Waffenruhe im Handelskrieg Trump verkündet Einknicken Chinas via Twitter

China und die USA haben sich auf 90 Tage Atempause im Handelskonflikt geeinigt, ein Kompromiss. Auf Donald Trumps Twitteraccount hört sich das allerdings ganz anders an.


Beim G20-Gipfel saßen sich die Kontrahenten im Handelskrieg gegenüber, Chinas Präsident Xi Jinping und Donald Trump. Nach dem Ende des Treffens wurde bekannt, dass beide Seiten sich darauf geeinigt haben, 90 Tage keine neuen Zölle mehr gegen den anderen zu verhängen. "Tradewar truce", melden US-Medien, eine Feuerpause im Handelskrieg.

Auf Donald Trumps Twitteraccount hören sich die Ergebnisse der Verhandlungen gleichwohl weniger nach Kompromiss an als vielmehr nach einem eindeutigen Erfolg für die US-Seite. China habe "zugestimmt, Zölle für Autos aus den USA zu reduzieren und abzuschaffen. Derzeit liegt der Zollsatz bei 40 Prozent", schreibt Trump bei Twitter.

Tatsächlich hat China die Zollaufschläge für aus den USA importierte Autos zuletzt auf 40 Prozent angehoben. Allerdings erst, nachdem Trump Strafzölle auf chinesische Ausfuhren in die USA eingeführt hat. Für alle anderen Autoimporte hat China seine Einfuhrzölle zuletzt von 25 auf 15 Prozent gesenkt.

China will mehr US-Waren kaufen

Am Samstag hatten Trump und Chinas Präsident Xi Jinping bei einem zweieinhalbstündigen Abendessen eine weitere Eskalation des Handelskriegs abgewendet und eine 90-tägige Atempause vereinbart. Die USA verzichten während dieser Zeit auf Zollerhöhungen, China sagte zu, mehr US-Produkte zu kaufen. Zudem sollen die Verhandlungen zu Streitfragen wie den Schutz geistigen Eigentums oder Technologietransfer fortgesetzt werden.

Die USA versprachen, ihre zusätzlichen Zölle auf chinesische Einfuhren vorerst nicht wie geplant zu erhöhen oder auszuweiten. Im Gegenzug sicherte China zu, seine Importe aus den USA zu erhöhen, um das Handelsungleichgewicht zu verringern. "Es war ein erstaunliches und produktives Treffen mit unbegrenzten Möglichkeiten sowohl für die USA als auch China", sagte US-Präsident Trump. Nebenbei konnte die US-Seite erreichen, dass der Export des synthetischen Opiats Fentanyl mit Ziel USA in China unter harte Strafen gestellt werden soll - in den Vereinigten Staaten kämpft Trump gegen die flächendeckende Ausbreitung des Missbrauchs von verschreibungspflichtigen Medikamenten - inzwischen ein großes gesellschaftliches Problem im Land.

Chinas Staatsmedien bleiben skeptisch

Ob die Annäherung der beiden großen Volkswirtschaften auch ein Signal sein kann, die Handelskonflikte zwischen den USA und Europa beizulegen, blieb zunächst offen. Bundeskanzlerin Angela Merkel sprach in Buenos Aires unter anderem mit Trump über Handelsfragen. In der nächsten Woche soll es in Washington ein Treffen deutscher Automanager mit Verantwortlichen im Weißen Haus geben. Die US-Regierung droht damit, weitere Einfuhrzölle auf europäische Autoimporte zu erheben - dies würde Autoländer wie Deutschland wirtschaftlich ins Mark treffen. Das Handelsministerium hatte einen entsprechenden Bericht ausgearbeitet und Berichten zufolge dem Weißen Haus vorgelegt. Die Zölle, begründet mit nationalen Sicherheitsbedenken, könnten bis zu 25 Prozent betragen.

Chinas Staatsmedien äußerten sich zurückhaltend. Die Vereinbarung könne zwar zu einer freundschaftlichen Beilegung der Differenzen beitragen, hieß es in einem Leitartikel der Staatszeitung "China Daily" vom Montag. Dauerhafte Verbesserungen der Beziehungen hingen aber von der "Ernsthaftigkeit" der USA ab. Die amtliche Nachrichtenagentur rief in einem Leitartikel beide Seiten dazu auf, unmittelbar Schritte einzuleiten, um die Beziehungen zu normalisieren. Allerdings stehe noch ein langer Weg bevor.

beb/Reuters/dpa



insgesamt 84 Beiträge
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Kurt-C. Hose 03.12.2018
1. Oh Wunder
hat der pöse pöse Herr Trump am Ende gekriegt, was er wollte, ohne dabei die Welt in schutt und Asche gelegt zu haben.
neurieder 03.12.2018
2. Oh Gott, Oh Wunder, KurzeHose!
Nix gelesen, nix verstanden, nur dahergeschwätzt. Jeder darf hier, ist ja auch gut so. Aber manchmal ziemlich anstrengend.
hlpatrick 03.12.2018
3. Donalds Traumwelten.....
....weichen von der Realität doch immer und immer wieder in beachtlichem Maße ab. Man müsste als amerikanischer Bürger aka Wähler ja nur Trumps Aussagen bzw. Twittersprüche und die Realität nebeneinander legen und vergleichen, um sich dann ein Urteil zu bilden....wäre eigentlich ganz einfach.....
bullyundsushi 03.12.2018
4. Was hat er denn erreicht?
Zitat von Kurt-C. Hosehat der pöse pöse Herr Trump am Ende gekriegt, was er wollte, ohne dabei die Welt in schutt und Asche gelegt zu haben.
Was hat er denn erreicht? Dass beide Weltwirtschaften im Moment bluten und jetzt alles tun, um wieder auf die Situation vor seinem Eingreifen zurück zu kommen. Das hat er erreicht und sonst nichts. Und seinen grenzdebilen Anhängern kann er sowas als Erfolg verkaufen.
hlpatrick 03.12.2018
5. ?
Zitat von Kurt-C. Hosehat der pöse pöse Herr Trump am Ende gekriegt, was er wollte, ohne dabei die Welt in schutt und Asche gelegt zu haben.
...nun, wenn man die offiziellen Ergebnisse des Treffens liest, HÄTTE Herr Trump gerne etwas gekriegt, verwechselt diese seine Wünsche aber beharrlich mit der Realität.
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