Stärkster Wertverfall seit Juni: Draghi-Aussagen drücken den Euro-Kurs
"Das war eine verbale Intervention": Zentralbankchef Mario Draghi hat den Wert des Euro mit einem skeptischen Kommentar zu jüngsten Kursgewinnen deutlich nach unten gedrückt. Die Gemeinschaftswährung büßte zwei Cent an Wert ein, es war der stärkste Rückgang seit Juni.
Frankfurt am Main - Mario Draghi hat die wochenlange Aufwertung des Euro mit wenigen Worten zunichte gemacht. Der Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) kündigte am Donnerstag an, den Wechselkurs genau zu beobachten. Das setzte der Gemeinschaftswährung kräftig zu. Der Euro
rutschte um bis zu zwei Cent deutlich unter die Marke von 1,34 Dollar. Es war der stärkste Kursrutsch seit Juni.
Der deutsche Leitindex Dax
legte während der EZB-Pressekonferenz zunächst um bis zu 1,1 Prozent zu, schloss dann nahezu unverändert. Draghi betonte zwar, dass die EZB keine Wechselkursziele habe und der jüngste Euro-Anstieg Zeichen des zurückkehrenden Vertrauens in die Euro-Zone sei. "Aber der Kurs ist wichtig für das Wachstum und die Preisstabilität und wir wollen uns sicher anschauen, ob die Aufwertung dauerhaft ist und ob das unsere Risikoeinschätzung verändert, was die Preisstabilität angeht." Das sei "eine sanfte verbale Intervention gegen einen zu starken Euro-Wechselkurs", sagte Christian Schulz von der Berenberg Bank.
Auf einen Vorstoß des französischen Präsidenten François Hollande ging Draghi nicht direkt ein. Hollande hatte zuletzt eine aktivere Wechselkurspolitik gefordert. Eine zu starke Währung belastet vor allem Exporteure, deren Waren im Ausland dadurch teurer werden. Traditionell sind die Franzosen in der Euro-Zone eher für eine schwache und die Deutschen für eine starke Währung. Entsprechend ablehnend fiel die Reaktion der Bundesregierung aus. Auch die EZB ist traditionell gegen eine aktive Wechselkurspolitik.
"Aussagen waren Anlass für Verkäufe"
Marktteilnehmer interpretierten die Aussagen Draghis jedoch als Beleg dafür, dass die EZB bei Bedarf Maßnahmen gegen eine weitere Aufwertung des Euro ergreifen würde, sagte Postbank-Analyst Marco Bargel. Volkswirt Rainer Sartoris von HSBC Trinkaus schränkte aber ein: "Das bedeutet noch lange nicht, dass die EZB in naher Zukunft in irgendeiner Form eingreifen wird. Dennoch nehmen einige Investoren allein die Tatsache, dass man sich die jüngste Aufwertung offenbar genau anschaut, zum Anlass für Verkäufe der Gemeinschaftswährung."
Theoretisch könnte die EZB über den Umweg einer Zinssenkung den Euro abwerten. Draghi trug zu dieser Spekulation mit seiner Aussage bei, dass die Inflationsrisiken derzeit ausgewogen seien, die Teuerungsrate in den kommenden Monaten aber unter zwei Prozent fallen dürfte. Damit läge die Teuerung unter dem Planziel der EZB. Das könnte zu Überlegungen im EZB-Rat führen, den Leitzins unter die aktuellen 0,75 Prozent hinaus weiter zu senken, um ein Abgleiten in eine Deflationsspirale zu verhindern.
cte/Reuters
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