Milliardenschwerer Reimann-Clan Alles auf Koffein

Mit Kaffee, Kosmetik und nun auch Cola mehrt die Familie Reimann ihr Milliardenvermögen. Das Erfolgsrezept des Clans: externe Manager und absolute Diskretion.

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Es ist wieder eines dieser typischen Geschäfte im Namen der Familie Reimann: Für einige Zeit hört man nicht viel von dem milliardenschweren Clan, dann macht er plötzlich wieder mit einer aufsehenerregenden Übernahme von sich reden. Aktuell ist es der Kauf des Brauseherstellers Dr Pepper Snapple. Die Beteiligungsgesellschaft der Reimanns, die JAB Holding, will den Deal durch eine Investition in Höhe von neun Milliarden Dollar finanzieren.

Die Geschäfte sorgen auch deshalb stets für großes Interesse, weil die Familie in Marken investiert, die fast jeder aus dem Alltagsleben kennt: etwa die Kaffeemarken Jacobs und Senseo, die Coffeeshop-Kette Balzac, die Haarpflegemarke Wella oder das Enthärtermittel Calgon.

Im Gegensatz zur Bekanntheit der Marken steht die Öffentlichkeitsscheu der Familie. Fotos oder Interviews gibt es nicht. Über die Geschwister Renate Reimann-Haas (Jahrgang 1951) und Wolfgang Reimann (Jahrgang 1952) sowie deren Halbbrüder Stefan (Jahrgang 1963) und Matthias (Jahrgang 1965) Reimann-Andersen ist praktisch nichts bekannt. Ihre Namen finden sich immerhin auf der Webseite der Benckiser Stiftung Zukunft, die sich unter anderem in der Kinder- und Jugendförderung engagiert.

Die vier Geschwister sollen insgesamt zehn bereits erwachsene Kinder haben. Für die Nachkommen gelten offenbar strenge Regeln: Laut manager magazin müssen sie im Alter von 18 Jahren schriftlich zusichern, dass sie nicht durch einen ausschweifenden Lebensstil auffallen und müssen Verschwiegenheit garantieren.

Video: Reimann-Clan übernimmt Dr Pepper

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Eine Chemiefabrik war der Ursprung des Wohlstands

So viel Zurückhaltung regt allerdings auch die Phantasie der Öffentlichkeit an. Regelmäßig landet der Reimann-Clan in Reichtums-Rankings weit vorne. 2017 kürte das manager magazin die Reimanns zur reichsten Familie in Deutschland und schätzte ihr Vermögen auf 33 Milliarden Euro.

Lange wurden viele Mitglieder der Familie in der Gegend um Mannheim verortet. Aus Steuerspargründen sollen Clanmitglieder aber unter anderem in der Schweiz leben.

TV-Doku: Kampf der Brausen - Pepsi vs. Coca Cola

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Das Besondere an dem Clan ist nicht nur seine Diskretion, sondern auch die Art und Weise, wie das Vermögen inzwischen stetig vermehrt wird.

Der Ursprung des Wohlstands liegt im 19. Jahrhundert. Der Chemiker Ludwig Reimann gründete im Jahr 1851 zusammen mit Johann Adam Benckiser in Ludwigshafen eine Chemiefabrik, in der Wein- und Zitronensäure sowie Phosphate produziert wurden. Die beiden bauten eine Geschäftsbeziehung zur englischen Firma Reckitt & Sons auf, die Wäschestärke zulieferte.

Externe Manager haben große Freiräume

Beide Firmennamen finden sich im Wasch- und Reinigungsmittelkonzern Reckitt Benckiser, und bis heute hält die Familie auch noch Anteile an dem Unternehmen. Herzstück der Reimann-Geschäfte ist die Familienholding JAB, deren Name auf den Vorfahren Johann Adam Benckiser zurückgeht.

Während andere Familienunternehmer wie die Ottos, die Oetkers oder die Tchibo-Erben Herz ihren unternehmerischen Wurzeln treu geblieben sind und aktiv im Tagesgeschäft mitmischen, gehen die Reimanns einen anderen Weg. Die Familie agiert als Investor, hat sich externe Manager geholt und lässt diesen große Freiräume.

Bereits 1981 kam Peter Harf zum damaligen Chemieunternehmen Benckiser und stieß einen grundlegenden Umbau an. In Zusammenarbeit mit Harf wandelten sich die Reimanns von Chemieunternehmern zu Finanziers, die sich mit ihrer JAB-Holding an lukrativen Unternehmen beteiligen.

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Das Verhältnis zwischen dem Manager und dem Clan scheint innig. "Ich bin für sie wie der ältere Bruder", beschrieb es Harf einmal. Während die Familie im Hintergrund bleibt, führen die Manager Harf, Bart Becht und Olivier Goudet die Geschäfte. Sie übernehmen auch die Öffentlichkeitsarbeit - und wollen offenbar so manches Gemunkel über die verschwiegene Sippe und die JAB-Holding in deren Sinne geraderücken.

"Wir kümmern uns langsam mehr um die Medien. Sonst werden wir die vielen falschen Aussagen über uns nicht los, die zum Problem werden", sagte Becht Anfang 2018 dem "Handelsblatt". So sieht er die Rolle der Familie überbetont. "Wenn ich lese: Reimanns kaufen dieses oder jenes - dann ist das falsch. JAB kauft", sagte Becht. Seine beiden Managerkollegen und er seien federführend. "Sie schauen sich das an, aber sie steuern nicht. Sie müssen die Investments nicht freigeben", beschrieb er die Arbeitsteilung mit der Familie.

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Erfolgreiche Geldvermehrer: Die Manager der Reimann-Familienholding

Während andere Clans des deutschen Geldadels über Jahrzehnte in denselben Bereichen investieren, sorgen die familienfremden Manager bei JAB für Abwechslung. Das Stammunternehmen der Reimanns, der Hygienekonzern Reckitt Benckiser, spielt in der Holding inzwischen eine kleinere Rolle. Auch Pläne für eine Luxusmarkengruppe wurden wieder verworfen. Das letzte Überbleibsel davon, das Label Bally, soll verkauft werden.

Stattdessen hat die Familie den Managern für einen anderen kühnen Plan freie Bahn gelassen. Seit 2012 rollt JAB den weltweiten Kaffeemarkt auf und will Nestlé und Starbucks angreifen. Dabei soll auch das Geld anderer schwerreicher Investoren helfen, das über den JAB Consumer Fund eingesammelt wird. Inzwischen verwaltet JAB insgesamt rund 80 Milliarden Euro.

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Neben Koffein will JAB sich mit dem Beautykonzern Coty vor allem auf Kosmetik konzentrieren. 2016 übernahm das Unternehmen von Procter & Gamble die Haarpflegemarke Wella und Dutzende weitere Marken.

Beim Reichtum setzt man auf Understatement

Um die Risikofreude der Manager im Zaum zu halten und sie zu erfolgreichen Geschäften zu motivieren, müssen sie sich an der Familienholding beteiligen. "Wenn es uns gutgeht, geht es ihnen gut", beschrieb Manager Becht die Vorteile für beide Seiten.

Wenn die JAB-Manager ein bisschen aus dem Nähkästchen plaudern, wird der Erfolg der Familienholding in aller Ausführlichkeit beschrieben. Wenn es um den Reichtum der Reimanns geht, setzt Becht - sicher ganz im Sinne der Familie - auf Understatement. Deren Vermögen werde mit 33 Milliarden Euro deutlich überschätzt, ließ er im "Handelsblatt" wissen. "Das Eigenkapital der JAB liegt tatsächlich bei 18 Milliarden Euro."

Vielleicht stehen 2018 wieder die BMW-Erben Susanne Klatten und Stefan Quandt auf Platz eins der Reichstenliste. Die Reimanns könnten damit sicher gut leben.

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insgesamt 28 Beiträge
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Seite 1
bakero 31.01.2018
1.
Ich kenne wahrscheinlich nur ein ekelhafteres Getränk als Dr. Pepper: Red Bull. Allerdings ist mir auch klar, dass viele Millionen einen anderen (sehr, sehr komischen) Geschmack haben ;)
4kalidanze 31.01.2018
2.
Gefühlte 1000 Mal das Wort "Clan" im Artikel. Was soll damit ausgedrückt werden?
Spiegelleserin57 31.01.2018
3. gut gemacht!
wenn diese Firma funktioniert ist alles bestens. Wir dürfen uns auch Firmen freuen die gute Qualität und Wachstum präsentieren. Dass die Familie noch für Ordnung sorgt und Werte innerhalb der Familien sorgt ehrt sie. Wenigstens gibt es so noch Familien die ihre Nachkommen zu ehrenhaften Bürgern erziehen. Auch die Zurückhaltung in der Öffentlichkeit ist durchaus begrüßenswert. Schließlich weiß jeder wie schnell die Medien gnadenlos in den Familiengeschichten graben und jedes interne Detail auf große Lettern auf der Titelseite veröffentlichen und der Shitstorm bricht auch oft ungerechtfertigter Weise los. In der heutigen Zeit ist es fast unmöglich sich öffentlich zu präsentieren ohne Neider zu produzieren die nur Populismus kennen.
rudolf_mendt 31.01.2018
4. Grace Under Pressure
Respekt! Wie es heute möglich ist, dass selbst Qualitätsmedien wie der Spiegel offensichtlich komplett im Trüben fischen müssen, ist schon sehr beeindruckend. Da wird gemutmaßt, gesollt und gekönntet und es ist noch nicht einmal bekannt, wo die überhaupt leben. Mannheim? Schweiz? Man weiß es nicht so genau... Das ist tatsächlich eine ziemliche Leistung für die vielleicht reichste Familie Deutschlands, derart unbekannt zu sein.
KingTut 31.01.2018
5. Aufschlussreich
Diesen "Clans" verdankt unser Land viel. Sie stehen für Firmen und Marken mit Weltgeltung und Millionen gesicherter Arbeitsplätze. Nur so ist unsere Stellung als wirtschaftliche Supermacht zu erklären. Vor diesem Hintergrund ist der Artikel sehr aufschlussreich, auch was das Abverlangen eines makellosen Lebenswandels durch den "Clan"-Nachwuchs betrifft. Das sollte zur Nachahmung anregen. Neid ist hier allemal fehl am Platz.
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