Drohender Stellenabbau: Betriebsrat droht E.on-Chefs mit Widerstand
Bis zu 11.000 Arbeitsplätze sollen abgebaut werden, die Hälfte davon in Deutschland: Die Sparpläne von E.on stoßen auf massive Kritik von Betriebsrat und Gewerkschaften. Zu einer Krisensitzung hat sich jetzt auch SPD-Chef Sigmar Gabriel angekündigt.
Düsseldorf - Den Mitarbeitern des Energiekonzerns E.on stehen schwere Zeiten bevor: Vorstandschef Johannes Teyssen teilte am Mittwoch offiziell mit, den Abbau von bis zu 11.000 der 79.000 Arbeitsplätze zu prüfen. Teyssen will spätestens 2015 jährlich 1,5 Milliarden Euro weniger ausgeben. Vor allem in der Verwaltung sollen Arbeitsplätze gestrichen werden. Konkrete Entscheidungen sollen im Herbst fallen.
Konzernbetriebsrat und Gewerkschaften kritisierten die Pläne scharf: Anscheinend falle "dem Vorstand außer Personalanpassungen und Sparmaßnahmen nichts ein", sagte Konzernbetriebsratschef Hans Prüfer. Sparen sei zwar notwendig. "Was wir jedoch vermissen, sind klare Wachstumsperspektiven mit Arbeitplätzen auch in Deutschland." Von den 11.000 Stellen sollten dem Betriebsrat zufolge 50 bis 60 Prozent in Deutschland abgebaut werden. Hier beschäftigt der Konzern rund 35.000 Mitarbeiter. Der Vorstand bezeichnete die Zahlen als Spekulation.
Die Gewerkschaft Ver.di beklagt, dass die Mitarbeiter unter der Lage des Konzerns leiden würden: "Es droht ein Kahlschlag bei der Beschäftigung im Konzern. Das wird unseren Widerstand hervorrufen", sagte Ver.di-Vorstandsmitglied Erhard Ott, der auch im E.on-Aufsichtsrat sitzt.
Die Sparpläne seien nicht schlüssig. Deshalb werde Ver.di mit dem Betriebsrat Alternativvorschläge erarbeiten. Vom Vorstand fordere man konkrete Zusagen. "Betriebsbedingte Kündigungen sind bis Ende 2012 ausgeschlossen. Wir verlangen, dass dies fortgeschrieben wird", erläuterte Ott. Darüber hinaus sollte es Zusagen für die Verwaltungsstandorte in Deutschland geben. "Wenn es keine Standortgarantien für München, Hannover und Essen gibt, wird sich mit Sicherheit bei den Belegschaften etwas tun."
E.on klagt über Energiewende
Am Freitag kommt der Konzernbetriebsrat zu einer außerordentlichen Sitzung zusammen. Daran soll auch SPD-Chef Sigmar Gabriel teilnehmen. Auf Anfrage, warum Gabriel zu dem Treffen fährt, sagte der SPD-Vorsitzende SPIEGEL ONLINE, der Betriebsrat habe ihn eingeladen. "Es ist selbstverständlich, dass ich diese Einladung annehme. Wir haben große Sorgen um die Beschäftigten und werden die Gewerkschaften und den Betriebsrat in den anstehenden Auseinandersetzungen unterstützen." Entscheidend sei, dass "die Folgen von Fehlentwicklungen im Unternehmen nicht einseitig den Arbeitnehmern aufgebürdet werden".
Am Mittwoch hatte der Konzern auch sein Halbjahresergebnis präsentiert. Der Gewinn brach um 71 Prozent ein auf nun noch 900 Millionen Euro. Analysten hatten mit einem Überschuss von knapp 1,2 Milliarden Euro gerechnet. Die E.on-Aktie rutschte am Vormittag um fast zwei Prozent ab und war schwächster Wert im Dax, der knapp ein Prozent zulegte. Die Zahlen seien schwach und der Ausblick sei schlechter als erwartet, sagen Beobachter.
Der E.on-Vorstand macht dafür vor allem die Energiewende der Bundesregierung verantwortlich. So habe die Stilllegung von Kernkraftwerken und die Brennelementesteuer den Gewinn schrumpfen lassen. E.on bezifferte die Belastungen aus der Atomwende auf 1,9 Milliarden Euro.
Der Atomausstieg ist allerdings allenfalls ein Teil der Probleme von E.on. Neben sinkenden Margen im Stromgeschäft macht dem Konzern vor allem das schwache Gasgeschäft zu schaffen. E.on verzeichnet dort Verluste, weil der Konzern in langfristig vereinbarten Verträgen mit Lieferanten wie Gazprom teure Preise zahlen muss. Zudem verpasste es die Unternehmensführung, frühzeitig in erneuerbare Energien zu investieren.
cte/Reuters
HilfeLassen Sie sich mit kostenlosen Diensten auf dem Laufenden halten:
- alles aus der Rubrik Wirtschaft
- Twitter | RSS
- alles aus der Rubrik Unternehmen & Märkte
- RSS
- alles zum Thema E.on
- RSS
© SPIEGEL ONLINE 2011
Alle Rechte vorbehalten
Vervielfältigung nur mit Genehmigung der SPIEGELnet GmbH
- Mittwoch, 10.08.2011 – 13:36 Uhr
- Drucken Versenden
- Nutzungsrechte Feedback
- Kommentieren | 28 Kommentare
- 11.000 Stellen in Gefahr: E.on bestätigt Jobkahlschlag-Pläne (10.08.2011)
- Teurer Atomausstieg: RWE bricht der Gewinn weg (09.08.2011)
MEHR AUS DEM RESSORT WIRTSCHAFT
-
Börsen
Dax, Dow, Nikkei und Ihr persönliches Portfolio: Die Weltbörsen im Überblick -
Gehalt-Check
Brutto-Netto-Rechner: Berechnen Sie Ihr Gehalt -
Konjunktur
Alle wichtigen Wirtschaftsdaten: Arbeitslosigkeit, Brutto-
inlandsprodukt und Inflation -
Finanztest
Im Test: Finanztipps und mehr - was Sie als Verbraucher unbedingt wissen sollten -
Mehr Wirtschaft
Die Angebote von manager-magazin.de und harvardbusiness
manager.de








