Boeing Probleme mit Rissen in Dreamliner-Tragflächen

Nach Flugzeugbauer Airbus hat nun offenbar auch Boeing Probleme mit den Tragflächen seines Vorzeigefliegers: Mögliche Haarrisse in den Tragflächen zwingen das Unternehmen dazu, die aktuelle Produktion seiner Dreamliner zu untersuchen.

Montage eines Dreamliners (in South Carolina): Jede Maschine wird geprüft
REUTERS

Montage eines Dreamliners (in South Carolina): Jede Maschine wird geprüft


Seattle - Bei Boeings pannengeplagtem Langstreckenflieger 787 Dreamliner hat sich ein neues Problem aufgetan: Bei etwa 40 Maschinen besteht die Gefahr von Haarrissen in den Tragflächen. Betroffen sind nach Firmenangaben lediglich Flugzeuge, die sich noch in der Produktion befinden - keine der 122 bereits ausgelieferten Maschinen. Die Aktie fiel nachbörslich nur leicht.

Nach Angaben eines Boeing-Sprechers hatte der japanische Zulieferer Mitsubishi Heavy Industries den Flugzeugbauer zuvor informiert, dass eine Änderung im Produktionsverfahren zu den Rissen führen kann. Boeing untersucht nun jedes möglicherweise in Mitleidenschaft gezogene Flugzeug und repariert es nötigenfalls. Die Beseitigung des Problems werde pro Maschine ein bis zwei Wochen in Anspruch nehmen, teilte der Sprecher mit. Einen Zeitplan für die gesamten Zusatzarbeiten nannte er nicht.

Konkurrent Airbus hatte 2012 die Flügel seines Vorzeigefliegers A380 nach Haarrissen überarbeiten müssen. Bei den Riesenjets wurden anschließend neue Klammern in die Tragflächen montiert. Erst am Freitag gab das Unternehmen bekannt, bei Überprüfungen eines Testflugzeugs seien Materialermüdungen an den Flügeln festgestellt worden. Als Konsequenz verkürzte Airbus die Prüfintervalle.

Von den neuerlichen Problemen beim Dreamliner hatte zunächst das "Wall Street Journal" berichtet. Das Modell besteht zum großen Teil aus leichten Karbonfasern statt des üblichen Aluminiums, was die Entwicklung und Produktion verkomplizierte und die Erstauslieferung um mehr als drei Jahre verzögerte. Wegen feueranfälliger Batterien musste die gesamte Flotte dann Anfang 2013 für drei Monate am Boden bleiben.

Die Haarrisse können die Auslieferung einzelner Maschinen verzögern. Boeing hält aber nach eigenen Angaben am Ziel fest, in diesem Jahr 110 Dreamliner an Kunden zu übergeben. Das sind doppelt so viele wie im Vorjahr. Der Dreamliner ist trotz aller Probleme bei den Fluggesellschaften beliebt, weil er wenig Sprit verbraucht und weite Strecken fliegen kann. Das Konkurrenzmodell Airbus A350 kommt erst 2015 auf den Markt.

rls/dpa/Reuters/AP

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insgesamt 17 Beiträge
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Plan9FromOuterSpace 08.03.2014
1. gerissene Haare im Dreamliner?
Den Begriff "Haarrisse", der bei diesem und ähnlichen Artikeln immer wieder auftaucht, gibt es in der Werkstoffwissenschaft nach meinem Kenntnisstand nicht. Ich habe auch nochmal in den Inhaltsverzeichnissen von zwei Standardwerken (Bargel, Schulze - Werkstoffkunde und Hornbogen – Werkstoffe) nachgeschaut, dort ist der Begriff "Haarrisse" nicht zu finden. Ein aussagekräftigerer Begriff wie z.B. Ermüdungsriss, Spannungsrisskorrosion oder Sprödbruch wäre wünschenswert, wenn die Quellenlage es hergibt.
JaguarCat 08.03.2014
2. extrem zuverlässig
Klar klingt "Risse in der Tragfläche" erstmal dramatisch. Andererseits sind das in aller Regel Mikrorisse, die die Sicherheit des Flugzeugs nicht beeinträchtigen. Doch wachsen Risse im laufenden Betrieb immer weiter, und mit der Zeit werden aus den Mikrorissen Makrorisse und dann kommt der Punkt, an dem man das betroffene Teil tauschen oder das Flugzeug als Ganzes stilllegen muss. Für die Flugzeugbauer ist solcher vorschneller Verschleiß trotzdem ärgerlich, weil die Flugzeuge ihr garantiertes Mindesthaltbarkeitsdatum nicht erreichen, und die Airlines sie für die zusätzlichen Prüf- und ggfls. Wartungskosten haftbar machen. Die Sicherheit der Passagiere ist aber nicht bedroht, im Gegenteil, die vielen Meldugen über die Detailprobleme zeigen, dass die Hersteller auf einem extrem hohen Sicherheitsniveau angekommen sind und sich wirklich über alles Gedanken machen! Jag
DonCarlos 08.03.2014
3. Preispolitik
Der Dreamliner wurde am Anfang extrem günstig auf den Markt geworfen. Das ist zwar üblich aber bei Boeing hat man die Produktionskosten etwas unterschätzt. Seit dem die 787 zu "regulären" Preisen verkauft wird, verkauft sich auch der A330 wieder sehr gut. Es wurden mehr A330 nach dem Verkaufsstart der 787 verkauft als davor. Der neue A350 wird schon Ende 2014 an Qatar Airlines ausgeliefert. Der A350 ist kein direkter Nachfolger für den A330 sondern liegt von der Größe im Bereich der Boeing 777. Der A330 mit neuen Triebwerken wird der 787 noch viele Jahre Konkurrenz machen.
TICKundTOOF 08.03.2014
4. Gibt mehr Probleme
Nur weil Probleme bekannt sind bedeutet das nicht, dass etwas dagegen gemacht wird. Es ist zudem ein Unterschied ob Probleme nur dem Hersteller oder auch der Öffentlichkeit bekannt sind. So gibt es zahlreiche Flugzeuge bei denen sich die Batterien viel zu schnell entladen. Das Problem wurde aber recht einfach gelöst: Die Tests, mit denen das festgestellt wurde, macht man einfach nicht mehr. Somit gibt es auch keine Fehler mehr in der Steuerung der Batterien.
Jonny_C 08.03.2014
5. Ob Boeing oder Airbus....
Zitat von sysopREUTERSNach Flugzeugbauer Airbus hat nun offenbar auch Boeing Probleme mit den Tragflächen seines Vorzeigefliegers: Mögliche Haarrisse in den Tragflächen zwingen das Unternehmen dazu, die aktuelle Produktion seiner Dreamliner zu untersuchen. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/dreamliner-boeing-untersucht-787-tragflaechen-auf-haarrisse-a-957575.html
...irgendwann ist die Grenze der machbaren Größe im konventionellen Flugzeugbau überschritten. Die auf die Tragflächen einwirkenden Kräfte sind so gigantisch, das auch ausgeklügelte neue Werkstoffe an ihre Grenzen stossen. Die Physik lässt sich nicht überlisten. Während die gute alte 747 der Jumbo-Jet fliegt und fliegt und fliegt, hätte man (vielleicht) nicht noch größer werden sollen, sondern die 747 im Detail weiter verbessern ? Ich bin Laie was die Konstruktion von Flugzeugen betrifft, aber ich habe für EADS schon Software für die Motorensteuerung geschrieben. Die Leistung der Turbinen ist einfach fazinierend gigantisch, die Kräfte die auf die Tragflächen wirken damit aber auch.......
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