Trotz Dopingskandalen Warum deutsche Konzerne am russischen Sport hängen

Trotz aller Dopingfälle: Das Sponsoring des russischen Spitzensports wollen sich viele Konzerne nur ungern entgehen lassen. An vorderster Stelle dabei stehen Adidas und Volkswagen.

Biathletin in Russland
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Biathletin in Russland

Von Thomas Dudek


Nike, Porsche, Tag Heuer: Das waren die namhaften Sponsoren der Tennisspielerin Marija Scharapowa - die sie nur wenige Stunden nach ihrer Dopingbeichte in der vergangenen Woche verlor.

Die Konzerne hatten sich die Zusammenarbeit einiges kosten lassen. Allein der US-amerikanische Sportartikelhersteller Nike, der die ehemalige Weltranglistenerste 2010 für acht Jahre unter Vertrag nahm, legte dafür Schätzungen zufolge 70 Millionen Dollar auf den Tisch. Doch nun soll Schluss sein. Zu sehr drückt das Thema Doping aufs Image.

Auf den ersten Blick ist die Reaktion nicht überraschend. "Natürlich sind solche Dopingschlagzeilen für Unternehmen, die durch ihr Engagement im Sport bestimmte Ziele verfolgen, kontraproduktiv", erklärt Christopher Rumpf, Sportökonom von der Deutschen Sporthochschule in Köln. Andere prominente Dopingfälle aus der Vergangenheit scheinen dies zu bestätigen. So beendete Nike 2013 jegliche Zusammenarbeit mit seinem einstigen Aushängeschild Lance Armstrong.

Der Fall Armstrong zeigt aber auch, wie schwer sich die sponsernden Unternehmen mit dem Thema Doping tun. Denn Nike löste den Vertrag erst auf, als die Beweise gegen den ehemaligen Radprofi immer erdrückender wurden. Zu gut waren offenbar vorher die Einnahmen, die der Sportartikelhersteller mit den von Armstrong beworbenen Produkten erzielte.

Und auch ein Blick auf den durch die jüngsten Dopingskandale in Verruf geratenen russischen Sport lassen Zweifel an der Haltung des Konzerns aufkommen. Denn obwohl Nike immer wieder betont, dass man Doping nicht dulde, ist das Unternehmen immer noch offizieller Sponsor des russischen Leichtathletikverbands - der ebenfalls bereits reichlich Dopingschlagzeilen produziert hat und vom internationalen Verband IAAF suspendiert wurde.

Und damit ist Nike in Russland kein Einzelfall. Trotz aller Dopingskandale, über Mangel an Sponsoren kann sich der russische Sport nicht beklagen. Neben einheimischen Staatskonzernen wie Gazprom sind auch zwei deutsche Unternehmen im dortigen Sport besonders aktiv: Volkswagen und Adidas.

"Wenn es um unsere PKW geht, beschränkt sich unser Engagement nur noch auf den russischen Fußballverband RFS", erklärt Gerd Voss, Leiter Sportkommunikation. Gleichzeitig sponsert die Nutzfahrzeugsparte aber auch den russischen Biathlonverband. Trotz aller Dopingschlagzeilen, die die russischen Biathleten in den letzten Jahren schrieben.

Der Gewinn hat Vorrang

Noch aktiver ist Adidas. Neben der russischen Fußballnationalmannschaft und Ligamannschaften wie ZSKA Moskau, rüstet der Sportartikelhersteller aus Herzogenaurach nicht nur einzelne russische Sportler wie die Eiskunstläuferin Julia Lipnitskaja aus, sondern auch weitere Sportverbände, darunter auch die russischen Biathleten.

Ihr finanzielles Engagement würde es Adidas und Volkswagen erlauben, Einfluss auf die russische Sportpolitik zu nehmen, glauben Experten. "Natürlich haben Unternehmen solch eine Möglichkeit", sagt Sportökonom Rumpf. "Allein schon durch bestimmte Klauseln in den Verträgen, die heute Standard sind."

Solche Klauseln scheint es zumindest bei Adidas zu geben. "Adidas ist gegen Doping in jeglicher Form. Wir werden auch weiterhin Verträge mit Athleten aufkündigen, denen der Einsatz verbotener Substanzen nachgewiesen wird", heißt es in einer Stellungnahme für SPIEGEL ONLINE. Gleiches gelte für "Verbände, die Doping systematisch unterstützen. Dies ist in allen Verträgen mit unseren Partnern festgeschrieben."

Gleichzeitig verhehlt Adidas jedoch nicht, welch wichtige Rolle Russland für den Konzern spielt. Während Nike in den vergangenen Jahren international immer deutlicher zur Nummer eins unter den Sportartikelherstellern avancierte, bildet Russland hier eine Ausnahme. "Adidas ist klarer Marktführer in Russland und betreibt derzeit knapp tausend eigene Läden", heißt es nicht ohne Stolz in der Stellungnahme.

Damit wird auch das Dilemma deutlich, in dem die Sponsoren stecken. Trotz aller Dopingschlagzeilen und trotz aller Einflussmöglichkeiten, die sie haben. "Man darf nicht vergessen, dass die Unternehmen in erster Linie Verantwortung gegenüber ihren Gesellschaftern und Arbeitnehmern haben", sagt Experte Rumpf. Kurzum: Der Gewinn hat Vorrang.

Dies zeigt auch der Fall Scharapowa. Obwohl Nike den Vertrag mit ihr ausgesetzt hat, sind die Produkte aus der nach der Tennisspielerin benannten Kollektion immer noch erhältlich.



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insgesamt 18 Beiträge
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Seite 1
bushmills 26.03.2016
1. VW und russischer Spitzensport passen doch gut zusammen
Die einen betrügen beim Verbrauch und dem Schadstoffausstoss, die anderen bei der Leistung. Vielleicht könnte VW einen deutlicheren Bezug zum russischen Sp(r)itzensport in einer ihrer Reklamekampagnen herstellen, das Image beider ist ja sowieso irreparabel demoliert.
romeov 26.03.2016
2. Gedopt wird überall
...gefunden wird nur in den Nationen-Teams etwas, die in's politische Feindbild passen. Die Sportler aus dem Westen werden 10 Jahre später überführt, dann kennt sie keiner mehr. Das ist der große moralische Unterschied. Der größte Doping-Skandal stammt übrigens von einem Amerikaner (L. Armstrong), er wurde sogar durch die amerikanische Politik gedeckt, aber das ist längst wieder vergessen.
ein-berliner 26.03.2016
3. Na ja
Zitat von bushmillsDie einen betrügen beim Verbrauch und dem Schadstoffausstoss, die anderen bei der Leistung. Vielleicht könnte VW einen deutlicheren Bezug zum russischen Sp(r)itzensport in einer ihrer Reklamekampagnen herstellen, das Image beider ist ja sowieso irreparabel demoliert.
VW kannn ja noch lernen wie man Leistungsfähigkeit mit legalen Dopingmitteln erhalten kann. Dazu kann ein derartig großer und professioneller Partner nur helfen. Immerhin verkauft Addidas noch keine Waffen, haben die Aktieneigner diese Frage erwa noch gestellt? Geld stinkt doch nicht, eventuell hat man nur eine überaus wichtige Frage noch nicht gelöst: Wo installiert man die drei Streifen?
spon72 26.03.2016
4. Dem Kapitalismus ist es egal...
...mit wem er Geschäfte macht, vor allem deutsche Unternehmen haben dahingehend reichhaltige Erfahrungen. Volkswagen und Adidas haben bereits mit den Nazis gute Geschäfte gemacht, dagegen sind aktuelle Machthaber nur kleine Fische im Teich des Aktienmarktes. Erst gestern kam ja eine Art "Persilschein-Doku" mit vorgeschobenem Film über Adi und Rudi Dassler und ihre Kooperation mit dem Nazi-Regime im hiesigen TV. Kam wie eine Rechtfertigung und gut platzierte Werbung zur besten Sendezeit rüber und war es wohl auch. Andererseits spielt es heutzutage keine Rolle mehr, ob ARD/ZDF einer Fußballliga vom Zuschauer abgepresste Unsummen in den gierigen Schlund werfen oder ob Unternehmen mit angeblichen Autokraten dicke Geschäfte machen. Doping ist in allen Sportarten und Sportverbänden zu Hause und wird es immer bleiben, da Unterschiede zu machen, ist wie Spatzen und Sperlinge zu unterscheiden.
tim.berg78 26.03.2016
5. #1
Danke für Ihren sinnentleerten Kommentar. Sie, als Wahlamerikaner, haben natürlich keinen Respekt vor der erfolgreichsten deutschen Marke aller Zeiten und auch kein Interesse an den Fortbestand von zehntausenden Arbeitsplätzen in Deutschland.
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