Rekord an der New Yorker Börse Dow Jones zum ersten Mal über 20.000 Punkte

Der US-Leitindex Dow Jones ist zum ersten Mal in seiner Geschichte über die Marke von 20.000-Punkten gesprungen. Die Gründe für die derzeitige Party an den Börsen im Überblick.

Börsenhändler in New York
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Börsenhändler in New York

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Der Dow Jones hat das erste Mal in seiner 132-jährigen Geschichte die historische Marke von 20.000 Punkten durchbrochen - damit steht der US-Leitindex, der die wichtigsten Aktiengesellschaften der USA abbildet, so gut da wie nie zuvor.

Hier sehen Sie den Verlauf des Dow Jones seit Anfang 1950:

Doch wie kommt der aktuelle Höhenflug zustande? Die Antworten im Überblick.

1. Trumps Wahlsieg hat einen Börsenboom ausgelöst

Anleger rechnen derzeit fest mit einem Trump-Boom. Seit Trumps Wahlsieg hat der Dow Jones um rund neun Prozent an Wert gewonnen. Denn der künftige US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, ein Konjunkturprogramm auf den Weg zu bringen. Er will großangelegt in Infrastruktur investieren und marode Straßen und Gebäude sanieren lassen. Zudem kündigte er geringere Steuern für Unternehmensgewinne an - eine gute Nachricht für US-Firmen.

2. Banken hoffen auf laschere Regeln

Vor allem die viel gescholtene Bankenbranche könnte von der Machtübernahme Trumps stark profitieren. Denn die Banker hoffen, dass Trumps Regierung die Institute wieder dereguliert. Der künftige designierte US-Finanzminister Steve Mnuchin hat angekündigt, die nach der Finanzkrise 2008 beschlossenen Maßnahmen zu überprüfen und möglicherweise zurückzufahren. Er will das sogenannte "Dodd-Frank-Gesetz", eine der wichtigsten Regulierungen für Banken nach der Finanzkrise, lockern und den Geldinstituten wieder mehr Spekulation auf eigene Rechnung erlauben.

Die Institute könnten dann, so die Hoffnung der Banker, wieder größere Gewinne einfahren. Hinzu kommt, dass Goldman-Vizechef Gary Cohn als Wirtschaftsberater in die Regierung gewechselt ist. Kein Wunder also, dass allein die Aktie der US-Investmentbank Goldman Sachs seit dem Wahlsieg Trumps um fast 35 Prozent nach oben geschossen ist.

Und Goldman hat das höchste Gewicht im Dow Jones - damit zieht die Bank-Aktie das gesamte Barometer nach oben.

3. Kurzfristige Konjunkturdaten überzeugen

Auch die sogenannten Fundamentaldaten - auf die Anleger regelmäßig blicken - stimmen derzeit. Denn die amerikanische Wirtschaft wächst ordentlich, die Arbeitslosigkeit sank im November auf 4,6 Prozent - und damit auf den niedrigsten Stand seit neun Jahren - und auch die US-Industrieproduktion zog im Dezember wieder an.

4. Der Ölpreis steigt

Außerdem treibt der sich stabilisierende Ölpreis die Kurse nach oben. Denn nach der beschlossenen Opec-Förderkürzung ist der Ölpreis Anfang Dezember das erste Mal seit Langem wieder über die Marke von 50 Dollar gestiegen. Und die Erholung setzte sich fort: Inzwischen steht er gar bei rund 55 Dollar. Das könnte die Gewinne der großen US-Energieunternehmen in diesem Jahr deutlich steigern.

Stimmung kann schnell wieder kippen

Trotz dieser positiven Aussichten ist vielen Investoren klar, dass die Stimmung schnell wieder drehen kann. Denn der Trump-Boom kann für die Märkte auch zu einem Bumerang werden. Laut dem deutschen Star-Investor Bert Flossbach würden Anleger derzeit "die dunkle Seite der Trumponomics, den Protektionismus, unterschätzen."

insgesamt 25 Beiträge
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Seite 1
felix_tabris 25.01.2017
1. Bild
Ich finde, das Bild zeigt treffend die Situation: Die komplette Trump-Wende, d.h. die Niederreißung aller Regulationen im Finanz - Wirtschaft - Umwelt-Sektoren läßt natürlich die Börse jubeln und natürlich alle jene Menschen, die davon profitieren. Was scherrt denen den eine neue Finanzblase, wem interessiert die internationalen beziehungen, Kontakte und Freundschaften institutionell seit 70 Jahren; die Umwelt und damit auch die Artenvielfalt und Klima??? Alles scheiß egal - USA first ! Der Rest der Welt und die Menschheit wird in die Tonne getreten; Nachhaltigkeit für die nächste Generation? ist ja sowieso in 300 Jahren ausgestorben. JETZT ist EGO-Party angesagt... Andererseits will die FED noch dieses Jahr die Zinsen in drei Schritten erhöhen. Das wird die Börse schon deutlich ausbremsen ... denn irgendwie muss auch mehr Kapital in die USA reinkommen, wenn man die Ausgaben erhöhen und die Steuern senken will. Letztlich wird man auch sehen müssen, ob Dumps geniale-brilliante-wunderbaren Supertraumpläne aufgehen. Mein Glaskugel sagt: Wir werden spannende Zeiten der Achterbahn erleben.
j.vantast 25.01.2017
2. Also kurz vor dem Knall
Wie Trump das alles finanzieren will spielt ja auch keine Rolle, oder? Und die Deregulierung der Banken zeigt nur, das offenbar niemand etwas dazugelernt hat. Alles in allem deutliche Zeichen dass der heftige Knall kommen wird. Und nach meiner Prognose wird der Knall für die USA deutlich lauter als 2008. Aber alle taumeln im Trump-Fieber blind umher und negieren die langfristigen Folgen. Na dann Prost.
minsk60 25.01.2017
3. glückwunsch
Sehr schön für Millionen amerianischer Rentner mit aktienbasierten Ansparplänen.
10kwh 25.01.2017
4.
Ich mag Trump überhaupt nicht, aber kann seine Strategie nachvollziehen, um ernten zu können, muss man erst einmal investieren. So zumindest seine Idee. Wenn die Amerikaner wieder im Kaufrausch sind, weil die Beschäftigungsrate steigt und ordentlich exportiert werden kann, dann gibt es auch mehr Steuern. Warum nicht? Aber dass er das u.a. auf Kosten der Umwelt macht, finde ich, ist das eigentliche Verbrechen, wofür er bestraft werden sollte, denn das lässt sich nicht rückgängig machen.
spiegelobild 25.01.2017
5.
Zitat von j.vantastWie Trump das alles finanzieren will spielt ja auch keine Rolle, oder? Und die Deregulierung der Banken zeigt nur, das offenbar niemand etwas dazugelernt hat. Alles in allem deutliche Zeichen dass der heftige Knall kommen wird. Und nach meiner Prognose wird der Knall für die USA deutlich lauter als 2008. Aber alle taumeln im Trump-Fieber blind umher und negieren die langfristigen Folgen. Na dann Prost.
Das mag ja so kommen. Aber Sie sollten nicht alle, die ihr eigenes Geld risikieren, als blind umher taumelnd bezeichnen. Wer sein eigenes Geld einsetzt, überlegt es sich schon sehr gut. Riskieren Sie auch für Ihre Meinung Ihr Geld, oder Reden Sie nur einfach so daher?
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