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Drohende Überschuldung: Alternative Noa Bank am Ende

Von , Frankfurt am Main

Bankengründer Jozic sieht sich als Opfer des Systems: Die BaFin hat seine alternative Noa Bank wegen drohender Überschuldung für die Kunden geschlossen. Tatsächlich aber gleicht die kurze Geschichte des Geldinstituts mit ethischem Anspruch einer Farce.

Noa-Bank-Gründer Jozic: "Ich höre auf zu kämpfen" Zur Großansicht
Boris Breuer

Noa-Bank-Gründer Jozic: "Ich höre auf zu kämpfen"

Den Untergang zelebrierte François Jozic noch einmal mit ordentlichem Pathos: "Ich höre auf zu kämpfen", verkündet der Gründer der alternativen Noa Bank am Mittwochabend in einem letzten Blog-Eintrag auf den Internetseiten der Noa Bank: "Der BaFin wurden bis zu diesem Tag viele Vorschläge von potentiellen Investoren unterbreitet, aber keiner schien sie zu befriedigen." Er habe sich deshalb entschlossen, die Noa Bank von der Finanzaufsicht "schließen zu lassen". Jozic wusste wohl, was kommt. Wenig später am Abend ordnete die BaFin ein sogenanntes Moratorium über das Geldinstitut an. Damit ist die Bank vorübergehend geschlossen, die Einlagen sind eingefroren - das Geldinstitut ist praktisch am Ende.

Für Jozic sind die Schuldigen ausgemacht. "Das gesamte Finanzsystem ist selbstorganisiert, um unbeweglich zu sein. Ich habe versucht, es zu ändern, aber ich bin gescheitert", schreibt er in seinem Blog. Die Schuld an seinem Scheitern trage die BaFin. Ihre Ankündigung, der Bank die Lizenz zu entziehen, habe "verschiedene Investoren verschreckt". Er fühle sich wie Josef K., schreibt Jozic. Eine Anspielung auf die Hauptfigur aus Kafkas "Prozess", die eines Morgens aus heiterem Himmel verhaftet wird.

Wer glaubt, dass sich hier nur ein Gescheiterter kurz vergisst, täuscht sich. Jozic hatte schon in früheren Blog-Einträgen eine Art Komplott von Großbanken und "Establishment" skizziert, sich als Kämpfer gegen vermeintliche dunkle Mächte des Kapitals inszeniert. Dabei stellt sich nach den letzten chaotischen Monaten der Bank eigentlich nur eine Frage: Wie konnte ein derartiges Finanzinstitut überhaupt zugelassen werden?

"Das wussten wir nicht"

Der erste Eindruck, den der Unternehmer mit der Wuschelfrisur und der riesigen schwarzen Brille hinterließ, war wohl zu gut. Der 37-Jährige gab den Anti-Banker, setzte auf Transparenz, verkündete die Parole: "Keine Spekulation". Die Kunden sollten selbst entscheiden, was mit ihren Spareinlagen passiert. Ob sie in Kredite für den Mittelstand, in Umwelt-, Kultur- oder Gesundheitsprojekte fließen sollten.

Der Erfolg war zunächst groß. Die Noa Bank befriedigte nämlich nicht nur den Wunsch ihrer Kunden nach einem guten Gewissen, sondern auch den nach überdurchschnittlich hohen Zinsen. Binnen kürzester Zeit wurden so rund 300 Millionen Euro an Kundengeldern eingesammelt. Allein: Das Kreditgeschäft lief nicht wie geplant. Lediglich 60 Millionen Euro konnten vergeben werden. Die enorme Lücke aber ist ein Problem, schon weil man die großzügigen Zinsen für die eigenen Kunden finanzieren musste. Schon im April erklärte die Bank deshalb, vorübergehend kein neues Tagesgeld mehr anzunehmen.

Der Anfang vom Ende begann spätestens, als Jozic die Factoring-Firma Quorum mit dem Geldinstitut verschmolz, die er einst mit dem gleichen Partner wie die Noa Bank gegründet hatte. Auf den ersten Blick hatte die Idee zwar Charme: Das Unternehmen kaufte Firmen ihre offenen Forderungen ab, um diese dann später einzutreiben. Für die Vorfinanzierung ist viel Geld nötig - das die Noa Bank hatte. Doch die neue Tochter, die nach dem Zusammenschluss Noa Factoring hieß, brachte auch neue Probleme. Die Eigenkapitalanforderungen für die Gruppe, deren Puffer ohnehin dünn war, erhöhten sich weiter. Weil die Noa Bank dem nicht gerecht werden konnte, griff die BaFin endgültig ein und untersagte der Noa Bank das Kredit- und Spareinlagengeschäft.

Eine Hiobsbotschaft nach der anderen

"Rechtlich ist dies korrekt, aber das wussten wir nicht", erklärte Jozic über die Entwicklung entwaffnend offen auf seiner Seite. Den Banken-Professor Martin Faust von der Frankfurt School of Finance and Management entsetzte diese Äußerung schon damals gehörig. Sie zeige die "große Naivität", mit der bei der Noa Bank die Geschäfte betrieben worden seien. Er habe den Eindruck, dass das von Jozic ausgewählte Management "keinen Einblick hat, wie eigentlich eine Bank zu führen ist".

Am Mittwoch folgten die Hiobsbotschaften dann Schlag auf Schlag. Zunächst reichte die Noa Factoring beim Amtsgericht Düsseldorf einen Insolvenzantrag ein. Am Abend machte Jozic dann seinen Blog-Eintrag öffentlich. Dann erklärte die BaFin ihr Moratorium. Wegen der Insolvenz der Noa Factoring habe die Überschuldung der Bank gedroht, heißt es aus der Behörde. Die Noa Factoring war mit einem Gesamtvolumen von 26 Millionen Euro der mit Abstand größte Kreditnehmer der Noa Bank.

Für die Kunden des Geldinstituts bedeutet das, dass ihre Gelder nun zunächst eingefroren sind. Ihre Konten sind allerdings pro Person bis zu einer Höhe von 50.000 Euro durch die gesetzlich vorgeschriebene Einlagensicherung abgedeckt. Allerdings kann es einige Wochen, wenn nicht sogar Monate dauern, bis die BaFin den sogenannten Entschädigungsfall festgestellt hat und die Entschädigungseinrichtung deutscher Banken alle Gelder zurückgezahlt hat.

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Forum - Diskussion über diesen Artikel
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1. Nunja...
wild_at_heart 18.08.2010
Zitat von sysopBankengründer Jozic sieht sich als Opfer des Systems: Die BaFin hat seine alternative Noa Bank wegen drohender Überschuldung für die Kunden geschlossen. Tatsächlich aber gleicht die kurze Geschichte des Geldinstituts mit ethischem Anspruch einer Farce. http://www.spiegel.de/wirtschaft/unternehmen/0,1518,712565,00.html
...es gibt auch gute Beispiele einer "besseren" Bank, wie z.B. die Nürnberger Umweltbank.
2.
esopherah 18.08.2010
also ein wenig verwunderlich ist es schon wenn alle klagen, dass die banken wegen der finanzkriese keine kredite geben und ne bank auf 240mil. hockt die anscheinend keiner will.... im anderen fall kommt dieser "antibanker" auch irgendwie seltsam rüber...
3. ..
SURE 18.08.2010
Zitat von esopherahalso ein wenig verwunderlich ist es schon wenn alle klagen, dass die banken wegen der finanzkriese keine kredite geben und ne bank auf 240mil. hockt die anscheinend keiner will.... im anderen fall kommt dieser "antibanker" auch irgendwie seltsam rüber...
Genau, da sind doch der EX-HRE Boss sowie der aktuelle Chef der HSH Nonnemacher oder auch der Chef der WestLB Friedel Neuber schon fundierter. HAHA!!
4. Greenbank
W. Robert 18.08.2010
Wie hat das Brecht noch mal formuliert? Kriminelle sollten Banken gründen und nicht überfallen, oder wie war das genau? Alternative Bank, das ist in etwa so seriös wie „Greenparty“ oder so was;)
5. Unknorke
spon-1196625741506 18.08.2010
Wer sich humoristisch über ethisch/ökologische Banken informieren möchte lese das Buch "Unknorke" von Lars Niedereichholz (Mundstuhl). Kurzbeschreibung von einem großen Buchhändler: "Marc blickt dem Ernst des Lebens ins Gesicht: schmales Reihenhaus, vollschlanke Ehefrau und ein herausfordernder Säugling - das ganze Programm eben. Jetzt muss dringend Geld her. Was bietet sich in dieser Situation für eine Lösung an? Ist doch klar: ein Job als AssistentIn der Geschäftsleitung. Und zwar nicht irgendwo, sondern in einer ökologischen Bank. So, das klingt schlimm? Das ist es auch. Ziemlich schlimm..."
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Stichwort: Eigenkapital
Tier 1
Der Begriff "Tier 1" ist die englische Bezeichnung für Kernkapital. Bei Aktiengesellschaften besteht es im Wesentlichen aus Aktien, Rücklagen und stillen Einlagen. Die Kernkapitalquote berechnet sich, indem man das Kernkapital der Bank durch die Summe der Risikoposten (etwa Kredite und Wertpapiere) teilt. Die Ziffer zeigt, inwieweit die Risikopositionen durch eigene Mittel gedeckt sind, sprich wie dick der Risikopuffer der Bank ist. Tier 1 gilt darum als magische Zahl, um die Stabilität und Stärke einer Bank zu beurteilen. Je höher die Quote, desto gesünder die Bank. Nach internationalen Bilanzvorschriften muss die Kernkapitalquote mindestens vier Prozent betragen. Sieben Prozent gelten allerdings gemeinhin als Richtwert für eine gesunde Bankbilanz.

Tier 2
Ein weiterer Bestandteil der Eigenmittel einer Bank ist das Ergänzungskapital (Tier 2), das sich unter anderem aus Genussrechten (eine Anlageform) und langfristigen nachrangigen Verbindlichkeiten zusammensetzt. Ergänzungskapital ist maximal in Höhe des Kernkapitals für die Bank als Eigenmittel anrechenbar. Aufsichtsrechtlich muss eine Bank Eigenmittel (Kern- und Ergänzungskapital) in Höhe von acht Prozent der Risikoaktiva vorhalten. Vereinfachend gesagt bedeutet dies, dass ein vergebener Kredit von 100 Euro mit acht Euro Eigenmitteln unterlegt sein muss.


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