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17. Januar 2013, 12:34 Uhr

Dreamliner-Pannen

Polnische Airline fordert Schadensersatz von Boeing

Die polnische LOT ist die einzige Fluggesellschaft in Europa, die den Dreamliner in Betrieb hat - nun kündigt sie wegen der Pannenserie eine Schadensersatzforderung an Boeing an. Der Hersteller selbst gibt sich zuversichtlich: "Wir sind überzeugt, dass die 787 sicher ist."

Warschau - Die polnische Fluggesellschaft LOT zieht erste Konsequenzen aus der Pannenserie beim Dreamliner von Boeing. LOT werde nach einer Kostenanalyse Schadensersatz von dem US-Hersteller fordern, kündigte die Fluggesellschaft am Donnerstag an. "Wir analysieren den Vertrag mit Boeing mit Blick auf unsere Möglichkeiten, Kompensationen zu fordern", sagte LOT-Vize-Chef Tomasz Balcerzak am Donnerstag.

Die Verträge will die Airline nach eigenen Angaben einhalten. Die Auslieferung neuer Maschinen will LOT aber davon abhängig machen, ob die technischen Mängel behoben wurden. Die polnische Fluggesellschaft hat derzeit zwei Dreamliner und soll bis Ende März drei weitere Maschinen erhalten.

Der Dreamliner bleibt nach einer Pannenserie aus Sicherheitsgründen vorerst am Boden. Die US-Luftfahrtbehörde ordnete den Stopp am Mittwoch an. Die zuständigen Institutionen in Europa, Indien und Japan folgten Donnerstag.

Auslöser war die Notlandung eines Dreamliners am Mittwoch in Japan. Im Cockpit war es zu Rauchentwicklung wegen einer angeschmorten Batterie gekommen. Vor einem erneuten Start soll nun die Sicherheit der Batterien sichergestellt werden. Der Präsident des Flugzeugbauers sagte, Boeing arbeite rund um die Uhr mit den zuständigen Behörden zusammen: "Wir sind überzeugt, dass die 787 sicher ist", sagte James McNerney.

Airbus will Spitzenposition zurückerobern

Für Boeing besteht nun die Gefahr, dass das Image unter der Pannenserie leidet. An der Frankfurter Börse büßte die Aktie zeitweise 3,3 Prozent ein. Der europäische Konkurrent Airbus könnte dagegen profitieren. Im vergangenen Jahr hat der Konzern 588 Maschinen ausgeliefert - so viele wie noch nie. Dennoch lagen die Europäer beim Marktanteil erstmals seit neun Jahren hinter Boeing. Der US-Konzern hatte 2012 insgesamt 601 Flugzeuge ausgeliefert.

Das Ziel von Airbus dürfte klar sein: die Spitzenposition von Boeing zurückerobern. Vorstandschef Fabrice Brégier kündigte an, 2013 mehr als 600 Passagierflugzeuge und 28 Militärtransporter ausliefern zu wollen. Der Auftragseingang werde bei mehr als 700 Stück bei Zivilflugzeugen und 30 Militärtransportern liegen.

Dennoch bemühte der Airbus-Chef sich am Donnerstag, keine Schadenfreude zu zeigen. "Ich würde nicht auf die Probleme der Konkurrenz wetten, um den eigenen Erfolg zu sichern", sagte Brégier. Die Entscheidung der Luftfahrtbehörden zeige, dass die Sicherheit in der Luftfahrt an erster Stelle stehe.

cte/Reuters/dpa

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