Drogeriepleite Schlecker reicht Insolvenzantrag ein

Schlecker geht den unvermeidbaren Schritt: Die Drogeriekette hat nun auch offiziell Insolvenz angemeldet. Gewerkschaft und Gläubiger könnten die geplante Sanierung in Eigenregie allerdings noch stören.

Schlecker-Filiale in Berlin: 47.000 Beschäftigte bangen um ihre Jobs
REUTERS

Schlecker-Filiale in Berlin: 47.000 Beschäftigte bangen um ihre Jobs


Ulm - Jetzt führt kein Weg mehr zurück: Die Drogeriekette Schlecker hat am Montag Planinsolvenz beim Amtsgericht Ulm beantragt. "Bei uns ist ein unterzeichnetes Fax eingegangen, im Laufe des Vormittags wird der Antrag im Original eingehen", sagte ein Sprecher des Gerichts. Dann solle darüber beraten werden, wie das Verfahren ablaufen soll. Unter anderem müsse dann die Frage geklärt werden, wer als Insolvenzverwalter in Betracht komme.

Schlecker hatte am Freitag angekündigt, wegen finanzieller Engpässe in die Planinsolvenz zu gehen. Europaweit bangen nun rund 47.000 Beschäftigte um ihre Jobs. Neben dem Insolvenzantrag wollte das Ehinger Unternehmen gleichzeitig ein Sanierungskonzept vorlegen. Ziel sei es, einen großen Teil des Filialnetzes und der Mitarbeiter zu erhalten. Schlecker ist mit inzwischen knapp über 7000 Märkten eine der größten Drogerieketten Deutschlands.

"Wir sind da in der juristischen Prüfung"

Die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di will zunächst einmal klären, wie die vorgesehene Planinsolvenz mit Einbeziehung des bisherigen Managements ablaufen soll. "Wir sind da in der juristischen Prüfung", sagte eine Sprecherin. Ver.di wolle sich in das Verfahren einbringen und "das Beste für die Schlecker-Beschäftigten" herausholen. Bei einem Planverfahren in Eigenverwaltung könnten Gesellschafter und Management weiter über das Unternehmen bestimmen. Die Gläubiger müssten freiwillig auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten.

Laut "Financial Times Deutschland" ("FTD") hat auch einer der wichtigsten Gläubiger der Drogeriemarktkette Vorbehalte gegen eine Planinsolvenz in Eigenverwaltung. Der Einkaufsverbund Markant signalisierte dem Amtsgericht Ulm demnach bereits seine Bedenken.

Zwei führende deutsche Insolvenzverwalter äußerten sich laut "FTD" skeptisch. "Die Gläubiger werden nur zum Verzicht bereit sein, wenn auch die Eignerfamilie einen erheblichen Beitrag leistet", sagte einer der beiden Juristen, die anonym bleiben wollten. Die Eignerfamilie Schlecker könnte somit die Kontrolle über das Unternehmen verlieren - im Extremfall könnte es zerschlagen werden.

yes/AP/AFP

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insgesamt 10 Beiträge
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Izmir.Übül 23.01.2012
1. Planinsolvenz
Zitat von sysopSchlecker geht den unvermeidbaren Schritt: Die Drogeriekette hat nun auch offiziell Insolvenz angemeldet. Gewerkschaft*und Gläubiger könnten die geplante Sanierung in Eigenregie allerdings noch stören. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,810722,00.html
"Planinsolvenz" bedeutet u.a., dass die BA 3 Monate lang Insolvenzausfallgeld an die Schlecker-Mitarbeiter zahlen darf. (http://www.wiwo.de/unternehmen/handel/trigema-chef-plan-insolvenz-ist-riesensauerei/v_detail_tab_print,6094712.html)
lemmy01 23.01.2012
2. Welcher Schlecker?
Zitat von Izmir.Übül"Planinsolvenz" bedeutet u.a., dass die BA 3 Monate lang Insolvenzausfallgeld an die Schlecker-Mitarbeiter zahlen darf. (http://www.wiwo.de/unternehmen/handel/trigema-chef-plan-insolvenz-ist-riesensauerei/v_detail_tab_print,6094712.html)
Es wäre wirklich einmal hilfreich, wenn nicht nur von der Insolvenz von Schlecker in der Presse gefaselt wird, sondern die betroffenen Unternehmen konkret benannt werden. Ist es die Konzernmutter Anton Schlecker eK? Sind es einzelne oder mehrere Tochtergesellschaften mit der Rechtsform der GmbH? Ist beispielsweise auch die Tochtergesellschaft betroffen, die den Online-Handel betreibt?
Schlangenzung 23.01.2012
3. Hoffentlich das Ende
Insolvenz heißt ja zunächst nur, dass die Firma für's erste weiterwirtschaften kann, ohne Strom und Miete zahlen zu müssen. Da Arbeitsplatzrettung im deutschen Insolvenzrecht über alles geht, bedeutet Insolvenz nicht, dass die Firma am Ende ist, sondern nur, dass sie ihre Vetragspartner erheblich schädigen wird bevor sie vielleicht doch schliessen muß. Ob sie schliessen muß, entscheiden letztlich die Kunden. Ich hoffe sehr, dass die Kundschaft den angeschlagenen Laden jetzt wegstreikt, denn Schlecker ist seit langem schon eine Schande für Deutschland. Zu wünschen wäre auch, dass Vermieter und Lieferanten der Firma Schlecker sich in Zukunft besser überlegen, mit wem sie Verträge schliessen.
rheinläufer 23.01.2012
4. Adieu!
Zitat von sysopSchlecker geht den unvermeidbaren Schritt: Die Drogeriekette hat nun auch offiziell Insolvenz angemeldet. Gewerkschaft*und Gläubiger könnten die geplante Sanierung in Eigenregie allerdings noch stören. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,810722,00.html
Adieu Schlecker! Wie gut, dass du gehst! Du hast unsere Fußgängerzonen verschandelt. Du hast deine Mitarbeiter schlecht behandelt. Dein Angebot war immer schlecht sortiert. Ich werde dich nicht vermissen und hoffe, dass die Sanierung in Insolvenz misslingt. Die Mitarbeiter werden bei soliden Unternehmen wie Rossmann und DM unterkommen.
SpitzensteuersatzZahler 23.01.2012
5. wohl kaum...
Zitat von rheinläuferAdieu Schlecker! Wie gut, dass du gehst! Du hast unsere Fußgängerzonen verschandelt. Du hast deine Mitarbeiter schlecht behandelt. Dein Angebot war immer schlecht sortiert. Ich werde dich nicht vermissen und hoffe, dass die Sanierung in Insolvenz misslingt. Die Mitarbeiter werden bei soliden Unternehmen wie Rossmann und DM unterkommen.
Diese Hoffnung teile ich nicht. Die genannten Firmen picken sich nur die Standortrosinen raus und werden mitnichten in solch miesen Lagen präsent sein wie Schlecker es war. Mich muss es nicht kümmern, aber die Leute ohne Mobilitätsautarkie auf dem Land werden das zu spüren bekommen. Die Konkurrenz hat ja selber gesagt, dass nur etwa 80-100 Filialen interessant für sie seien.
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