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Drogeriekette: Schlecker steht vor massiven Finanzproblemen

Der Drogerie-Riese Schlecker hat nach SPIEGEL-Informationen massive Liquiditätsprobleme. Waren werden zwischen den Filialen hin- und hergeschoben, und Unternehmenschef Anton Schlecker soll bereits einige Millionen Euro zugeschossen haben.

Hamburg - Drei Jahre in Folge hat Schlecker bereits Verlust gemacht, jeden Monat werden Filialen geschlossen. Doch die Lage bei der größten deutschen Drogeriemarktkette ist nach SPIEGEL-Informationen offenbar noch dramatischer als bislang bekannt. Allein im November musste der Drogeriekonzern rund 400 Filialen schließen, im Dezember sollen weitere 200 verschwinden.

Grund der Räumungsaktionen scheinen massive Liquiditätsprobleme zu sein: Schlecker zieht aus den geschlossenen Filialen die Waren ab, um die Regale der noch offenen Läden zu bestücken. So sollen Produkte im Wert von bis zu 180 Millionen Euro neu verteilt werden, bestätigte das Unternehmen. Dies geschehe "aus logistischen und betriebswirtschaftlichen Gründen", die Filialschließungen seien Teil der angekündigten Umstrukturierung.

Bei den großen Lieferanten des Drogeriekonzerns klingt das anders: Schlecker habe deutlich weniger Weihnachtsware geordert als üblich, obwohl sich das Unternehmen vor allem auf das Weihnachtsgeschäft konzentrieren will. Wegen Unstimmigkeiten im Rahmen der Jahresgespräche habe man den Einkauf bewusst zurückgefahren, sich inzwischen aber geeinigt, heißt es bei Schlecker.

Um die Liquiditätsprobleme in den Griff zu bekommen, soll Firmenpatriarch Anton Schlecker bereits einen hohen zweistelligen Millionenbetrag aus seinem Privatvermögen in das Unternehmen gesteckt haben. Gleichzeitig stockt die Umstrukturierung des Konzerns unter dem Namen "Fit for Future", die von den Schlecker-Kindern Meike und Lars betrieben wird: Statt wie angepeilt bis zu 2000 Filialen pro Jahr zu modernisieren, gehen Insider von maximal 300 Läden aus.

Einziger Trost für die Beschäftigten: Bislang wurden keine betriebsbedingten Kündigungen ausgesprochen – weil die aufgrund des geltenden Sozialtarifvertrags derzeit schlicht zu teuer wären.

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