Walmart und Co. gegen Trump US-Einzelhandel startet Kampagne gegen Strafzölle

US-Präsident Trump plant Einfuhrsteuern. Die Einzelhändler in den USA organisieren sich - und warnen Familien vor erheblichen Mehrkosten.

AFP


Gegen seine Einreisepolitik protestieren viele US-Konzerne bereits scharf - nun bekommt Donald Trump auch wegen seiner Steuerpläne für Importe Widerstand aus der Wirtschaft zu spüren. Konkret haben sich rund hundert Unternehmen und Verbände aus dem Einzelhandel zu der Initiative "Americans for Affordable Products" (AAP; deutsch: "Amerikaner für erschwingliche Produkte") zusammengeschlossen. Zu dem Bündnis gehören alle großen Konzerne der Branche wie Walmart und Target.

Mit einer Kampagne warnt das Bündnis vor den negativen Folgen einer von Trumps Regierung erwogenen Steuerreform, die einen Aufschlag von 20 Prozent auf aus dem Ausland importierte Waren vorsieht - die Border Adjustment Tax (BAT). Die neue US-Regierung hatte unter anderem davon gesprochen, die Einnahmen könnten teilweise zur Finanzierung der geplanten Mauer zwischen den USA und Mexiko verwendet werden. (Lesen Sie hier eine ausführliche Analyse der US-Wirtschaftspolitik unter Donald Trump im neuen SPIEGEL.)

Die faktisch wie Strafzölle wirkende Einfuhrsteuer werde das Leben hart arbeitender amerikanischer Familien noch teurer machen, argumentieren nun die in der AAP zusammengeschlossenen US-Einzelhändler. Auf der Website der Kampagne ist demnach auch eine Mittelklassefamilie beim Essen zu sehen. Bereits jetzt zähle aber der Einzelhandel zu den am höchsten besteuerten Wirtschaftszweigen in den USA.

Die Preise für Kleidung, Lebensmittel, Medizin, Benzin und andere zur Grundversorgung nötige Waren würden steigen, während Trump anderen Branchen Steuernachlässe verspreche, argumentiert die Initiative. Eine amerikanische Familie müsse mindestens 1700 Dollar im Jahr mehr für diese grundlegenden Produkte bezahlen, wenn die Steuer eingeführt würde.

Daten: SPON/Producing/Projekte/Ressort/Wirtschaft/2017/Grafik USA Import Export - Nico Kwasnieski - Anna
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Daten: SPON/Producing/Projekte/Ressort/Wirtschaft/2017/Grafik USA Import Export - Nico Kwasnieski - Anna

Tatsächlich kommen die meisten Waren, die bei US-Einzelhändlern verkauft werden, aus dem Ausland. Bei Walmart soll allein der Anteil der Produkte aus China Experten zufolge bei 70 bis 90 Prozent liegen. Viele Produkte können zumindest nicht auf die Schnelle durch US-Pendants ersetzt werden, weil sie dort überhaupt nicht mehr produziert werden.

Die Einzelhändler rufen die US-Verbraucher daher explizit zum Widerstand auf. Auf der Website der Kampagne stellen sie Kontaktdaten zu Abgeordneten zur Verfügung, an die sich Verbraucher direkt wenden sollen, um den Druck zu erhöhen.

Auch international ist die BAT-Grenzsteuer hochumstritten. Diese soll auf Importe erhoben werden, wenn die USA ein Außenhandelsdefizit mit dem Ursprungsland aufweist. Fachleute bewerten die Steuer als Zoll, der nach den Regeln der Welthandelsorganisation WTO unzulässig wäre.

fdi/dpa



insgesamt 66 Beiträge
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Onkel Drops 02.02.2017
1. na das wird lustig
Den Briten fiel auch erst nah deren brexit Wahl auf das Dinge die typisch britisch sind gar nicht mehr dort produziert werden. Bestes Beispiel ist und bleibt Marmite . jeder Brite kennt es ,hasst oder liebt es, aber es wird dort nicht mehr produziert sondern von Unilever Holland geliefert. Da schrien auch gleich welche das man sie so für den brexit strafen wollte als der Preis hochging( das der Preis aber an ihren abgesackten Pfund lag und Unilever nur genau das umgerechnet hat wie immer von Euro zu Pfund war da erstmal nebensächlich)
h.hass 02.02.2017
2.
Wenn Donalds Wähler im Supermarkt ihren Einkauf nicht mehr bezahlen können, dann ist der Trumpel schnell weg vom Fenster. Dann wird er von seiner eigenen Partei einen Kopf kürzer gemacht. Hoffen wir also, das er möglichst schnell seine tollen Zollpläne in die Tat umsetzt.
BBirke 02.02.2017
3. Leicht steigende Preise unvermeidbar gegen Ausbeutungskonkurrenz!
Um das zentrale soziale Problem der meisten westlichen Staaten zu bekämpfen, den Unterbietungswettbewerb bei Löhnen und Sozialstandards, sind leichte Preissteigerungen nicht zu vermeiden. Es gibt dann eben nicht mehr mehrere T-Shirts aus dem Sweatshop in Bangladesch für wenige Dollar oder Euro. Stattdessen muss der Käufer dann eben eine Näherin zu europäischen oder amerikanischen Mindestlöhnen mitbezahlen, idealer Weise deutlich höher. Aber: Dafür haben die Menschen auch wieder Arbeit zu ordentlichen Löhnen und können es sich leisten! Wenn für die Arbeitslosen und Working Poor in den USA der Unterbietungswettbewerb mit der 3. Welt beendet wird, haben sie die angeblichen $1700 schnell wieder an eigenen Einkommenssteigerungen raus! Mit dem Billigramsch aus Hungerlohnländern, wo dann schnell mal mit der Fabrik zusammen die ganze Belegschaft abfackelt, haben sich die Verbraucher in Europa und USA selbst das Wasser abgegraben. Ich favorisiere zwar keine nationalistischen Strafzölle und wahllosen Grenzabriegelungen, aber Ausgleichsabgaben auf Produkte, die zu wesentlich schlechteren Löhnen und Sozialstandards hergestellt werden, sind notwendig, um den Lebensstandard gegen das Absinken auf den kleinsten gemeinsamen Nenner (3. Welt) zu verhindern bzw. rückgängig zu machen!
ackergold 02.02.2017
4.
Bin ja gespannt, wie es aufgenommen wird, wenn auf fast alle Produkte Zölle draufgeschlagen werden und bei Walmart sieht es dann so aus, wie vor 30 Jahren in Leipzigs HO-Feinkost. Frei nach dem Motto "Hammer nich, krieg mer nicht mehr rein". Hach, ich freu mich.
Beat Adler 02.02.2017
5. Trump kann nur mit Einverstaendnis des Kongresses aus der WTO aussteigen.
Trump kann nur mit Einverstaendnis des Kongresses aus der WTO aussteigen. Der Kongress hat die entsprechenden Vertraege der USA mit der WTO (Welthandelsorganisation in Genf) ratifiziert. Vor der Kuendigung dieser Vertraege sind Sprueche ueber Strafzoelle auf Einfuhren nur leere Drohungen. Der Kongress wird darueber disukutieren, wer, wieviel, an und wegen der WTO verdient und feststellen, dass die USA zu den Profiteuren/Siegern gehoert. Ob der Kongress dann immer noch die WTO Vertraege aufkuendigt, ist sehr unsicher. Trump greift kontinuierlich China, Japan und Deutschland an. Die Waehrungen, CNY, YEN, Euro seinen manipuliert, zu tief gestapelt, unfair, "we are the dummies", Originalton Trump von vorgestern. Was Trump nicht begreift, scheinbar, ich kann es nicht wissen, ist, dass die Handelsbilanz immer zusammen mit der Zahlungsbilanz und den jeweiligen Auslandsinvestitionen zu betrachten ist. Die US Firmen haben ausserhalb der USA ueber 5 Billionen (5'000 Milliarden) $ investiert, 5 mal mehr wie die Nr 2 China. Wie will er diese Investitionen sichern, wenn er einen Handelskrieg beginnt? Warum haben diese US Firmen im Ausland und nicht zu Hause investiert? Kennt Trump die Antwort? mfG Beat
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