400-Millionen-Euro-Vermögen Dresdner Finanzfirma soll 25.000 Anleger betrogen haben

Die Staatsanwaltschaft Dresden geht gegen die Finanzfirma Infinus vor. Der Vorwurf lautet auf Betrug von möglicherweise 25.000 Anlegern. Die Beschuldigten weisen das zurück.

Von manager-magazin.de-Redakteur Christoph Rottwilm

Razzia bei der Infinus AG in Dresden (05.11.13): Unrichtige Angaben
Robert Michael

Razzia bei der Infinus AG in Dresden (05.11.13): Unrichtige Angaben


Dresden - Die Bilder gleichen sich: Vornehme Häuser, davor Polizeiwagen sowie Beamte in Uniform, drinnen Durchsuchungen und Festnahmen. So war es im Februar in Frankfurt, als die Behörden im Rahmen einer Großrazzia die Immobiliengruppe S&K hochnahmen, so ähnlich war es kürzlich in Hamburg beim Fondshaus Wölbern Invest, und so sah die Szenerie am Dienstag auch in Dresden aus.

Dort knöpften sich Ermittler erneut ein Unternehmenskonglomerat vor, wie am Mittwoch bekannt wurde. Mehr als 400 Beamte der Staatsanwaltschaft Dresden und des Landeskriminalamts Sachsen durchsuchten am Vortag in Dresden, Stuttgart, in der Nähe von Köln, Frankfurt, Traunstein sowie in Salzburg/Österreich die Geschäftsräume von rund 30 Firmen sowie die Privaträume der insgesamt acht Beschuldigten im Alter von 35 bis 55 Jahren. Sechs Beschuldigte sind deutscher, zwei Beschuldigte österreichischer Nationalität, heißt es in einer Behördenmitteilung. Die deutschen Beschuldigten wurden aufgrund bestehender Haftbefehle festgenommen.

Gegen sie werde als Verantwortliche einer in Dresden ansässigen Firmengruppe, welche sich mit dem Vertrieb von Finanzprodukten befasst, wegen Verdachts des Betrugs zum Nachteil einer Vielzahl von Anlegern ermittelt. Mehreren Berichten zufolge handelt es sich dabei um die Infinus-Gruppe sowie um die Future Business KG, die laut Firmenorganigramm als Mutter von Infinus fungiert.

Den Beschuldigten wirft die Staatsanwaltschaft vor, bei der Ausgabe von Orderschuldverschreibungen in Verkaufsprospekten unrichtige Angaben zur Vermögens- und Ertragslage der Emittenten gemacht zu haben. "Derzeit sollen ca. 25.000 Personen mit einem Anlagevolumen von insgesamt rund 400.000.000 Euro betroffen sein", schreiben die Staatsanwälte in ihrer Mitteilung. Wie die Behörde weiter mitteilt, wurden bei den Durchsuchungen umfangreiche Unterlagen und Speichermedien sichergestellt, die nun ausgewertet werden müssen.

Infinus gibt sich überrascht

Infinus weist die Vorwürfe in einer Mitteilung zurück. Die Mitarbeiter seien "völlig überrascht" gewesen, als an allen Standorten des Finanzdienstleisters Polizei und Staatsanwaltschaft vor der Tür standen. "Wir stehen diesen angeblichen Vorwürfen mehr als ratlos gegenüber", wird Vorstandsmitglied Kewan Kadkhodai zitiert. "Aus unserer Sicht sind die Vorwürfe haltlos und durch nichts zu begründen."

Laut Kadkhodai will das Unternehmen zu einer schnellen Aufklärung beitragen und mit den entsprechenden Stellen zusammenarbeiten. Ziel sei es, "sobald wie möglich wieder unsere normale Geschäftstätigkeit" aufzunehmen, sagt der Infinus-Vorstand.

Eigenen Angaben zufolge hat die Infinus-Gruppe seit ihrer Gründung im Jahr 2002 mehr als 800 Millionen Euro bei Privatinvestoren eingesammelt. Infinus vertreibt offenbar vor allem Orderschuldverschreibungen, Genussrechte und geschlossene Fonds. Ein Großteil der Gelder dürfte in die Future Business KG geflossen sein, die auf ihrer Website ein Anlagevermögen von rund 630 Millionen Euro sowie einen Bestand an Orderschuldverschreibungen und Genussrechten im Volumen von rund 600 Millionen Euro angibt.

Marktbeobachtern zufolge geht es bei den Vorwürfen der Staatsanwälte um eben diese Orderschuldverschreibungen und Genussrechte, die Infinus für Future Business vertreibt. Laut Future Business wird das Geld vor allem in Sachwerte wie Immobilien, Beteiligungen oder Edelmetalle gesteckt.

Zum Vergleich: Bei der Frankfurter S&K-Gruppe, deren Fall seit der Razzia im Februar publik ist, geht es um rund 105 Millionen Euro von Privatanlegern. Im Falle Wölbern Invest wird dem Ende September verhafteten Firmeninhaber und Chef Heinrich Maria Schulte vorgeworfen, insgesamt 137 Millionen Euro aus Immobilienfonds des Hauses zweckentfremdet zu haben, was Schulte allerdings abstreitet.

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insgesamt 8 Beiträge
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muttisbester 06.11.2013
1. gier frisst hirn
eigentlich ist so ein "ponzi scheme" ausgleichende gerechtigkeit. da werden leute abgezockt, die zu leicht geld verdient haben, von leuten, die noch leichter geld verdienen wollen. am ende sind die einen um viel geld ärmer, die anderen im knast. und die breite arme masse kommt durch schadenfreude auf ihre kosten. eine feine sache - im prinzip.
nemensis_01@web.de 06.11.2013
2. Nachdem
die letzte Zinsblase explodiert ist, sucht der gewinngeile Besserverdienende halt nach einer guten Möglichkeit, seine Gier zu maximieren. Da geht man halt dem einen oder anderen Gauner auf den Leim. Die Vernunft hält sich bei solchen Anlegern gerne in Grenzen, insofern sollte die Strafe nicht zu hart ausfallen. Manchen dieser dubiosen Anlageberatern werden ihre Papiere ja förmlich aus der Hand gerissen, wenn die Zinsversprechungen in den Prospekten nur hoch genug ausfallen. Das grenzt meiner Meinung nach in solchen Fällen schon fast an Beihilfe durch den Anleger. Nur kein Mietleid.
jasmundus 06.11.2013
3. nicht immer so schwarz-weiß denken
Immerzu wird fast gebetmühlenartig erzählt, man solle doch bitteschön an seine Altersvorsorge denken. Na wie denn? Rürup- und Riester-Rente? das ist m.E. staatlich organisierte Abzocke. Sparbuch mit 0,3% Zins? Lebensversicherung mit schauderhaften Renditen? Ja was denn nun? Wenn man von seinem Lohn Monat für Monat einige wenige Euros zurücklegt und dann so geleimt wird möchte man doch am liebsten tatsächlich einmal zum "brutalst" möglichen Aufklärer werden, wie es seinerzeit der ehrenwerte Herr Koch sagte. Bloß eben wirklich und nicht zur Massenverdummung. Eine noch viel bessere Geldverschwindemaschine war seinerzeit 2008 die IMPERIA-Invest. Da waren gleich mal eine Milliarde Euro weg, einfach so. Aber doch nicht weg, nur eben wo anders! So ist es eben in unserer schönen Heimat. Danke!! Für solche Gesetze, die jeden Ganoven ermuntern und den Ehrlichen immer nur zum Dummen machen, danke. Wo führt das alles nur noch hin????
wibo2 07.11.2013
4. Schlechte Zeiten für Finanz-Vermittler wegen Folgen der Falschberatung ...
Die Generation unserer deutschen Erben darf durchschnittlich auf eine halbe Million je Erbfall hoffen. Das Elternhaus wird verkauft, der Nachlaß geteilt und beispielsweise in Investmentfonds oder Immobilien investiert. Die Erbengeneration ist interessierter an risikoreicheren Anlagen als es ihre Altvorderen waren. Die Investment Firmen wollen dabei sein, wenn das ererbte Vermögen zum Teil neu angelegt sein will. Das Finanzamt will derweil alternativlos und emsig die stets erhöhten Steuern eintreiben, weil der Staat systemrelevant immer gieriger wird. Der noch vermögende Mittelstand wird ordentlich gemolken. Immer größere Beträge werden über Berater und Vermittler vermeintlich lukrativ investiert. Sollte sich aber später eine Falschberatung herausstellen, erteilt die Rechtsschutzversicherung des Investors kurzerhand eine Deckungszusage und der Finanzdienstleister wird alsbald verklagt. Es sei denn, der Vermittler wäre dann schon untergetaucht, unbekannt verzogen oder durch ein Urteil bis auf das Unterhemd nackt ausgezogen worden. Vielen Vermittlern droht jetzt wegen der strengen strengen Beraterhaftung Konkurs, Offenbarungseid und damit das Ende ihrer Berufstätigkeit im Finanzbereich. Diese vielen Meldungen von Investment Häusern, die u.a. wegen Geldunterschlagung pleite gehen, sind alarmierend. Das ist alles nicht ohne für alle an den Transaktionen Beteiligten. Schlechte Zeiten für diejenigen Vermittler, die sich als fachlich erfahrene Finanzberatungsunternehmer ausgegeben haben. Weil auch sie mit haften müssen. Gute Zeiten für Rechtsanwälte, die können sich freuen. siehe http://www.fiala.de/uploads/tx_usrmediendb/Vermittlerhaftung_konkurs_wegen_beratung_01.pdf
steueragent 07.11.2013
5. Sorry, das ist Quark
Denn da investieren beileibe nicht nur Besserverdiener, sondern genauso der kleine Handwerker oder die von ihrem Enkel überredete Omi. Außerdem ist keine Zinsblase geplatzt, sondern wir erleben eine künstliche Niedrigzinsphase, um die überbordende Staatsverschuldung noch eine Weile möglich zu machen. Merke: für Schadenfreude besteht kein Anlass.
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