Drogerie-Pleite: Rossmann will Schlecker-Mitarbeiter aufnehmen

Zumindest für einige Schlecker-Mitarbeiter könnte die Insolvenz der Drogeriekette glimpflich ausgehen, Konkurrent Rossmann will einen Teil der Beschäftigten übernehmen. Baden-Württembergs Finanzminister Nils Schmid bringt auch Steuergeld ins Spiel.

Einkaufswagen in Schlecker-Laden in Ehingen: Hoffnung auf Staatshilfe Zur Großansicht
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Einkaufswagen in Schlecker-Laden in Ehingen: Hoffnung auf Staatshilfe

Berlin/Stuttgart - Die Konkurrenten der insolventen Drogeriekette Schlecker buhlen um deren Mitarbeiter. Wettbewerber Rossmann hat einem Teil der Schlecker-Beschäftigten Jobs angeboten. "Wir eröffnen im Jahr rund hundert neue Märkte und stellen dabei etwa tausend neue Mitarbeiter ein. Da werden sicher auch Schlecker-Mitarbeiter dabei sein", sagte Unternehmenschef Dirk Rossmann dem "Tagesspiegel".

Er sehe auch bei anderen Firmen gute Chancen auf neue Jobs für die Schlecker-Beschäftigten. "In ganz Deutschland ist die Nachfrage nach Arbeitskräften im Einzelhandel hoch", sagte Rossmann.

Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz setzt darauf, das Unternehmen zu erhalten und zumindest einem Teil der Mitarbeiter eine Zukunft in der Firma zu ermöglichen. Der Insolvenzverwalter will aber die Zahl der Filialen auf etwa 3000 halbieren. Von rund 25.000 Mitarbeitern bei Schlecker müssen 11.750 die insolvente Firma verlassen.

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Geiwitz erwägt auch die Einrichtung einer Transfergesellschaft, um den Übergang für die betroffenen Mitarbeiter abzufedern und die Arbeitslosigkeit hinauszuzögern. Nach SPIEGEL-Informationen sucht die Firma dafür unter Hochdruck nach Überbrückungskrediten. Es seien rund 70 Millionen Euro nötig, hieß es. Zwar gebe es Sicherheiten für einen solchen Zwischenkredit, es fehle jedoch eine Zusage der Politik oder von Banken.

SPD-Minister will Staatsgeld bereitstellen

Insolvenzverwalter Geiwitz hatte erklärt, zur Finanzierung einer Transfergesellschaft brauche es die "Unterstützung Dritter". Baden-Württembergs Finanzminister Nils Schmid kündigte an, er wolle sich für die Schlecker-Mitarbeiter einsetzen. Es gehe auch darum, "neue Wege zu gehen", sagte der SPD-Politiker dem "Handelsblatt". Eventuell müsse das Insolvenzgeld etwas verlängert werden, bis ein tragfähiges Konzept steht. Vielleicht sei es auch möglich, EU-Gelder einzusetzen.

Schlecker hat seinen Sitz in Ehingen in Baden-Württemberg. "Die 12.000 Beschäftigten - in diesem Fall hauptsächlich Frauen mit geringem Einkommen - müssen den Kopf für jahrelange unternehmerische Fehler hinhalten", sagt Schmid. "Der Staat ist gefordert, die Folgen abzumildern."

Schmid forderte eine länderübergreifende Initiative zur Einrichtung einer Transfergesellschaft. Dadurch könnten Mitarbeiter Hilfe bei der Suche nach einem neuen Job und bis zu einem Jahr lang bis zu hundert Prozent ihres alten Lohns erhalten.

Insolvenzverwalter Geiwitz will Schlecker durch den Einstieg eines Investors retten. Nach SPIEGEL-Informationen zeichnet sich ab, dass es eher auf einen Finanzinvestor als auf einen strategischen Partner aus der Handelsbranche hinauslaufe.

SPD-Landesminister Schmid sagte dem "Handelsblatt", sollte sich ein seriöser Investor finden, könne dieser mit Staatshilfen rechnen. "Wenn ein tragfähiges Konzept da ist, kann das Land einen Neustart auch mit Ausfallbürgschaften unterstützen", sagte Schmid.

mmq/dapd

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insgesamt 20 Beiträge
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1.
kdshp 05.03.2012
Zitat von sysopDPAZumindest für einige Schlecker-Mitarbeiter könnte die Insolvenz der Drogeriekette glimpflich ausgehen, Konkurrent Rossmann will einen Teil der Beschäftigten übernehmen. Baden-Württembergs Finanzminister Nils Schmid bringt auch Steuergeld ins Spiel. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,819261,00.html
Hallo, ja ne ist klar steuergelder und das bei besitzern die mit zu den reichsten in deutschlnad zählen. Also wenn bei schlcker angeblich nix zu holen ist und steuergelder eingesetzt werden DANN muss der laden verstaatlicht werden UND nach wieder anlauf verkauft werden UND der gewinn gehört dann dem staat.
2. Keine Steuergelder
HerbieVS 05.03.2012
Zitat von kdshpHallo, ja ne ist klar steuergelder und das bei besitzern die mit zu den reichsten in deutschlnad zählen. Also wenn bei schlcker angeblich nix zu holen ist und steuergelder eingesetzt werden DANN muss der laden verstaatlicht werden UND nach wieder anlauf verkauft werden UND der gewinn gehört dann dem staat.
Dass der Laden gross ist und deshalv viele Beschäftige betroffen sind ist kein Grund extra Steuergelder einzusetzen. tägelich gehen viele kleinere Unternehmen in die Insolvenz und um deren Beschäftige kümmert sich auch niemand über die vorhandenen Mechanismen (Insolvenzausfallgeld, Arbeitslosengeld, Förderung durch die Arbeitsagentur) hinaus. Nur das geht im Stillen, aber für jeden einzelnen Betroffenen ist es genauso schlimm.
3. Steuergelder
berteb 05.03.2012
Zitat von HerbieVSDass der Laden gross ist und deshalv viele Beschäftige betroffen sind ist kein Grund extra Steuergelder einzusetzen. tägelich gehen viele kleinere Unternehmen in die Insolvenz und um deren Beschäftige kümmert sich auch niemand über die vorhandenen Mechanismen (Insolvenzausfallgeld, Arbeitslosengeld, Förderung durch die Arbeitsagentur) hinaus. Nur das geht im Stillen, aber für jeden einzelnen Betroffenen ist es genauso schlimm.
Kein Problem, das holt der SPDler wieder vom Beamten.
4. Arbeitsmarkt-Boom
anderton 05.03.2012
Zitat von sysopDPAZumindest für einige Schlecker-Mitarbeiter könnte die Insolvenz der Drogeriekette glimpflich ausgehen, Konkurrent Rossmann will einen Teil der Beschäftigten übernehmen. Baden-Württembergs Finanzminister Nils Schmid bringt auch Steuergeld ins Spiel. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,819261,00.html
Warum sollten Steuergelder dafür aufgebracht werden? Bei dem aktuellen Job-Boom in Deutschland dürfte es doch für die freigesetzten Beschäftigten kein Problem sein eine neue Stelle zu finden?!
5.
aprilapril 05.03.2012
Zitat von andertonWarum sollten Steuergelder dafür aufgebracht werden? Bei dem aktuellen Job-Boom in Deutschland dürfte es doch für die freigesetzten Beschäftigten kein Problem sein eine neue Stelle zu finden?!
Ich dachte, Steuern dienen der Erfüllung öffentlicher Aufgaben. Als gäbe es keinen Investitionsbedarf bei Infrastrukturmaßnahmen. Wann lässt die Politik ihre Pfoten von Privatunternehmen?
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