Firmenkäufe in USA Trump will Tech-Investoren aus China draußen halten

Der Konflikt zwischen Washington und Peking erreicht eine neue Ebene: Die US-Regierung plant, den Einstieg chinesischer Investoren in amerikanische Firmen zu beschränken. Die Börse reagiert nervös.

Frauen auf einer Sitzbank in Peking
DPA

Frauen auf einer Sitzbank in Peking


Bislang setzt US-Präsident Donald Trump vor allem darauf, den Import von Waren aus China nach Amerika teurer zu machen. Doch nun gibt es laut "Wall Street Journal" (WSJ) Pläne, auch für Investoren aus China Einschränkungen zu verhängen. Demnach sollen sie keine US-amerikanischen Tech-Firmen mehr kaufen dürfen. Ein Insider bestätigte gegenüber der Agentur Reuters den Bericht.

Derzeit werde an Regeln gearbeitet, welche den Verkauf von bestimmten US-Technologiefirmen untersagen, wenn sich der Käufer zu mehr als einem Viertel in der Hand chinesischer Investoren befindet, sagte ein mit dem Vorgang vertrauter Regierungsmitarbeiter. Die Pläne sollen am kommenden Freitag bekanntgegeben werden. Bis dahin seien noch Änderungen möglich, was etwa die Beteiligungsschwelle angehe, sagte der Insider.

US-Präsident Donald Trump wirft China den Diebstahl von intellektuellem Eigentum vor. Die geplanten Einschränkungen für chinesische Investoren zielen dem Regierungsinsider zufolge insbesondere auf das strategische "Made in China 2025"-Programm ab. Mit diesem Plan will die Volksrepublik etwa die Luftfahrt-, IT-, Schiffsbau-, Pharma-, Robotik- und andere High-Tech-Branchen ausbauen.

An den Börsen kamen die Sorgen vor einer weiteren Verschärfung des Handelskonflikts zwischen den USA und der Volksrepublik negativ an: In Asien gaben die Kurse nach, die US-Futures - Terminkontrakte auf die Kursentwicklung - gerieten unter Druck.

USA wollen auch Export von Tech-Artikeln nach China untersagen

Die USA und China stecken bereits mitten in einem Handelsstreit. Am 6. Juli treten Strafzölle auf chinesische Waren im Volumen von 34 Milliarden Dollar in Kraft. US-Präsident Trump wirft China vor, nicht konsequent genug gegen den Handelsbilanzüberschuss gegenüber den USA vorzugehen. In dem Streit zwischen Washington und Peking geht es zudem um die Sorge, dass wertvolles technologisches Know-how abgegriffen wird.

Denn neben dem Übernahmeverbot für chinesische Investoren plant die US-Regierung laut "WSJ" auch, den Export von bestimmten Technologieartikeln nach China zu untersagen. Das Handelsministerium und der Nationale Sicherheitsrat schlugen demnach bessere Kontrollen vor, um die Lieferung dieser Produkte an die Volksrepublik zu verhindern. Sprecher des Finanzministeriums, Handelsministeriums und Präsidialamts antworteten zunächst nicht auf eine Bitte um Stellungnahme.

Um die Beschränkungen durchzusetzen, wolle das Finanzministerium ein Gesetz aus dem Jahr 1977 aktivieren, sagte der Insider. Dieses Gesetz verleiht dem Präsidenten aus Gründen der Nationalen Sicherheit weitreichende Befugnisse, auf die Wirtschaft Einfluss zu nehmen. So wurde es nach den Anschlägen auf das World Trade Center am 11. September 2001 in Kraft gesetzt, um Terrornetzwerke von ihrer Finanzierung abzuschneiden.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg berichtete, US-Finanzminister Steven Mnuchin arbeite bereits seit Dezember an den Beschränkungen für Investitionen chinesischer Konzerne und dem Patentexport. Er persönlich hätte wohl einen nicht so aggressiven Kurs gewählt, hieß es. Er sei aber von anderen Kabinettsmitgliedern und Präsident Trump überstimmt worden.

China und EU auf dem Weg zu Wirtschaftsabkommen

Während Washington im Handelsstreit mit China auf Konfrontation setzt, nähern sich die Volksrepublik und die EU in Handelsfragen an. Der chinesische Vize-Premier Liu He teilte mit, Peking und die EU wollten Gespräche über ein bilaterales Investitionsabkommen abschließen. China setzt darauf, dass die EU Beschränkungen für Exporte aus der Volksrepublik lockert. Der Vizepräsident der EU-Kommission, Jyrki Katainen, wiederum forderte bei den Gesprächen in Peking, China solle europäischen Firmen einen leichteren Zugang auf seinen Markt gewähren.

mmq/Reuters

insgesamt 39 Beiträge
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jozu2 25.06.2018
1. Trotz Trump OK
China breitet sich überall aus und kauft sich in Schlüssel-Unternehmen ein. Ausländer in Chima aber unterliegen Restriktionen und müssen sich einen Polit-Offizier zur Seite stellen lassen. Chinas Rosinenpickerei muss beendet werden. In Moment sehe ich da auch keine bessere Möglichkeit als den von Ttump eingeschlagenen Weg.
juba39 25.06.2018
2. Handelsstreit?
"Die USA und China stecken bereits mitten in einem Handelsstreit." Warum wieder dieses Drumherumgerede. Wir befinden uns in einem ausgemachten Handelskrieg, nicht Handelsstreit. Beim Streit könnte es um 1-2 Produkte gehen. Hier allerdings sind ALL Brachen der diversen Volkswirtschaften erfaßt. Und wenn die EU hier nicht schnellstens Nägel mit Köpfen macht, könnte sie genau so schnell zwischen den Machtzentrum zerrieben werden. Eigentlich ja unverständlich. Der EU-Raum, bei mehr Realitätssinn sogar Eurasien, umfaßt mehr Witschaftsmacht als China oder die USA. Und genau dieser Raum läßt sich ihre Wirtschaftspolitik von außen diktieren? Woher aber dieses Kriechertum von Altmeier und Co? Wer gestern Phoenix geschaut hat, kennt die Antwort. "Friedrich Merz ist ein deutscher Rechtsanwalt, Manager und ehemaliger Politiker. Von 2000 bis 2002 war er Vorsitzender und von 1998 bis 2000 sowie von 2002 bis 2004 stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion." (Wikipedia) Und heute Vorsitzender der Atlantikbrücke. Auch solche Leute wie Klöckner oder Özdemir waren schon "Junior Fellow" von US-Thinktanks und sind heute Mitglieder der AB. In anderen EU-Staaten sieht es doch ähnlich aus. Jetzt alles klar?
urmedanwalt 25.06.2018
3. Dieser alte Mann
Bringt die ganze Welt ins Trudeln. Dass er damit am meisten den Amerikanern selber schadet, rafft er nicht. Sicher ist die chinesische Form von Industriespionage durch Einkaufen ein Problem, aber wird durch diesen Isolationismus keinen einzigen Arbeitsplatz sichern. Aber Verhandeln ist halt das Bohren dicker Bretter, und das ist nicht sein Ding. Er will kurzfristige deals, aber das geht mit den Chinesen nicht.
lathea 25.06.2018
4. Das sollte die EU auch machen,.....
.......da die chinesischen Investoren in der Regel mit der herrschenden Regierungskaste verbinden sind und damit mit einer Diktatorkaste. Das kann für unsere Demokratie eine verheerende Katastrophe werden.
Wolfgang Porcher 25.06.2018
5. nicht nur China auch Europa
stecken da mitten drin. Her Trump vergisst dass Apple seine teuren Geräte von Kindern und Frauen für 15? bis 25? Lohn im Monat in China bauen lässt um für den 800 fachen Preis als Made in USA zu verkaufen..
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