Drohende US-Strafzölle So dicht ist das weltweite Netzwerk von VW, Daimler und BMW

US-Strafzölle würden die Autos von Daimler, Volkswagen und BMW teurer machen. Doch der Schaden wäre viel größer: Das weltumspannende Netzwerk von Standorten wäre betroffen. Um was es geht, zeigt die interaktive Grafik.

Daimler-Werk in Stuttgart Untertürkheim
picture-alliance/ dpa/dpaweb

Daimler-Werk in Stuttgart Untertürkheim

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Kommen die US-Strafzölle für Autos? Nach der zersetzenden Europareise von US-Präsident Donald Trump besteht wenig Anlass zu der Hoffnung, dass die europäischen Autohersteller von der Abgabe verschont bleiben.

Die formelle Untersuchung zu der Frage, ob Autoimporte in die Vereinigten Staaten Fragen der Nationalen Sicherheit berühren, läuft bereits - und die teils mit heftigen Aussprachen. Eine Entscheidung aber wird erst für den Herbst erwartet.

Für Daimler, BMW und Volkswagen ist der Schaden, der ihnen durch die möglichen Strafzölle entsteht, noch kaum zu ermessen. Offiziell will sich damit ohnehin noch niemand befassen. "Wir setzen das Thema auf die Tagesordnung, wenn es so weit ist", heißt es sinngemäß in allen Presseabteilungen.

Für die Branche steht viel auf dem Spiel, denn Autos werden heutzutage in einem weltumspannenden Netzwerk an verschiedenen Standorten produziert. Das System ist essenziell auf einen freien Warenverkehr angewiesen. Die Errichtung von Schranken an einzelnen Grenzen würde empfindliche Störungen nach sich ziehen.

BMW zum Beispiel produziert in seinem Werk in Spartanburg im US-Bundesstaat South Carolina seine Luxus-SUV und verteilt sie anschließend von hier aus auf die Händler in der ganzen Welt - und verbessert so ganz nebenbei die Handelsbilanz der USA. Für die Montage verwendet Spartanburg allerdings viele Komponenten, die wiederum von Zulieferern (oder von BMW-Werken) stammen, die nicht in den USA liegen.

Würden die Autobauer dieses System umstellen und - wie Trump es verlangt - die Autos zu 100 Prozent in den USA produzieren, wären riesige Investitionen fällig. Außerdem wäre das System am Ende womöglich viel ineffektiver und damit teurer als zuvor. Das gleiche gilt übrigens auch für die BMW-Konkurrenten Volkswagen und Daimler. Bezahlen müssten entweder die Käufer oder die Autohersteller. Oder die Arbeiter, die ihren Job verlieren, wenn Standorte abgebaut würden, weil sich die Produktion nicht mehr lohnt.

Aber wie dicht ist das Netzwerk, das die Hersteller inzwischen geknüpft haben, wirklich? Allein anhand der drei großen Autokonzerne aus Deutschland - Volkswagen, Daimler und BMW - lässt sich erkennen, wie global sie arbeiten. Klicken Sie auf die Weltkarte, um die Standorte und Details dazu zu sehen.

Das weltweite Fabrik-Netzwerk der Autohersteller

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Produktionsstandorte BMW

Quelle: Eigene Recherchen

Produktionsstandorte Daimler

Quelle: Eigene Recherchen

Produktionsstandorte VW

Quelle: Eigene Recherchen
insgesamt 12 Beiträge
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Seite 1
dwg 24.07.2018
1.
Das ist so grundsätzlich richtig, nur trifft das alle Hersteller und ironischerweise insbesondere die amerikanischen, da die Zulieferketten global sind und bis auf einen kleineren die größten zehn Automobilzulieferer außerhalb der USA liegen. Die größten zehn (mehrheitlich in Europa plus Korea, Japan, Canada) machen 300 Milliarden EUR Umsatz, wovon nur 5% in USA liegen. Deswegen sind ja auch praktisch alle mit mindestens Restverstand dagegen. Gerade BMW kann sich mit seiner weltweiten Struktur noch recht gut anpassen - da haben es andere schwerer.
markus2018 24.07.2018
2. Unrealistisch
Es ist schlichtweg nicht machbar, die Autos nach Trumps Wille komplett in den USA zu fertigen. Es fehlt an qualifizierten Arbeitern genauso wie an geeigneten Zulieferern für eine 100% Produktion. Und welcher halbwegs wirtschaftlich orientierte Konzernlenker richtet seine langfristige Produktionsstrategie nach den Launen eines unzurechnungsfähigen Cholerikers aus?
neutralfanw 24.07.2018
3.
3 Monate keine Lieferung durch Europäische Zulieferer oder eine Preiserhöhung von 30% an die US-Automobilhersteller und der Amerikanische Markt steht. Dann merkt sogar Trump das Problem.
pnegi 24.07.2018
4. Whatever it takes...
Ich habe es bereits mehrfach in früheren Foren gepostet; wir sind nicht Opfer, sondern Mittäter. In 2008 war das Westliche Finanzsystem de fakto pleite. Dannach jedoch begann die zweite Phase des Wirtschaftskrieges. Trump war damals absolut obsolete. Draghi's EZB begann damals, parallel zum US QE, massenhaft Euros zu drucken. Eine riesige Menge davon wurde benutzt, um Gouvernment Bonds (Staatsanleihen) der EU Südstaaten zu "kaufen". Der andere Teil diente zum "Kauf" von Corporate Bonds (Firmenanleihen). Meines Wissens mindestens 600 Mrd. Europaweit. Satte 185 Mrd davon gingen an Deutsche Firmen. Und die Top 3 dieser Firmenliste ist identisch mit den in diesem Artikel genannten Konzernen. Daimler, BMW und VW kassierten satte 60 Mrd an diesen Draghi-What-ever-it-takes Euros. Eine massive Wettbewerbsverzehrung und eben ein massiver Wirtschaftskrieg! Dass das nicht gut gehen würde, konnte man schon damals ahnen. Anstatt nach guter kapitalistischer Tradition alles, was in 2008 pleite war, auch tatsächlich pleite gehen zu lassen, hat man nahtlos von Freier Marktwirtschaft auf Planwirtschaft umgeschaltet. Und nun wehrt sich da Einer... Aus Trumps Sicht hat Russland den USA weit weniger Schaden zugefügt als dessen "Freunde" in der EU. Und offenbar hat er da Recht.
sternum 24.07.2018
5.
Ich hätte da eine andere Lösung: Sollen die Konzerne ihre Produktionsstätten aus den USA in andere Länder verlegen. Dann wird dort nichts mehr produziert, das bedeutet für den Rest der Welt keine Preisaufschläge, und halt neue Arbeitsplätze in anderen Ländern (das wäre eine ja eine Katastrophe;) Lediglich in den USA muss mit entsprechenden Konsequenzen gelebt werden - aber dort wurde Trump ja auch gewählt, sollen die halt mit ihm leben.
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