Dreamliner-Pannen: Polnische Airline fordert Schadensersatz von Boeing

Die polnische LOT ist die einzige Fluggesellschaft in Europa, die den Dreamliner in Betrieb hat - nun kündigt sie wegen der Pannenserie eine Schadensersatzforderung an Boeing an. Der Hersteller selbst gibt sich zuversichtlich: "Wir sind überzeugt, dass die 787 sicher ist."

Warschau - Die polnische Fluggesellschaft LOT zieht erste Konsequenzen aus der Pannenserie beim Dreamliner von Boeing. LOT werde nach einer Kostenanalyse Schadensersatz von dem US-Hersteller fordern, kündigte die Fluggesellschaft am Donnerstag an. "Wir analysieren den Vertrag mit Boeing mit Blick auf unsere Möglichkeiten, Kompensationen zu fordern", sagte LOT-Vize-Chef Tomasz Balcerzak am Donnerstag.

Die Verträge will die Airline nach eigenen Angaben einhalten. Die Auslieferung neuer Maschinen will LOT aber davon abhängig machen, ob die technischen Mängel behoben wurden. Die polnische Fluggesellschaft hat derzeit zwei Dreamliner und soll bis Ende März drei weitere Maschinen erhalten.

Der Dreamliner bleibt nach einer Pannenserie aus Sicherheitsgründen vorerst am Boden. Die US-Luftfahrtbehörde ordnete den Stopp am Mittwoch an. Die zuständigen Institutionen in Europa, Indien und Japan folgten Donnerstag.

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Superflieger: Die Pannen von Boeings Dreamliner
Auslöser war die Notlandung eines Dreamliners am Mittwoch in Japan. Im Cockpit war es zu Rauchentwicklung wegen einer angeschmorten Batterie gekommen. Vor einem erneuten Start soll nun die Sicherheit der Batterien sichergestellt werden. Der Präsident des Flugzeugbauers sagte, Boeing arbeite rund um die Uhr mit den zuständigen Behörden zusammen: "Wir sind überzeugt, dass die 787 sicher ist", sagte James McNerney.

Airbus will Spitzenposition zurückerobern

Für Boeing besteht nun die Gefahr, dass das Image unter der Pannenserie leidet. An der Frankfurter Börse büßte die Aktie zeitweise 3,3 Prozent ein. Der europäische Konkurrent Airbus könnte dagegen profitieren. Im vergangenen Jahr hat der Konzern 588 Maschinen ausgeliefert - so viele wie noch nie. Dennoch lagen die Europäer beim Marktanteil erstmals seit neun Jahren hinter Boeing. Der US-Konzern hatte 2012 insgesamt 601 Flugzeuge ausgeliefert.

Das Ziel von Airbus dürfte klar sein: die Spitzenposition von Boeing zurückerobern. Vorstandschef Fabrice Brégier kündigte an, 2013 mehr als 600 Passagierflugzeuge und 28 Militärtransporter ausliefern zu wollen. Der Auftragseingang werde bei mehr als 700 Stück bei Zivilflugzeugen und 30 Militärtransportern liegen.

Dennoch bemühte der Airbus-Chef sich am Donnerstag, keine Schadenfreude zu zeigen. "Ich würde nicht auf die Probleme der Konkurrenz wetten, um den eigenen Erfolg zu sichern", sagte Brégier. Die Entscheidung der Luftfahrtbehörden zeige, dass die Sicherheit in der Luftfahrt an erster Stelle stehe.

cte/Reuters/dpa

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insgesamt 26 Beiträge
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1.
Konstruktor 17.01.2013
Der Hinweis wäre angebracht, daß Boeing und Airbus ihren Airline-Kunden bestimmte Zuverlässigkeits-Parameter normalerweise vertraglich garantieren, gerade bei einem neuen Modell. Und da sind gewisse Anlaufprobleme teilweise in besonders hohen Rabatten pauschal abgegolten, aber ab einem gewissen Punkt ist es eben auch normal, daß es dann zusätzlichen Regreß gibt. Insofern ist die Forderung von LOT völlig normal bei einem derart schwerwiegenden Fall wie der globalen Stilllegung eines neuen Typs. Das dürften die anderen Kunden genauso handhaben.
2. Der LOT geht es ziemlich schlecht
svenni1064 17.01.2013
Frühkäufer unter den Airlines kriegen hohe Rabatte auf den Listenpreis wegen genau dieser Problemchen. Wenn ausgrechnet die LOT da mehr Druck als andere macht (was soll eigentlich UAL oder ANA sagen...) dann scheint das doch mehr dem eigenen Börsenkurs geschuldet...
3. Aus der Traum, für den Dreamliner !
HaPeGe 17.01.2013
Zitat von KonstruktorDer Hinweis wäre angebracht, daß Boeing und Airbus ihren Airline-Kunden bestimmte Zuverlässigkeits-Parameter normalerweise vertraglich garantieren, gerade bei einem neuen Modell. Und da sind gewisse Anlaufprobleme.....
Ein so schwerwiegender Fall stuft die Maschine als unzuverlässig ein. Es ist ja schön, wenn Boeing der Meinung ist, der Dreamliner sei sicher. Die Realität sieht da anders aus. Die Maschine gehört geerdet, bis diese Schwachstelle behoben ist und die Maschine erneut erprobt worden ist. Eher sollte sich kein Pilot ins Cockpit setzen.
4. optional
zahnluecke 17.01.2013
Ich musste echt lachen als ich den Hauptext sah. Die Flugzeuge sind sicher, sagt die Airline. Ist es nicht das, was die Atomlobby auch immer sagt(e), alle Atomkraftwerke sind sicher?
5.
juleswdd 17.01.2013
Zitat von KonstruktorDer Hinweis wäre angebracht, daß Boeing und Airbus ihren Airline-Kunden bestimmte Zuverlässigkeits-Parameter normalerweise vertraglich garantieren, gerade bei einem neuen Modell. Und da sind gewisse Anlaufprobleme teilweise in besonders hohen Rabatten pauschal abgegolten, aber ab einem gewissen Punkt ist es eben auch normal, daß es dann zusätzlichen Regreß gibt. Insofern ist die Forderung von LOT völlig normal bei einem derart schwerwiegenden Fall wie der globalen Stilllegung eines neuen Typs. Das dürften die anderen Kunden genauso handhaben.
Wissen Sie, was konkret zwischen LOT und BOEING Vereinbart ist, oder spekulieren Sie nur munter los ... ??
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