haetten fuer Solaranlagen. In geschuetzter Lage.
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