Handelsstreit mit EU Trump findet Nullzölle nicht mehr "gut genug"

Alle Autozölle abschaffen - dieses Angebot an die EU kam zuerst von den USA. Jetzt weist Präsident Trump den Deal zurück. Offenbar glaubt er nicht mehr, dass US-Hersteller damit in Europa mehr verkaufen würden.

Trump bei einem Auftritt in Indiana
AFP

Trump bei einem Auftritt in Indiana


Donald Trump will ein Angebot der EU zur Abschaffung aller Autozölle nicht annehmen. Der Vorschlag sei "nicht gut genug", sagte der US-Präsident in einem Interview mit der Nachrichtenagentur Bloomberg. Wenige Stunden zuvor hatte EU-Handelskommissarin Cecilia Malmström gesagt, man sei bereit, "unsere Autozölle auf null zu reduzieren, wenn die USA dasselbe tun". Ob die USA sich darauf einließen, müsse man allerdings abwarten.

Die Idee sogenannter Nullzölle auf Autos hatte vor knapp zwei Monaten zunächst die US-Regierung über ihren Botschafter in Berlin ins Spiel gebracht. Schon damals zweifelten Experten daran, dass dies zu einem erhöhten Verkauf von US-Modellen in Europa führt, wie Trump ihn sich seit Langem wünscht.

Offenbar ist nun auch Trump zum Schluss gekommen, dass andere Faktoren bei der Kaufentscheidung entscheidender sein könnten. Europäische Konsumenten seien es gewohnt, Autos von europäischen Herstellern zu kaufen, nicht von US-Anbietern, sagte Trump.

"EU ist fast so schlimm wie China, nur kleiner"

Der Präsident verglich die EU in dem Interview mit China, mit dem er ebenfalls einen Handelsstreit ausficht. Dieser könnte Kreisen zufolge in der kommenden Woche eine neue Eskalationsstufe erreichen. "Die Europäische Union ist fast so schlimm wie China, nur kleiner", sagte der US-Präsident.

EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und US-Präsident Donald Trump hatten Mitte Juli in Washington vereinbart, auf die Abschaffung aller Zölle auf Industriegüter hinzuarbeiten, allerdings mit Ausnahme von Autos. Diese Ausnahme kam nach EU-Angaben auf Wunsch der USA zustande. Die EU hätte indes nichts dagegen gehabt, Autos in die Verhandlungen einzubeziehen, heißt es in Brüssel.

Teil der Washingtoner Absprachen war, dass während der Gespräche keine neuen Zölle verhängt werden. Sollte Trump dennoch Strafzölle auf Autoimporte erheben, "würden wir diese Gespräche sofort unterbrechen", hatte Handelskommissarin Malmström bei in einer Anhörung im Europaparlament gesagt.

Juncker zeigte sich am Freitagmorgen im ZDF irritiert darüber, dass Trump nun wieder das Thema Autozölle bemühe. "Wir haben uns, Trump und ich, auf eine Art Waffenstillstand geeinigt", sagte der Kommissionspräsident. Solche Waffenstillstände seien zwar manchmal in Gefahr, würden aber meist eingehalten.

Auf die Frage, was geschehe, wenn Trump doch neue Zölle auf Autoimporte aus der EU erheben sollten, sagte Juncker: "Dann passiert, dass wir das auch tun." Die EU lasse sich in ihre Handelspolitik "von niemandem sonst hereinreden".

Trumps Drohung mit Strafzöllen auf europäische Autos hatte den Handelsstreit mit der EU im Frühsommer eskalieren lassen. Juncker gelang es mit dem Krisengespräch in Washington, den Konflikt zu entschärfen. Dabei hatte Juncker in Aussicht gestellt, dass die EU größere Mengen Soja sowie Flüssiggas aus den USA importiert.

Malmström wies im Handelsausschuss kritische Anmerkungen von Abgeordneten an den Abmachungen zurück. "Wir haben keine Zugeständnisse gemacht", versicherte sie.

Tatsächlich werde bereits mehr Soja aus den USA nach Europa eingeführt, weil der bisherige EU-Lieferant Brasilien wegen des US-Streits mit China mehr in die Volksrepublik liefere. Ob Flüssiggas importiert werde, liege im Ermessen des Markts, doch hätten einige EU-Staaten Interesse daran, sagte die Kommissarin.

dab/dpa-AFX

insgesamt 116 Beiträge
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aggro_aggro 31.08.2018
1. Minuszölle
Erwartet Trump negative Zölle, vielleicht Direktzahlungen an amerikanische Autobauer, damit sie uns endlich ermöglichen ihre Autos zu kaufen? Oder Direktzahlungen an den Trump-Clan, damit er was Liebes twittert? Wieder hat sich ein Deal-Angebot als Bluff erwiesen, aus überheblicher Verhandlungsstrategie oder aus Ahnungslosigkeit. Ich glaube eher an Ahnungslosigkeit, Trump macht seine Vorschläge spontan und wird dann von Leuten zurückgepfiffen, die das auch durchrechnen.
unpolit 31.08.2018
2. Ein dazu passender Artikel,
den man sich allerdings ganz durchlesen sollte, findet sich unter https://www.wiwo.de/politik/deutschland/iran-sanktionen-trump-wird-vermutlich-noch-dieses-jahr-luftschlaege-gegen-iran-fuehren-/22963184.html Das Ganze hat System und nutzt jemanden. Und genau deshalb passiert das auch. Und die Masse lässt sich täuschen. Auch bei uns. Wir sollten endlich verstehen, dass nur ein geeintes Europa eine Chance hat, seine Interessen durchzusetzen. Und die Politik auffordern, einen Plan zu entwickeln, wie man das gestalten will und was es dazu braucht. Und dann vernünftig erklären, Ergebnisse erzielen und darüber kritisch berichten. Kleine Nationalstaaten werden ignoriert. Ob das nun unter dem aktuellen Präsidenten ist oder einem späteren, es wird immer so sein.
neue_mitte 31.08.2018
3.
Hat ihn also irgendeiner seiner Berater erreichen können? "Sir, es liegt nicht am Preis. Wir müssten schon ordentlich was dazugeben, dass unsere Karren jemand freiwillig kauft. Sir, die Kundschaft in Europa ist anspruchsvoller, als unsere Rednecks und Hillbillies." Damit sind auch seiner 'Follower' hier im Forum betroffen, die mantraartig bekundeten, dass der große Meister nur erreichen will, dass beide Parteien ihre Zölle fallen lassen.
damalswarallesbesser 31.08.2018
4. Wow, ein Geistesblitz.
Da hat Tweety doch tatsächlich mal Recht. Die Abschaffung der Zölle würde für die amerikanischen Autobauer nichts ändern. Und jetzt die Preisfrage, Mr. President: Warum wollen nur so wenige Leute in Europa amerikanische Autos kaufen, wenn´s nicht an den Zöllen liegt? Vielleicht sind die Autos für die meisten Europäer einfach nur uninteressant, weil zu groß, zu schlecht verarbeitet, zu hoher Spritverbrauch? Vielleicht mal in diese Richtung denken?? Obwohl, nein, das wird nix, vergessen wir´s einfach und ertragen diesen Schwachsinn weiter bis zum bitteren Ende.
foerster.chriss 31.08.2018
5.
Erst legt Trump TTIP auf Eis, dann will er alle Zölle abschaffen, was TTIP beinhaltete. Dann möchte er alle Autozölle abschaffen, die EU stimmt dem Vorschlag zu. Nun will Trump nicht. Verhandlungen mit der Trump-Regierung sind pure Zeitverschwendung und sollten beendet werden.
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