Drohender Förderstopp Arbeitskampf in Norwegen treibt Ölpreis nach oben

Ein Arbeitskampf in Norwegen hat die Ölpreise zu Wochenbeginn steigen lassen. Wegen eines festgefahrenen Tarifstreits wollen Energiekonzerne Arbeiter aussperren. Die nationale Förderung könnte ab Dienstag fast komplett lahmgelegt werden. Das Land deckt rund zwei Prozent des globalen Bedarfs.

Norwegische Ölplattform in der Nordsee: Arbeitskampf verunsichert die Märkte
DPA

Norwegische Ölplattform in der Nordsee: Arbeitskampf verunsichert die Märkte


Oslo - Mit der Aussperrung von Tausenden Arbeitern wollen Energieunternehmen in Norwegen in einem Tarifstreit Druck auf die Gewerkschaften machen. Die Auseinandersetzung könnte die Öl- und Gasförderung in dem Land lahmlegen. Auch Lieferungen nach Deutschland wären betroffen.

Beim Ölpreis machte sich die Sorge vor dem Arbeitskampf bereits bemerkbar. Der Preis für ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent Chart zeigen stieg am Montag um 96 Cent auf 99,15 Dollar.

Norwegen ist mit seinen Energievorkommen unter der Nordsee der achtgrößte Ölproduzent der Welt. Insgesamt deckt das Land gut zwei Prozent der weltweiten Produktion ab. Auch Erdgas wird gefördert. Norwegen deckt gut 27 Prozent des deutschen Bedarfs.

Seit drei Wochen laufen Tarifverhandlungen zwischen norwegischen Gewerkschaften und der Ölindustrie des Landes. Am Wochenende waren die Gespräche zwischen den Tarifparteien gescheitert.

Die bisherigen Streiks von rund 700 gewerkschaftlich organisierten Mitarbeitern der Ölindustrie haben nach Branchenangaben zu Teilausfällen der Produktion und Einnahmeausfällen von 330 Millionen Euro geführt. Mit einer Aussperrung von Arbeitern wollen nun die Unternehmen auf die Arbeitsniederlegungen reagieren.

"Wir hoffen inständig, dass die Regierung noch eingreift"

Wie der zuständige Arbeitgeberverband OLF in Oslo mitteilte, sollen in der Nacht auf Dienstag alle 6500 Arbeiter auf den insgesamt 70 Ölfeldern ausgesperrt werden. "Wir hoffen aber inständig, dass die Regierung noch heute eingreift und diesen Arbeitskampf stoppt", sagte OLF-Sprecherin Eli Ane Nedreskår am Montag. Mit einer staatlichen Zwangsschlichtung könnte die Regierung sowohl den Streiks als auch der geplanten Aussperrung ein Ende setzen.

In dem Tarifstreit fordern die Gewerkschaften Sonderregelungen für Mitarbeiter der Ölindustrie, die bereits mit 62 Jahren und nicht erst mit den branchenüblichen 65 Jahren in den Ruhestand gehen wollen. Die Arbeitgeber lehnen dies ab: Die Beschäftigten der Ölindustrie seien bereits im Vorteil, da sie zwei Jahre früher in Rente gehen könnten als die übrige Bevölkerung, heißt es zur Begründung.

Der führende norwegische Energiekonzern Statoil erklärte, der drohende Stopp der Lieferungen nach Europa könne "ernste negative Konsequenzen" für Statoils Reputation als zuverlässiger Lieferant haben. "Je länger dieser Arbeitskampf dauert, desto schwerer wird es, unseren guten Ruf zu verteidigen", sagte Sprecher Bård Glad Pedersen. Eine Aussperrung würde den Konzern nach eigenen Angaben täglich knapp 70 Millionen Euro kosten.

Die Gewerkschaft SAFE sieht die Auswirkungen durch den Arbeitskampf gelassen: "Es wird keine Energiekrise in Europa geben, nur weil der Export aus Norwegen für ein paar Wochen im Sommer ausfällt." Tatsächlich könnte der Bedarf durch andere Ölförderländer gedeckt werden. Hinzu kommt, dass die Nachfrage nach Öl angesichts der schwachen Weltkonjunktur derzeit eher niedrig ist. Experten rechnen deshalb nur kurzfristig mit einem Ölpreisanstieg infolge des Arbeitskampfes in Norwegen. Beim Gaspreis ist kein Preisschub zu erwarten. Hier sind die norwegischen Lieferanten an langfristige Lieferverträge gebunden.

mmq/Reuters/AFP/dpa



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Seite 1
james-100, 09.07.2012
1.
Da fallen im Höchstfalle 2% der weltweiten Liefermenge aus und schon treiben diese gierigen Spekulanten die Preise nach oben.
lupenrein 09.07.2012
2. ...............
Die Spekulanten warten doch sehnlichst auf jede Gelegenheit, jeden noch so absurden Grund zur Anhebung der Ölpreise. Ein Beispiel: Noch vor vier Wochen waren die Öllager in den USA 'randvoll'. die Ölpreise sanken daraufhin um einige %. Seit 1 Woche sind die gleichen Lager angeblich leergefegt. 'Aufatmen ' bei den Spekulanten. Und heute ein echtes 'GlücK'. Neue Preiserhöhungen durchsetzbar. In Norwegen streiken die Ölarbeiter. 2% der Förderung sind noch gar nicht betroffen, lediglich möglicherweise in Gefahr, wenn keine Einigung erzielen werden könnte. Und nur gut, dass im Nahen Osten Spannungen herrschen. Da kann man auch gut an der Preisschraube dregen.Man muss nur schön regelmäßig die Ängste der Menschen schüren und schon rollt der Rubel (in die Taschen der Panikmacher)
b399y 09.07.2012
3. Hilfeschrei nach dem Staat
Es wird immer unverschämter was die "Arbeitgeber" verlangen wenn ihre Vorstellungen scheitern. Wenn statoil die Bedingungen nicht gefallen.... sie müssen ja in Norwegen kein Öl fordern. ich möchte gar nicht wissen wie stark die Boni und Gehälter der Manager gestiegen sind.
gutefisch 09.07.2012
4. !!!
Zitat von lupenreinDie Spekulanten warten doch sehnlichst auf jede Gelegenheit, jeden noch so absurden Grund zur Anhebung der Ölpreise. Ein Beispiel: Noch vor vier Wochen waren die Öllager in den USA 'randvoll'. die Ölpreise sanken daraufhin um einige %. Seit 1 Woche sind die gleichen Lager angeblich leergefegt. 'Aufatmen ' bei den Spekulanten. Und heute ein echtes 'GlücK'. Neue Preiserhöhungen durchsetzbar. In Norwegen streiken die Ölarbeiter. 2% der Förderung sind noch gar nicht betroffen, lediglich möglicherweise in Gefahr, wenn keine Einigung erzielen werden könnte. Und nur gut, dass im Nahen Osten Spannungen herrschen. Da kann man auch gut an der Preisschraube dregen.Man muss nur schön regelmäßig die Ängste der Menschen schüren und schon rollt der Rubel (in die Taschen der Panikmacher)
warum tut ihr nichts dagegen, jeder einen spekulaten kennt dessen adresse auf facebook veröffentlichen! die adressen bekommt ihr bei einwohnermeldeämtern!
Berliner42 09.07.2012
5.
Zitat von james-100Da fallen im Höchstfalle 2% der weltweiten Liefermenge aus und schon treiben diese gierigen Spekulanten die Preise nach oben.
Das letzte Barrel macht den Preis. Wenn es darum einen Bieterwettstreit gibt, steigt der Preis eben.
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